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Künstler als Visionäre

Teilnehmer des Fachforums Geisteswissenschaften 2012
Teilnehmer des Fachforums Geisteswissenschaften 2012

Seit jeher werfen Künstler visionäre Blicke in die Zukunft und beeinflussen durch ihre Werke die gegenwärtige Gesellschaft und die in ihr lebenden Menschen. Als Vordenker entwickeln Künstler Utopien oder Dystopien und lassen uns dadurch an ihren faszinierenden oder furchterregenden Zukunftsvorstellungen teilhaben. Vom 27. bis 29. Juli 2012 versammelten sich zum Fachforum Geisteswissenschaften 2012 Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen in Wildbad Kreuth, um sich aus ihrer je spezifischen Perspektive dem Thema „Künstler als Visionäre“ anzunähern. 

Eröffnet wurde das Fachforum von der Romanistin Prof. Dr. Karin Westerwelle aus Münster. Mit ihrem Vortrag „Propheten und Außenseiter. Über das Bild des Dichters in der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts“ warf sie einen literaturwissenschaftlichen Blick zurück, wie Künstler im Allgemeinen und im Besonderen zum fin de siècle beschrieben wurden. An Hand einiger Beispiele aus der Literatur verdeutlichte sie, wie Künstler sich selbst darstellten oder dargestellt wurden. 

Der Kulturwissenschaftler Dr. Jörn Bohr aus Leipzig stellte sich und den in Kreuth versammelten Studierenden und Doktoranden die Frage „Was sehen Künstler – und was sehen wir?“ Am Beispiel der Landschaftsmalerei konnte Bohr zeigen, dass Wahrnehmungsmuster kulturell geprägt sind und dass Menschen selbst bei maximaler Abstraktion dazu in der Lage sind, bestimmte Formen der Darstellung wiederzuerkennen. Trotz der philosophischen Dichte des Themas diskutierten Teilnehmern angeregt.

Ein Highlight der Veranstaltung war der Vortrag des ebenfalls aus Leipzig stammenden Künstlers Michael Dietze „Eine Gerade ist ein unendlich großer Kreis“ sowie der sich daran anschließende praktische Teil des Fachforums. Dietze, der während seines Studiums mit dem weltbekannten Begründer der Leipziger Schule Neo Rauch zusammenarbeitete, forderte und förderte die Kreativität der Teilnehmer. Die an die Stipendiaten gestellte Aufgabe, selbst eine Gegenwarts- oder Zukunftsvision zu entwerfen und diese künstlerisch umzusetzen bzw. Ideen für eine praktische Umsetzung zu entwickeln, wurde mit großem Eifer und teilweise spektakulären Ergebnissen durchgeführt. So wurden beispielsweise ein Vorschlag für eine Kunstinstallation zu Papier gebracht oder alle Anwesenden in eine Performance über die düstere und einsame, weil maximal individualisierte Zukunft eingebunden. 

Am Abend standen „Dystopien – Düstere Zukunftsvisionen im Film" auf dem Programm. Der u.a. von Jürgen Vogel produzierte Film „Die kommenden Tage“ aus der Feder und unter der Regie von Lars Kraume provozierte kontroverse Diskussionen unter den Stipendiat. Der Film erzählt von dem Verhältnis zweier Schwestern während dramatischer politischer Veränderungen in Deutschland in den Jahren 2012-2020. In einer Nebenrolle brillierte die kürzlich verstorbene Susanne Lothar.

Die beiden Vorträge am Sonntag standen ganz im Zeichen der Psychoanalyse: Prof. Dr. Alfons Reiter aus Salzburg, stellte in seinem Beitrag „Visionäre Intuition aus bewusstseinspsychologischer Perspektive“ beeindruckende Zeichnungen und Aufzeichnungen bewegender Träume seiner Patienten vor und deutete diese psychoanalytisch. Diese im weitesten Sinne künstlerischen Äußerungen reflektieren unterbewusste Erfahrungen der Patienten und ermöglichen eine gezielte Therapie; wiederum unter Einbeziehung künstlerischer Aktivitäten. 

Der Heidelberger Psychotherapeut Dr. med. Ludwig Janus entwickelte ebenfalls auf Basis der Psychoanalyse den Gedanken, dass schon in der pränatale und noch viel stärker in der postnatalen Phase entscheidende Einflüsse auf das Bewusstsein des Kindes ausgeübt werden. An Beispielen machte Janus deutlich, wie pränatale Erlebnisse sich in das Unterbewusstsein von Kindern einprägen können und später Störungen hervorrufen können. 

Neben den wissenschaftlichen Vorträgen stand auch die Ämterübergabe von Gianluca Pedrotti und Michael Schramm an die neu gewählten Fachforumssprecher Lena Bisinger, Maria Anna Sponfeldner und Pavel Kulha auf dem Programm. Das Thema des Fachforums 2013 lautet: „Die Rolle der Geisteswissenschaften im 21. Jahrhundert“.

Michael Schramm

Prof. Dr. Karin Westerwelle, Französische Abteilung des Romanischen Seminars, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Dr. Jörn Bohr, Ernst-Cassirer-Arbeitsstelle Leipzig, Institut für Kulturwissenschaften, Universität Leipzig

Michael Dietze, Meisterschüler der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Freischaffender Künstler, Leipzig

Der praktische Teil erforderte viel Kreativität - hier die Gruppen in der Diskussion ...

... und bei den Präsentationen ...

Prof. Dr. Alfons Reiter, Fachbereich Psychologie an der Universität Salzburg

Dr. med. Ludwig Janus, Psychoanalytischer Psychotherapeut in eigener Praxis, Heidelberg

Die alten und die neuen Fachforumssprecher: Maria Anna Sponfeldner, Pavel Kulha, Lena Bisinger, Isabel Küfer (HSS), Gianluca Pedrotti und Michael Schramm