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Filmseminar mit Dennis Gansel
Courage in einem diktatorischen System

Autor: Artur Kolbe

„Napola – Elite für den Führer“ hieß der Filmbeitrag, den das Institut für Politische Bildung am Samstag, den 10. Dezember 2016, im Konferenzzentrum München einem interessierten Teilnehmerkreis vorstellte. Der Regisseur und Drehbuchautor Dennis Gansel, der zwölf Jahre in München gelebt und an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) studiert hat, war aus Berlin angereist.

Dennis Gansel, Filmregisseur des bekannten Kinofilms "Napola - Elite für den Führer"

Jens Koch

Internatsdrama aus der Zeit des Nationalsozialismus

Das Filmseminar stand unter dem Motto „Courage in einem diktatorischen System“. In dem Film „Napola – Elite für den Führer“ geht es um die Verführung junger Menschen in der nationalsozialistischen Zeit an einer nationalpolitischen Erziehungsanstalt (amtlich NPEA), die aber im Volksmund Napola (für nationalpolitische Lehranstalt) genannt wurde. Insgesamt gab es 1941 30 solche „höheren Schulen“ mit etwa 6000 Schülern; drei von ihnen waren Mädchen vorbehalten. Mit seinem Nazi-Internatsdrama nimmt Dennis Gansel ein brisantes Thema auf. Aus einer eher distanzierten Sicht beschreibt er einen bisher filmisch nicht thematisierten Teil der Nazi-Maschinerie, die junge, begeisterungsfähige Menschen ab dem Alter von zehn Jahren mit zukunftsträchtigen Versprechungen und glorifizierten Idealen und Idealvorstellungen köderte. Der Regisseur bietet dabei eine überzeugende Innensicht einer ideologisch durchtränkten und unmenschlichen Kaderschmiede des Nationalsozialismus. Zugleich erzählt er die Geschichte einer tiefen Freundschaft und des langsamen Erwachens eines jugendlichen Gewissens.

Regisseur Gansel im Gespräch mit der Filmjournalistin Christine Weissbarth

Regisseur Gansel im Gespräch mit der Filmjournalistin Christine Weissbarth

HSS

Gansel über die Entstehung des Films

Spannend, bewegend und bedrückend verdankt die gekonnte Inszenierung viel den großartigen Jungschauspielern, u.a. Max Riemelt in der Hauptrolle als Friedrich und Tom Schilling als „schöngeistiger Albrecht“. Dennis Gansel, der auch das Drehbuch zu seinem Film geschrieben hat, erzählt von der Genese des Films, auch von Erzählungen seines Großvaters, der selbst ein begeisterter Napola-Schüler war. Zudem benutzte der Regisseur die Recherchen von zwölf Beratern und als Hauptquelle Uwe Lamprecht, der Jungmann bei der Napola in Plön war. In der ausgedehnten Diskussion kam auch die hohe Selbstmordrate in den Napola-Schulen zur Sprache, ein Thema, das auch im Spielfilm eine zentrale Rolle spielt und obwohl es sich um „Elite-Schulen“ handelt, waren die Ausbilder Offiziere der Wehrmacht und nicht der SS, die ja eigentlich für „Elitefragen zuständig war“. Die Nationalsozialisten legten Wert darauf, "Leute aus reichen Häusern" nicht besser zu stellen. Alle wurden „gleich behandelt,“ aber trotzdem herrschte ein Dünkel gegen „alles Intellektuelle“. Dass ausgerechnet der Sohn des Gauleiters Heinrich Stein - oft zu Besuch in der (fiktiven) „Napola Allenstein“ - Schriftsteller werden will und so gar nicht dem Ideal eines Zöglings der nationalsozialistischen „Lehranstalt“ entspricht, führt in der Konsequenz der Dramaturgie des Films zum spektakulären Selbstmord Albrechts im eiskalten Wasser unter der Eisdecke eines zugefrorenen Sees, indem er sich vor den Augen seines entsetzten Freundes Friedrich auf den Grund sinken lässt.

Lob und Preise für den Film

Tagungsleiter Artur Kolbe wies zum Schluss auf den Literaturkritiker und Autor Hellmuth Karasek hin, selbst ehemaliger Napola-Schüler, bei dem der Film „präzise Erinnerungen" geweckt habe: Der Film bilde nicht nur gewöhnliche Schikanen - wie in jedem Internat üblich - ab. Die Nazis hätten den Schülern Kadavergehorsam eingebläut und versucht, jede Art von Menschlichkeit auszutreiben. 

„Napola – Elite für den Führer" erhielt den Deutschen Filmpreis 2004 und den Bayerischen Filmpreis 2005.

Kontakt
Referat III/3: Politische Grundlagen, Demokratie und Werte
Leiter:  Artur Kolbe
Telefon: 089 1258-303
Fax: 089 1258-338
E-Mail: kolbe@hss.de