Print logo

Tadschikistan
Bildungsoffensive für Frauen im Öffentlichen Dienst

Frauen spielen eine wichtige Rolle in der tadschikischen öffentlichen Verwaltung. Dies geht zum Teil noch auf die Sowjetzeit zurück. Inzwischen hat sich der Lebensstil der Tadschiken gewandelt, er ist konservativer geworden. Das wirkt sich auch auf die Erwerbstätigkeit von Frauen aus. Das nationale Institut für öffentliche Verwaltung unter dem Präsidenten der Republik Tadschikistan hat Schwierigkeiten, Frauen im öffentlichen Dienst zu finden, die eine berufliche Weiterqualifizierung absolvieren möchten. Nun hat das Institut eine Lösung gefunden.

Diese Frauen beginnen einen neuen Lehrgang am nationalen Institut für öffentliche Verwaltung unter dem Präsidenten der Republik Tadschikistan

Diese Frauen beginnen einen neuen Lehrgang am nationalen Institut für öffentliche Verwaltung unter dem Präsidenten der Republik Tadschikistan

HSS Zentralasien

In Tadschikistan nahm die Gleichstellung von Frauen und Männern während der Sowjetzeit durch besondere politische Maßnahmen, wie etwa die Alphabetisierungskampagnen und die Förderung von Vollbeschäftigung für Frauen zu. Ja, es wurde sogar das heute in Deutschland viel diskutierte Prinzip „gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit“ angewendet.

Seit der Unabhängigkeit im Jahre 1991 hat sich Tadschikistan langsam, aber stetig verändert. Das Land und seine Bürger haben sich wieder stärker auf ihre landesspezifische Kultur und ihre Traditionen rückbesonnen. Die Menschen neigen dazu, wieder einen konservativeren Lebensstil zu pflegen. Parallel dazu erlangte auch Religion in der Gesellschaft wieder einen höheren Stellenwert.

Dies hat sich auch auf den Anteil von Frauen in der tadschikischen öffentlichen Verwaltung niedergeschlagen. Die HSS und das nationale Institut für öffentliche Verwaltung unter dem Präsidenten der Republik Tadschikistan, Partner der Stiftung, sind von dem Thema betroffen, weil es immer schwieriger geworden ist, Frauen für ihren einjährigen Master-Ausbildungskurs in der Hauptstadt zu gewinnen. Gründe dafür sind etwa eine frühe Heirat oder Schwierigkeiten, ihre Familie für ein Jahr Ausbildung zu verlassen oder die fehlende Erlaubnis des Ehemanns.

Nun können sich diese Tadschikinnen den Traum einer Weiterbildung erfüllen

Nun können sich diese Tadschikinnen den Traum einer Weiterbildung erfüllen

HSS Zentralasien

Neue Zusatzqualifikation für Frauen

Nach zweijähriger Vorbereitung hat die Hanns-Seidel-Stiftung nun zusammen mit ihrem tadschikischen Partner am 2. Juli 2019 im nord-tadschikischen Regierungsbezirk Sugd ein neues regionales Ausbildungsprogramm für Frauen gestartet. Dieses richtet sich an öffentlich Bedienstete, die sich weiterqualifizieren möchten. Das tadschikische Bildungsministerium sieht für dieses Programm 300 Unterrichtstunden in vier Blöcken von jeweils 15 Tagen vor. Zu den Lerninhalten gehören alle gesetzlichen Themen, die ein öffentlich Bediensteter in Tadschikistan kennen muss, wie etwa Gesetze zum öffentlichen Dienst, Personalrecht, Wirtschaftsförderung oder Teambuilding. Auch pädagogische Grundkenntnisse werden vermittelt. Die so ausgebildeten Frauen sollen motiviert werden, später in ihren Verwaltungen als Multiplikatorinnen zu wirken.

Nach der offiziellen Eröffnung mit Vertretern der zuständigen staatlichen Einrichtungen konnten 25 ausgewählte Kandidatinnen ihre Ausbildung beginnen. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten sie ein staatlich anerkanntes berufsspezifisches Diplom. Dieses bestätigt, welche neuen Kompetenzen sie erlangt haben. Es wird ihnen auch bei ihrer zukünftigen beruflichen Laufbahn eine Hilfe sein.

Das neue Ausbildungsprogramm wird in jeder Region und jedem Regierungsbezirk angeboten. So können die Teilnehmerinnen entweder abends zu ihren Familien nach Hause gehen oder sie werden vor Ort in Pensionen untergebracht. Nun haben die Familien keine weiteren Einwände mehr gegen den Wunsch nach Weiterbildung ihrer Töchter oder Ehefrauen. So kann mit dieser Ausbildung die Spannung zwischen Beruf und Familie gelöst werden für Frauen, die im öffentlichen Dienst tätig sein möchten. Die Nachfrage in Sugd nach dem neuen Bildungsangebot war hoch: Auf einen Studienplatz kamen vier Bewerberinnen. Das Amt des tadschikischen Präsidenten hat schon jetzt darum gebeten, das neue Programm auf die anderen Regierungsbezirke auszuweiten.

 

Kontakt
Projektleiter Zentralasien: Dr. Max Georg Meier
Kirgisistan
Projektleiter Zentralasien:  Dr. Max Georg Meier