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Die Geschichte des Parlamentarismus

Die Geburtsstunde des Parlamentarismus in Deutschland wird gleichgesetzt mit dem Zusammentreten der Nationalversammlung in Frankfurt am Main im Jahr 1848. Vom 24. bis 26. Januar 2014 trafen sich in Kloster Banz Stipendiaten verschiedener Fachbereiche, um sich mit der Geschichte des Parlamentarismus zu beschäftigen.

Reinhard Heydenreuter

Reinhard Heydenreuter

Während der Referent Prof. Heydenreuter vor allem durch interessante Anekdoten – die von den Mätressen der Wittelsbacher bis zur Geschichte des „Raufens“ vor dem Wirtshaus reichten – das Plenum in seinen Bann zog, wusste Horst Pfadenhauer mit harten Fakten zu überzeugen. Diese ließ er jedoch nicht einfach im Raum der Geschichte stehen, sondern verband sie, um Kausalitäten aufzuzeigen, die Lehren für unseren heutigen Parlamentarismus bereithielten.

Die Schwachstellen der Verfassung von Weimar wurden aufgeführt. Dies gab dem Reichspräsident die Machtfülle eines „Ersatzkaisers“. Dem Reichspräsident war es zum Beispiel möglich, Regierungen ohne Parlamentsmehrheit einzusetzen, wodurch der Wille der Wähler ignoriert wurde. Dass dies nach der bundesrepublikanischen Verfassung nicht mehr möglich ist, ist als eine Lektion der Geschichte zu verstehen.

Die Schwachstellen der Verfassung von Weimar wurden aufgeführt. Dies gab dem Reichspräsident die Machtfülle eines „Ersatzkaisers“. Dem Reichspräsident war es zum Beispiel möglich, Regierungen ohne Parlamentsmehrheit einzusetzen, wodurch der Wille der Wähler ignoriert wurde. Dass dies nach der bundesrepublikanischen Verfassung nicht mehr möglich ist, ist als eine Lektion der Geschichte zu verstehen.

Horst Pfadenhauer erklärt den Stipendiaten die Entwicklung des Parlamentarismus

Horst Pfadenhauer erklärt den Stipendiaten die Entwicklung des Parlamentarismus

Einen besonderen Wert legten beide Referenten darauf, die genuin bayrische Entwicklung von 1848 bis zur deutschen Einheit aufzuzeigen. Was konträr klingt, brachte eine gewisse Beispielhaftigkeit hervor. Zudem wurde durch die Spezialisierung auf die Geschehnisse in Bayern selbst für versierte Zuhörer ein neuer Blickwinkel auf eine scheinbar bekannte Materie geschaffen. 

Die Darstellung reichte dabei – die folgenden Worte sind nur mit einem Augenzwinkern zu verstehen – von Erwartbarem: „In Bayern werden die Revolutionen im Bierkeller geplant.“ (Heydenreuter) bis zu Informationen, die selbst dem historisch gebildeten Hörer nicht bekannt waren: „Die Ausarbeitung der deutschen [bundesrepublikanischen] Verfassung fand am Chiemsee statt.“ (Pfadenhauer). Dass fast alle Revolutionen der neueren deutschen Geschichte in Bayern begannen ist dabei als eine Art Quintessenz zu betrachten.

Trotz dieser speziellen Bedeutung Bayerns für die Entwicklung des deutschen Parlamentarismus verloren die Vortragenden nie den größeren Kontext aus den Augen, sodass Pfadenhauer das Seminar nicht mit der Wiedervereinigung 1989/90 schloss. Vielmehr verband er die Geschehnisse von 1848 bis dato mit einem Ausblick auf die nähere Zukunft des deutschen Parlamentarismus. Sein Resümee der vergangenen Tage war folglich mehr als eine bloße Aufarbeitung von bereits Gehörtem. Es war ein Teil der politischen Bildung, die dem gesamten Plenum noch einmal nachdrücklich die Bedeutung und Wichtigkeit einer „wehrhaften Demokratie“ vor Augen führte. 

David Schmiedel M.A.

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