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SZ-Artikel über ‚Orientalische Sammlung‘ im Kloster Banz
Bayerns peinlichster Artikel - Fakten stimmen nicht

Wer den Samstagsartikel im SZ-Bayernteil unter dem Titel „Bayerns peinlichste Schau“ gelesen hat, mag den Eindruck gewonnen haben, dass hier ohne viel Überlegung, Sinn und Verstand Souvenirs der Orient-Reise von Herzog Maximilian in Bayern aus dem Jahr 1838 im Kloster Banz ausgestellt werden. Im Artikel ist unter anderem von einem „wilden bzw. verstaubten Sammelsurium“ mit „Schrumpfköpfen“, einem Verstoß gegen „Richtlinien für den Umgang mit menschlichen Überresten“ des Deutschen Museumsbundes, einer „zer"- bzw. „gefledderten Mumie“, einem „suppenden Mumien-Gehirn“, und überhaupt einer unreflektierten Ausstellung die Rede.

Neben geografischen und geschichtlichen Schwächen des Autors Lutz Mükke (‚Schrumpfköpfe‘ gibt es nur bei einigen indigenen Völkern in Südamerika, die Tochter des Herzogs, Elisabeth, später Gattin des österreichischen Kaisers, schreibt man, nicht wie im Film, mit nur einem „s“, Herzog Max war auch nie „Landesvater“, denn er regierte nicht), enthält der Text aber auch schlicht falsche Tatsachen. Einige davon müssen im Folgenden richtiggestellt werden; ganz abgesehen davon, dass wir von der SZ ein anderes Niveau erwartet hätten.

Warnschild schwarzes Ausrufezeichen auf gelben Hintergrund

geralt; CC0; Pixabay

Vorab: Ziel der Neugestaltung der ‚Orientalischen Sammlung‘ im Jahre 2009 war es gewesen, diese als kulturgeschichtliches Phänomen vollständig und möglichst originalgetreu zu präsentieren. Neben der Ausstattung mit der originalen Möblierung ist auch versucht worden, die Farbgebung des Ausstellungsraumes gemäß der damaligen Zeit zu rekonstruieren. Allerdings wurde im Gegensatz zur ursprünglichen Präsentation die Mumie aus Pietätsgründen mit einem Gazetuch abgedeckt. Die ausgestellten zwei Mumienköpfe und ein Schädel stehen in der entsprechenden Vitrine im Hintergrund und werden nicht extra durch Spots beleuchtet. Darüber hinaus haben wir diese Exponate nun auch mit einem Gaze-Tuch abgedeckt. Insgesamt ist das Licht im Ausstellungsraum gedimmt, gerade um Sensationsgeheische zu verhindern. Im Einzelnen:

Die Präsentation der menschlichen Überreste entspricht den übrigens erst 2013 formulierten Empfehlungen des Deutschen Museumsbundes für den Umgang mit menschlichen Überresten

Ja, es sind zwei Mumienköpfe, ein menschlicher Schädel und eine Mumie, also menschliche Überreste, ausgestellt. Aber: Es handelt sich dabei nicht um ‚Schrumpfköpfe‘.

Im Jahr 2009 wurde die ‚Orientalische Sammlung‘ von der Staatlichen Sammlung Ägyptischer Kunst (heute Staatliches Museum Ägyptischer Kunst) neu konzipiert und realisiert (siehe dazu das Vorwort von Dr. Sylvia Schoske in der entsprechenden Begleitpublikation). Die Präsentation menschlicher Überreste in der ‚Orientalischen Sammlung‘ des Museums Kloster Banz entspricht dabei den Empfehlungen zum Umgang mit menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen des Deutschen Museumsbundes.

Keine „zer"- bzw. "gefledderte Mumie"

Die ausgestellte Mumie ist wissenschaftlich untersucht worden. Erst im Januar 2018 wurde sie erneut durch einen Spezialisten begutachtet. Sie ist weder „zer"- noch "gefleddert“.

Die für die Neupräsentation verantwortlichen Münchner Wissenschaftler haben sehr wohl über die Ausstellungsgestaltung reflektiert

Bei der Neukonzeption der Ausstellung wurde strikt darauf geachtet, dass die zum Bestand der ‚Orientalischen Sammlung‘ gehörenden menschlichen Überreste ausschließlich nach ethischen und wissenschaftlichen Kriterien präsentiert werden. Dabei wurde die Präsentation der Exponate gründlich auf Für und Wider abgewogen.

Äußerungen in Führungen wie „suppendes Mumien-Gehirn“ fallen nicht

Derartiges wird bei Führungen sicher nicht vorgetragen, sondern ganz im Gegenteil: Im Zuge der Museumsarbeit, insbesondere bei den Führungen, wird immer auf einen angemessenen Ton und einen würdevollen Umgang mit den menschlichen Überresten Wert gelegt. Die Gästeführer verhalten sich stets würdevoll und erlauben sich keine Verfehlungen und verbalen Entgleisungen.

Diese Achtung der Pietät kommt auch in entsprechenden Hinweisschildern zum Ausdruck, die vor dem Eingang zum Museum und an der Museumskasse angebracht sind. Diese weisen auf menschliche Überreste hin, die in der Ausstellung zu sehen sind: „Liebe Gäste, unsere Orientalische Sammlung zeigt menschliche Überreste (human remains). Wir bemühen uns um einen respektvollen Umgang sowie eine würdige Präsentation“.

Daneben werden Familien mit Kindern auch mündlich darauf hingewiesen, dass menschliche Überreste in der Ausstellung zu sehen sind.

Dass all diese Fakten jedoch im Artikel keinerlei Berücksichtigung fanden, ist sehr schade. Die Geschichte ist, so wie sie Herr Mükke geschrieben hat, natürlich viel sensationsheischender. Ob der befragte Leipziger Restaurator von Stülpnagel die Angelegenheit richtig einordnen konnte, darf dahingestellt bleiben. In Banz war er anscheinend jedenfalls nicht. Die oben angeführten Fakten hätten – so jedenfalls unser Eindruck – im Artikel nur gestört. Schade, dass sich die SZ nicht zu schade ist, so etwas auch noch zu drucken.

Kontakt
Leiter: Thomas Reiner
ZA-1: Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Leiter:  Thomas Reiner
Telefon: 089 1258-500
E-Mail: Reiner-T@hss.de