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Berufssprache Deutsch

Auf einer Arbeitstagung im Kloster Banz richtete sich der Fokus unter dem Titel „Berufssprache Deutsch – Sprachliches Wissen und kommunikatives Handeln in der beruflichen Ausbildung“ auf Jugendliche mit besonderem Sprachförderbedarf, also gerade auch auf jugendliche Asylbewerber und Jugendliche mit Migrationshintergrund.


Sprachliches Wissen und kommunikatives Handeln in der beruflichen Ausbildung

Der Teilnehmerkreis (153 Personen) dieser Kooperationsveranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung mit dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst und dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung am 15. und 16. März 2016, setzte sich aus Fachleuten aus dem Bildungsbereich, der Politik und der Wirtschaft zusammen. Vertreter der Kultusministerkonferenz, aus den Kultusministerien und Schulbehörden der Länder, der zuständigen bayerischen Ministerien, der Schulaufsicht, der Berufs- und Berufsfachschulen, der Lehrerbildung, der Lehrerfortbildung, der Universitäten, der Verbände und der zuständigen Stellen informierten sich und diskutierten zum Tagungsthema.

Referenten und Tagungsorganisatoren

Sprachliches Wissen und kommunikatives Handeln in der beruflichen Ausbildung

Der Teilnehmerkreis (153 Personen) dieser Kooperationsveranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung mit dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst und dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung am 15. und 16. März 2016, setzte sich aus Fachleuten aus dem Bildungsbereich, der Politik und der Wirtschaft zusammen. Vertreter der Kultusministerkonferenz, aus den Kultusministerien und Schulbehörden der Länder, der zuständigen bayerischen Ministerien, der Schulaufsicht, der Berufs- und Berufsfachschulen, der Lehrerbildung, der Lehrerfortbildung, der Universitäten, der Verbände und der zuständigen Stellen informierten sich und diskutierten zum Tagungsthema.

Blick ins Plenum

Die Berufsschule hat gemäß Art. 11 BayEUG die Aufgabe, den Schülerinnen und Schülern berufliche und allgemeinbildende Lerninhalte unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen der Berufsausbildung zu vermitteln. Die Berufsfachschule ist gemäß Art. 13 BayEUG eine Schule, die der Vorbereitung auf eine Berufstätigkeit oder der Berufsausbildung dient und die Allgemeinbildung fördert.

Für den erfolgreichen Übergang in eine Berufsausbildung und um eine betriebliche Ausbildung bzw. eine Berufsfachschule erfolgreich zu durchlaufen, benötigen die Schülerinnen und Schüler als Grundlage sprachliche Fertigkeiten. Die Kompetenz, die deutsche Sprache im beruflichen Kontext mündlich und schriftlich situationsangemessen und korrekt anzuwenden, ist unerlässlich. Zusätzlich bildet die Sprach- und Kommunikationskompetenz die Basis sowohl für eine erfolgreiche persönliche Weiterentwicklung als auch für eine gelingende gesellschaftliche Integration.

Workshop "Vom Lehrplan zum Unterricht"

Besonders die Berufs- und Berufsfachschule stehen vor sehr großen Herausforderungen, denn die Schülerschaft ist – mit anhaltendem Trend – äußerst heterogen zusammengesetzt, sowohl bezogen auf das Niveau der sprachlichen Kompetenz, der schulischen sowie der fachlichen Vorbildung als auch hinsichtlich der Altersstruktur. Diese Heterogenität erfordert deshalb in allen Klassen an Berufs- und Berufsfachschulen, besonders aber in Klassen der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung, ein sehr differenziertes Angebot der Sprachbildung.

MR Dr. Alfons Frey analysierte in seinem Referat zur Eröffnung der Tagung die Situation der Sprachbildung im Kontext des berufs- und berufsfachschulischen Lernens im Unterricht und warb für das innovative Konzept der Integrierten Sprachförderung im Unterricht. Frau Dr. Elisabetta Terrasi-Haufe vom Institut für Deutsch als Fremdsprache an der Ludwig-Maximilians-Universität München gab die wissenschaftlichen Inputs zur Handlungsorientierung als Prinzip der Sprachförderung und zeigte darüber hinaus, zusammen mit Frau Martina Hoffmann von der Staatlichen Berufsschule Mühldorf am Inn, wie man die sprachliche Kompetenz von Seiteneinsteigern in der beruflichen Ausbildung fördern kann.

Materialschau und Ideen für den Unterricht

Der neue Lehrplan Deutsch für die Berufs- und Berufsfachschule, der Wesenskern der Arbeitstagung, und das umfassende und detaillierte Konzept zur Multiplikation des Lehrplans und dessen Implementierung wurden von der Leiterin der Lehrplankommission Frau Petra Sogl vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung vorgestellt. Mit der Einführung des neuen Lehrplans sind u. a. folgende grundlegende Neuerungen verbunden:

  • Berufssprache Deutsch als verpflichtendes neues Unterrichtsprinzip im fach- und allgemeinbildenden Unterricht
  • Verknüpfung des Lehrplans Deutsch mit den Lehrplanrichtlinien der Berufe
  • Gliederung des Lehrplans in drei Bereiche: Basis-, Regel- und Wahl-pflichtlehrplan
  • gezielte Sprachförderung für Schüler mit erhöhtem Sprachförderbedarf, insbesondere für Schüler mit Flucht- bzw. Migrationshintergrund

Der Lehrplan Deutsch und das darin verankerte Unterrichtsprinzip Berufssprache Deutsch unterstützen die durchgängige und differenzierte Sprachbildung, von der Berufsorientierung/-vorbereitung bis zum erfolgreichen Berufsabschluss mit einem handlungsorientierten Konzept in der Sprachbildung und einem gestuften Angebot an sprachlich-kommunikativen Zielkompetenzen. Das Unterrichtsprinzip Berufssprache Deutsch impliziert, dass die Schüler in der Entwicklung ihrer berufssprachlich-kommunikativen Kompetenzen zielorientiert im fachlichen sowie allgemeinbildenden Unterricht gefördert werden. Für Sprachfördermaßnahmen können Berufs- und Berufsfachschüler jedoch nur dann motiviert werden, wenn eine enge sprachlich-fachliche Verzahnung und lebensweltliche Anbindung an den Ausbildungskontext gewährleistet werden. Authentische Sprache in berufsrelevanten Situationen ist hierzu der Schlüssel. Die Schülerinnen und Schüler

  • lernen Techniken und Strategien für eine sach-, situations- und adressatengerechte Interaktion und Kommunikation.
  • entwickeln Verständnis für inhaltliche und sprachliche Zusammenhänge.
  • erwerben die Kompetenz für einen zielgerichteten und reflektierten Umgang mit der angebotenen Informationsvielfalt, insbesondere mit digitalen Medien.
  • werden befähigt, sich in beruflichen, gesellschaftlichen wie privaten Situationen sachgerecht durchdacht sowie individuell, sozial und im Umgang mit Differenz verantwortlich zu verhalten.
  • erwerben Reflexionsfähigkeit, vernetztes Denken, Kooperations- und Konfliktfähigkeit.
  • erkennen den Zusammenhang zwischen sprachlichem Handeln, sozialem Verhalten und beruflichem Erfolg.
  • erwerben zentrale Schlüsselkompetenzen wie Urteilsfähigkeit und Konfliktlöse­fähigkeit für ihr Handeln als mündiger Bürger und zur Identifikation mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung.

Die Arbeit in den angebotenen Workshops „Vom Lehrplan zum Unterricht“ am ersten Tag der Arbeitstagung und „Berufssprache Deutsch für heterogene Lerngruppen“ am zweiten Tag der Arbeitstagung hatten das Ziel aufzuzeigen, wie der neue Lehrplan Deutsch zusammen mit den Lehrplanrichtlinien der Berufe bei der Unterrichtsvorbereitung gelesen, der Unterricht danach vorbereitet und umgesetzt werden muss. Die Leiterinnen und Leiter der Workshops, die Fachmitarbeiterinnen und Fachmitarbeiter Berufssprache Deutsch an den Bezirksregierungen und die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren Berufssprache Deutsch, führten die Gruppen die die Workshopthemen ein und gaben fundiert Auskunft über die didaktisch-methodischen Überlegungen bei der Vorbereitung und Umsetzung der Unterrichtsbeispiele.

Im weiteren Verlauf der Arbeitstagung gab MR Dr. Robert Geiger vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und  Kultus, Wissenschaft und Kunst einen Überblick zur Situation der Beschulung von Asylbewerbern und Flüchtlingen in den Berufsintegrationsklassen. Angesichts der steigenden Schüler- und Klassenzahlen betonte er dabei die Bewilligung des deutschlandweit einmaligen Pakets von 500 Millionen Euro des Freistaats Bayern im Nachtragshaushalt zur Unterstützung des unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Angebots für berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge.

Auf der Arbeitstagung wurde der neue Lehrplan Deutsch für die Berufs- und Berufsfachschule erstmals einem breiten Fachpublikum präsentiert. Die Tagung verdeutlichte die Notwendigkeit der durchgängigen Sprachbildung an Berufs- und Berufsfachschulen, warb für das innovative Konzept der Integrierten Sprachförderung im Unterricht und sensibilisierte für das Unterrichtsprinzip Berufssprache Deutsch im neuen Lehrplan Deutsch. Die Zuständigkeiten bei der Einführung des neuen Lehrplans Deutsch wurden von den Verantwortlichen diskutiert und festgelegt.

Kontakt
Leiterin: Paula Bodensteiner
Referat II/4: Bildung, Hochschulen, Kultur
Leiterin:  Paula Bodensteiner
Telefon: 089 1258-264
Fax: 089 1258-469
E-Mail: bodensteiner@hss.de