Print logo

80. Geburtstag von Theo Waigel

Autor: Katharina Köhn, M.A.

Der ehemalige CSU-Vorsitzende, der Finanzminister der Wendejahre und Namensgeber für den Euro feiert am 22. April 2019 seinen 80. Geburtstag.

Waigel bei der Landesversammlung der Jungen Union 1973

Waigel bei der Landesversammlung der Jungen Union 1973

Josef Slominski; ; HSS, ACSP, PH S JU 1973-2-8

„Oberrohr ist meine Heimat geblieben und mir immer wieder neu zur Heimat geworden.“ Augsburger Allgemeine 23. Juli 1999

 

Theodor „Theo“ Waigel wurde am 22. April 1939 im schwäbischen Oberrohr geboren. Nach dem Abitur studierte er von 1959 bis 1963 in München und Würzburg Rechts- und Staatswissenschaften. Der Abschluss des ersten und zweiten Staatsexamens erfolgte in den Jahren 1963 und 1967. Im gleichen Jahr 1967 wurde er mit einer Arbeit über "Die verfassungsmäßige Ordnung der deutschen, insbesondere der bayerischen Landwirtschaft" zum Dr. jur. promoviert. Bis 1969 war er Gerichtsassessor am Landgericht München I und wechselte 1969 in das Bayerische Staatsministerium für Finanzen als Persönlicher Referent von Anton Jaumann. Ebenfalls als Persönlicher Referent war er von 1970 bis 1972 für Franz Sackmann im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr tätig.



Nach dem Mauerfall: Im Rahmen der "Leipziger Unionsgespräche" zur Zukunft der Konservativen in der DDR besucht die CSU-Landesgruppe die Leipziger Thomaskirche am 12.01.1990

Nach dem Mauerfall: Im Rahmen der "Leipziger Unionsgespräche" zur Zukunft der Konservativen in der DDR besucht die CSU-Landesgruppe die Leipziger Thomaskirche am 12.01.1990

Winfried Rabanus; ; HSS, ACSP, Rabanus Winfried 99-3-11

Waigel und die CSU

„Ohne ein religiöses Fundament kann keine freie Gesellschaft gedeihen.“ Waigel in seiner ersten Aschermittwochsrede als Parteivorsitzender der CSU am 2. Februar 1989

 

Theo Waigel wurde 1957 Mitglied der Jungen Union und drei Jahre später Mitglied der CSU. Als Kreis-, Bezirks- und Landesvorsitzender der Jungen Union regte er intensive Auseinandersetzungen um die politische Programmatik und Grundsatzdiskussionen an. In einer einwöchigen Klausur zu Beginn des Jahres 1972 diskutierten Verteter der JU mit Fachleuten und Wissenschaftlern über die Grundsatzfragen der Politik und entwickelten Handreichungen für die  JU-Mitglieder. Waigel, der als JU-Landesvorsitzender intensiv in diesen Prozess eingebunden war, wurde daraufhin 1973 der Vorsitz der Grundsatzkommission (1973-1988) übertragen. Auf dem Parteitag im März 1976 konnte schließlich ein neues Grundsatzprogramm der CSU verabschiedet werden. 1972 erstmals über die Landesliste in den Bundestag gewählt vertrat er seit 1976 den Bundeswahlkreis Neu-Ulm als direkt gewählter Abgeordneter. Dort amtierte er von 1980 bis 1982 als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. 1982 bis 1989 war er Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag und 1. Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Nach dem Tod von Franz Josef Strauß am 3. Oktober 1988 einigte sich die CSU rasch auf eine Nachfolge mit Max Streibl als neuem Ministerpräsidenten. Der Parteitag der CSU wählte Theo Waigel am 19. November 1988 mit 98,3% zum Parteivorsitzenden. Der CSU-Parteitag am 18. Juli 2009 ernannte Theo Waigel zum Ehrenvorsitzenden. Bei dieser Gelegenheit wurde von vielen Seiten seine Leistungen für die Partei in erfolgreichen aber auch in schweren Zeiten gewürdigt. Dabei mag ihm so manches Mal sein über die Parteigrenzen hinweg bekannter Sinn für Humor und Ironie geholfen haben.

Ein Interview mit Theo Waigel über "Die Wurzeln und geistigen Grundlagen der CSU" in den Politischen Studien aus dem Jahr 2005 finden Sie hier.

Flugblatt für die Europawahl 1989

Flugblatt für die Europawahl 1989

ACSP; ; HSS, ACSP, Fl 1989-6

Waigel der Finanzminister

„Ohne die Wiedervereinigung wäre ich der erfolgreichste Finanzminister der Nachkriegsgeschichte.“ Etwas Anderes zu behaupten bezeichnet Waigel als „Geschichtsfälschung“ Stern Nr.11/1996

 

Am 21. April 1989, also einen Tag vor seinem fünfzigsten Geburtstag, wurde Theo Waigel als Finanzminister in das Kabinett des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl berufen. Seine Amtszeit war geprägt von großen Umbrüchen und Herausforderungen. Der Fall der Mauer im November 1989 hatte tiefgreifende Auswirkungen auf sein Ressort, im Zuge der Wiedervereinigung mussten haushalts- und währungspolitische Entscheidungen getroffen werden. Waigel war maßgeblich an der Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion und der Einführung der D-Mark in den neuen Bundesländern beteiligt, um so Schritt für Schritt den Weg zur Einheit zu ebnen.

Doch er war in dieser Zeit nicht nur in Deutschland gefordert. Auf europäischer Ebene galt es, die Idee von einer gemeinsamen Währung und einer Europäischen Zentralbank weiter zu führen. Seine diesbezüglichen Überzeugungen führten zu innerparteilichen Auseinandersetzungen, die hohen Kosten der Wiedervereinigung und die wirtschaftlich schwierigen ersten Jahre des vereinten Deutschland boten Presse und Öffentlichkeit eine breite Angriffsfläche. Waigel selbst hielt an seinen Plänen fest und konnte so trotz aller Schwierigkeiten der Wendejahre Deutschland die Mitgliedschaft in der Euro-Zone erhalten. Am 26. Oktober 1998 schied Theo Waigel aus dem Amt des Finanzministers aus und zog sich 2002 aus der Politik zurück.

Nach der Politik

„Ich war mir von Anfang an bewusst: Wer hier reingeht, muss auch einmal rausgehen. Und wenn es soweit ist, willst du mit Anstand rausgehen. Ich glaube, das ist mir gelungen.“ Stern 11. Februar 1999


Nach dem Rückzug aus der Politik widmete sich Theo Waigel wieder seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt. In den Jahren 2009 bis 2012 war er als Antikorruptionsbeauftragter (Compliance-Monitor) bei Siemens tätig. Seit dem Jahr 2016 hat er gemeinsam mit seinem Sohn Christian eine Kanzlei in München. Theo Waigel ist seit 1983 Mitglied der Hanns-Seidel-Stiftung, in den Jahren 1989 bis 2018 war er außerdem Mitglied des Vorstands.

 

Der ehemalige Finanzminister Theo Waigel und der amtierende Finanzminister Wolfgang Schäuble eröffnen die zweite Station der Ausstellung "Die Augenbraue" in Augsburg 2010

Der ehemalige Finanzminister Theo Waigel und der amtierende Finanzminister Wolfgang Schäuble eröffnen die zweite Station der Ausstellung "Die Augenbraue" in Augsburg 2010

HSS; ; HSS, ACSP, Augenbraue Augsburg

Anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahr 2009 würdigte ihn die Hanns-Seidel-Stiftung gemeinsam mit dem Kloster Roggenburg mit der Karikaturenausstellung "Die Augenbraue. Theo Waigel im Blick großer Karikaturisten Haitzinger - Hanitzsch - Lang". Den Katalog zur Ausstellung gibt es hier.

Der Vorlass, die Abgabe seiner persönlichen Unterlagen, wurde am 18. Juli 2018 in Waigels schwäbischem Heimatort Oberrohr von Mitarbeitern des ACSP in Empfang genommen und mit einer Spedition nach München gebracht. Einen Bericht finden Sie hier.

"Ehrlichkeit ist eine Währung" unter diesem Titel erscheinen am 15. April 2019 die Erinnerungen von Theo Waigel. Nähere Informationen finden Sie hier.