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"Meine Sätze spreche ich ..."

Phonetikseminar in Kloster Banz

Die Seminarteilnehmer und Referenten

Schon Bertold Brecht zerbrach sich den Kopf darüber, wie man wohl am besten spricht. Eben das wollten wir als vierzehnköpfige Stipendiatengruppe vom 7. bis 9. September 2012 in Kloster Banz herausfinden. Helfen sollten uns dabei Angela Siegel, ihres Zeichens Urgestein beim Bayerischen Rundfunk, und Uwe Schürmann, ein renommierter Sprecherzieher.

Nach einer kurzen theoretischen Einführung sollte jeder von seinen sprachlichen Sorgen berichten. Vom dunklen, bairischen „a“ über ein zu intensiv gerolltes „r“ hin zum „verbalen Maschinengewehr“ – die Liste ist lang. Neben den individuellen Problemen sollen aber auch andere Dinge – im wortwörtlichen Sinn - zur Sprache kommen. Wie spricht man Texte, die nicht aus eigener Feder stammen, so, dass sie nach einem selbst klingen? Wie spricht man in den schallisolierten Übungsräumen des Klosters, ohne sich zu fragen: „Hups, wo ist mein Wort?“ Alles ist lernbar. Immerhin beginnen Sprache, Atmung und Stimme im Kopf, verrät Uwe Schürmann.

Am nächsten Tag geht es auch gleich ans Werk. Einsprechen bei eisigen Temperaturen? Nicht weiter schlimm, denn uns Sprechwilligen wird schon bald warm bei all dem Bewegen, Dehnen, Strecken und Lockern. Anschließend sammelt sich die eine Hälfte der Seminargruppe im Tonstudio zum Mikrofon-Sprechen. Jeder soll einen Text lesen und eine Minute lang über ein selbst gewähltes Thema referieren. Dabei stehen nicht etwa das Nachwuchsproblem deutscher Männergesangsvereine, die Beziehungsstreitereien während dem Zugfahren oder die beliebte Tonproben-Frage „Was haben Sie heute gefrühstückt?“ im Mittelpunkt. Hauptaugenmerk liegt auf dem Sprechen selbst, und das stellt sich oft als gar nicht so leicht heraus. Angela Schürmann gibt Tipps, damit es vor dem Mikro weder zischt noch ploppt, sondern klappt.

Parallel dazu kümmert sich Uwe Schürmann um die Probleme, die die Seminarteilnehmer beim Sprechen so quälen: Haspeln, Hetzen, Schmatzen, Schlucken und Quäken – niemand will von sich behaupten, dass das Sprechen einwandfrei funktioniert. „Lies mal jedes Wort einzeln, und zwar mit einer Pause nach jedem Wort“, rät Uwe Schürmann. Antonia holt tief Luft. „Da möchte ich schon gleich mal einhaken!“, unterbricht er. Der Schnaufer am Anfang muss nicht sein, den würde Angela Siegel sofort herausschneiden, ginge es um professionelle Aufnahmen fürs Radio.

Aufwärmübungen für die Stimme

Am Nachmittag geht es ans Aufgenommene. Im großen Kreis werden die Tonproben angehört. Anschließend gibt es für jeden Seminarteilnehmer konstruktive Kritik von den beiden Referenten und den anderen Gruppenmitgliedern. Wie auf dem heißen Stuhl fühlt sich aber niemand. „Mein Gehirn kommt manchmal nicht nach bei dem, was ich sag!“ – diese Aussage sorgt natürlich erst einmal für herzliches Lachen. Dahinter steckt aber durchaus etwas Ernstes. Denn leicht ist das so genannte „Sprechdenken“ nicht. Seine Sätze zu sprechen, während man noch über deren Form und Inhalt nachdenkt, ist eine Herausforderung. Bei all dem Lernen und Üben bleibt der Humor dennoch nie auf der Strecke. So antwortet Angela Siegel auf die Frage „Was kann man machen, dass die Stimme etwas cooler, lässiger wird?“ mit einem Lachen. „Drei Whiskys trinken! – Ne, Scherz, mach einen 10-Kilometer-Lauf!“ Man solle die Pausen zwischen den Phrasen mehr auskosten, fährt sie fort, weniger zappeln und auch tiefer und ruhiger sprechen.

Auch am nächsten Morgen geht es fleißig weiter. Früh der Morgen, frisch die Temperaturen: ein zweites Mal wärmen wir unsere Stimmen im Hof des Klosters auf. Das Programm von Uwe Schürmann ist ganz schön anspruchsvoll. Fast hätte daher niemand die verstohlen aus dem Fenster lugende Kamera entdeckt. Die lustigen, aber lehrreichen Übungen sind nun sorgsam für die Nachwelt dokumentiert. Nach weiteren Aufnahmen im Tonstudio trifft sich die Seminargruppe ein letztes Mal. Zum Abschluss soll kurz resümiert werden, was das Seminar gebracht hat. Den wohl bedeutendsten Punkt nimmt sich jeder gern zu Herzen:  „Fehler“ hören sich meist nur halb so schlimm an, wie man sie selbst wahrnimmt. Das Wichtigste bleibt aber immer noch: der Spaß am Sprechen!

Katharina Bauer