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Die "Arbeitsgemeinschaft CDU/CSU Deutschlands"

41 Delegierte aus allen Bundesländern konstituieren in Königstein i. Taunus die "Arbeitsgemeinschaft CDU/CSU Deutschlands". Es wird eine Geschäftsordnung genehmigt, fünf Arbeitsausschüsse werden errichtet und ein Vorstand mit Josef Müller als Vertreter Bayerns gebildet. Die erste Tagung des Vorstands findet vom 13. bis 15.3.1947 in Berlin statt.

 

 

Bei einem Treffen der Landesvorsitzenden der Unionsparteien am 28./29. August 1946 in Königstein konzipierten die Teilnehmer Pläne für eine „Arbeitsgemeinschaft der CDU/CSU-Deutschlands“ als interzonale organisatorische Klammer. Diese Pläne wurden dann auf dem 2. Königsteiner Treffen am 5./6. Februar 1947 verwirklicht. 

Schon mit der Gründung eines „Zonenverbindungsausschusses“ im Dezember 1945 gab es Bestrebungen, die Kontakte zwischen den Unionsparteien in den Zonen bzw. den Landesverbänden zu intensivieren und Schritte für die Gründung einer Gesamtpartei (Reichsunion) einzuleiten. Während sich der CSU-Parteivorsitzende Josef Müller, der für die CSU vornehmlich die Verhandlungen führte, eine gesamtdeutsche Union als Fernziel vorstellen konnte, gab es für diese Idee in der CSU keine Mehrheit. Insbesondere ehemalige Mitglieder der Bayerischen Volkspartei und der Vertreter des „Bauernflügels“, der CSU, die eine bayerische Eigenstaatlichkeit bewahren und eher noch ausbauen wollten, lehnten entsprechende Pläne entschieden ab.

Auf der CSU-Landesausschusssitzung vom 6. September 1946 erläuterte Josef Müller den erreichten Kompromiss: 

„Auch die Union, die eines Tages für Deutschland entstehen wird, die jetzt zunächst durch eine Arbeitsgemeinschaft repräsentiert ist, wird auf föderalistischer Basis auf-gebaut sein als eine Zusammenfassung von gleichberechtigten Unionen….Wir wer-den in Bayern die Christlich-Soziale Union sein genauso wie die anderen sich Christ-lich-Demokratische Union nennen.“

Für die CSU wurde Josef Müller in den neunköpfigen Vorstand der Arbeitsgemeinschaft gewählt, der bis 1950 amtierte. Bei den Tagungen wurden aktuelle Probleme wie Entnazifizierung, Versorgungslage, Verfassungsfragen, gesamtdeutsche Repräsentation, außenpolitische Lage, Kontakte zu christlichen Parteien im Ausland und Organisationsfragen beraten. Das Sekretariat in Frankfurt am Main wurde von Generalsekretär Bruno Dörpinghaus geleitet. Seit Juni 1947 gab es mit dem „Union-Dienst“ einen Pressedienst, der später in „Deutschland-Union-Dienst“ und „Union in Deutschland“ umbenannt wurde. Als Ende 1947 Jakob Kaiser und Ernst Lemmer abgesetzt wurden, kam es zum Abbruch der Zusammenarbeit mit der nun von Otto Nuschke geführten CDU der Sowjetischen Besatzungszone (Ost-CDU). Die „Arbeitsgemeinschaft der CDU/CSU“ endete schließlich mit der Gründung der Gesamtpartei CDU – (ohne CSU) auf dem ersten Parteitag am 20./21. Oktober 1950 in Goslar und der endgültigen Wahl von Konrad Adenauer zum CDU-Vorsitzenden.

Pressebild-Agentur Schirner; DHM, Berlin