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Konferenz, Interview und eine Deklaration der europäischen Jugend
Die Zukunft des Balkan und der EU

Die Welt verändert sich rasend schnell. Wenn die Europäische Union ihre Position im weltweiten Machtgefüge erhalten und ausbauen möchte, kommt sie nicht daran vorbei, sich auf den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel einzustellen. Das wurde auf der „Konferenz zur Zukunft Europas“ in Zagreb sehr deutlich formuliert. Außerdem wurde klar: Wenn es um Zukunftsfragen geht, sollte man diejenigen Fragen, die in dieser Zukunft leben werden.

„Wir müssen gemeinsam entscheiden, was für eine Entwicklung der EU wir uns wünschen!“  sagte Marija Pejčinović Burić zu Beginn der „Konferenz zur Zukunft Europas“ in Zagreb. Sie ist nicht nur Vize-Ministerpräsidentin des jüngsten EU-Mitgliedstaates, sondern auch noch kroatische Außenministerin und Europaministerin. „Dabei sollten wir auch sämtliche Herausforderungen an den Kern der europäischen Zusammenarbeit vor Augen halten. Die Werte, auf denen die EU beruht, sind das Bollwerk gegen den Trend zum steigenden Populismus und Euroskeptizismus. Wegen Zugehörigkeit zu diesen Werten ist Kroatien der EU beigetreten.“

"Jugend war schon immer die treibende Kraft der europäischen Integration." (Markus Ferber, MdEP)

"Jugend war schon immer die treibende Kraft der europäischen Integration." (Markus Ferber, MdEP)

HSS

Aber wie genau will sich die Europäische Union auf die Herausforderungen der Zukunft einstellen? Wie kann die Integration der Nationalstaaten vorangetrieben werden und ist das überhaupt wünschenswert? Bei der Konferenz in der kroatischen Hauptstadt sollte auch die Stimme der Jugend gehört werden, die schon immer die „treibende Kraft der europäischen Integration“ gewesen sei, wie Markus Ferber (MdEP) sagte. Dafür hatten Politikwissenschaft-Sudenten der Universität Zagreb tags zuvor in einem Workshop eine „Deklaration der Europäischen Jugend“ erarbeitet, in der sie deutlich ihren Wunsch nach mehr Einigkeit in Europa, effizienteren Strukturen und einer Konzentration auf Europas Kernkompetenzen in der Wissenschaft und Wirtschaft sowie wertegetragener europäischer Außenpolitik formulierten.

Info:

Kroatien ist am 1. Juli 2013 der EU beigetreten, nach dem Abschluß der seit Oktober 2005 begonnenen EU-Beitrittsverhandlungen. Die europäische Perspektive wurde den südosteuropäischen Ländern, somit auch Kroatien, beim Zagreber EU-Gipfeltreffen im November 2000 gegeben. Die nächsten Ziele des jünsten EU-Mitgliedstaats sind der Beitritt zum Schengenraum, zur Euro-Zone, eine aktive Beteiligung in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik der EU sowie eine noch aktivere Rolle bei der Unterstützung seiner südosteuropäischen Nachbarn. Die Hanns-Seidel-Stiftung hat dem zu Beginn des Jahres 2016 mit der Etablierung eines Regionalbüros in Zagreb unter Leitung von Dr. Klaus Fiesinger Rechnung getragen, um neben einem länderspezifischen Projektansastz auch den Regionaldialog und die Regionalkooperation zu fördern und Netzwerkstrategien aufzubauen.

Klicken Sie sich hier durch den Abend vom 9. Februar, als in Zagreb über die Zukunft Europas diskutiert wurde:

Deklaration der Jugend zur Zukunft Europas

Fünfzig Studenten der Universität Zagreb haben im Vorfeld der „Konferenz zur Zukunft Europas“ über ihre gemeinsame Zukunft in Europa debattiert. Das Zagreber Büro der Hanns-Seidel-Stiftung und die Politikwissenschaftliche Fakultät der Universität Zagreb haben in Zusammenarbeit mit der slowenischen und französischen Botschaft den Workshop organisiert, der sich an den fünf Szenarien des EU-Weißbuches zur Zukunft Europas orientierte: 

Eine Gruppe junger Menschen sitzt in einem Stuhlkreis zusammen. Ein Teil der Gruppe diskutiert, ein anderer Teil hört interessiert zu.

Der Workshop erarbeitete zwei Slogans: “United in Diversity” und “Alone is harder, together is better”

HSS

  1. Weiter wie bisher

  2. Schwerpunkt Binnenmarkt

  3. Wer mehr will, tut mehr

  4. Weniger, aber effizienter

  5. Viel mehr gemeinsames Handeln

Die von den Studenten erarbeiteten Slogans “United in Diversity” sowie “Alone is harder, together is better” zeugen vom Glauben der Jugend an die europäische Idee. Dies wurde in der Jugenddeklaration zur Zukunft Europas bekräftigt, die die Studenten gemeinsam erarbeitet haben. 

Wissenschaft, Technologie und Innovation im Einklang mit europäischen Werten sehen sie als Standortvorteil der EU. Darauf solle man weiterhin die gemeinsame Zukunft gründen.

Die Deklaration wurde europäischen Politikern, Wissenschaftlern, Diplomaten und Strategen an der Universität Zagreb vorgestellt.

Lesen Sie hier die Deklaration in deutscher Übersetzung:

9. Januar, 2018

Hochverehrte Gäste, Eure Exzellenzen, Professoren, geschätzte Kollegen und Freunde, guten Morgen. Gestern sind Studenten der Fakultät für Politikwissenschaften und Stimme einer neuen Generation von Diplomaten, Politikern und Experten zusammengekommen, um die Zukunft zu diskutieren, die vor Europa liegt.

An ihrer statt habe ich heute die Ehre, Ihnen von ihrer Vision zu berichten.

Die Vision dieser jungen Leute ist einfach und kraftvoll. Sie wollen eine vielfältige, innovative Europäische Union schaffen, die sich die besten Elemente unserer Traditionen und Kulturen zunutze macht, um so eine effizientere und reaktionsfähigere EU-Regierung zu schaffen.

Wenn ich über die Europäische Union nachdenke, erinnere ich mich an Robert Schumann, der vor mehr als sechzig Jahren erklärt hat, dass ein vereintes Europa unverzichtbar für die Förderung weltweiten Friedens ist. Seitdem hat sich Europa gewandelt; von einem von Krieg und Zwietracht zerrissenen Kontinent, zu einer Gemeinschaft von Ländern und Ideen, die eine sicherere, demokratischere und wohlhabendere Welt anstreben. Dennoch: Im Lichte rasant voranschreitender Globalisierung und dynamischen Wandels von Welt und Weltbild, ist die EU an einem entscheidenden Moment angelangt, an dem unsere Führer ihre Streitigkeiten und individuellen Interessen hintanstellen und sich auf die progressive Zukunft der EU und ihrer Mitgliedsstaaten konzentrieren müssen. 

Sein oder Nicht-Sein ist heute nicht die Frage. Es geht um mehr Progessivität, mehr Effizient, mehr Innovation und mehr Handlungsfähigkeit.

Wir müssen Fähigkeiten und Spitzenleistungen in jedem Bereich der Union vorantreiben und weiterentwickeln, damit die EU ihre Bürger auf der globalen Bühne mit einer Stimme vertreten kann. Das bedeutet, dass wir Bildung, Wissenschaft und Ausbildungsstrukturen fördern müssen, indem wir beispielsweise Plattformen wie das „European Research Area“ etablieren, die unseren Mitgliedsstaaten die Möglichkeit geben, Armut zu bekämpfen, unsere Sicherheit zu erhöhen, Arbeitsplätze zu schaffen und Menschen die Chance zu geben, in den Bereichen nachhaltiger Energieversorgung, des Transportwesens, der Medizin- und Technologieforschung und vielen weiteren, innovativ sein zu können.  „Horizon 2020“, die von der EU-Kommission vorgestellt worden ist, ist genau die Art Plattform, die wir in diesem entscheidenden Moment brauchen. 

Strategischere und Mehrwert schaffende Initiativen auf internationaler Ebene sind notwendig, um die Internationalisierung europäischer Unternehmen zu unterstützen und politischen sowie wirtschaftlichen Einfluss sicherzustellen und auf diese Weise Marktbedingungen im Sinne europäischer Interessen beeinflussen zu können. Anstatt gegen globale Bedrohungen wie Terrorismus oder die weltweit zu beobachtenden Migrationsbewegungen zu kämpfen, sollten wir diese Herausforderungen gemeinsam angehen und zwar durch eine gemeinsame Asyl- und Migrationspolitik sowie durch Investitionen in eine europäische Behörde zur Bekämpfung des Terrorismus, die Informationen, Einsatzkräfte und Unterstützung für alle EU-Mitglieder bereitstellen könnte.  

Um unsere entscheidende strategische Position im internationalen Gefüge zu sichern und mit der Globalisierung Schritt zu halten, muss sich die EU auf Innovation, Technologie und Wissenschaft konzentrieren. So können wir weltweit relevant bleiben. 

E pluribus unum, „aus vielen, eines“ ist ein Satz, der auch die Europäische Union auf bestmögliche Weise beschreibt. Unsere gemeinsamen Werte und geteiltes Interesse an einer friedlicheren und fortschrittlicheren Welt sind in der reichhaltigen Geschichte unserer Partnerschaften gegründet. Jetzt und heute ist der Moment, auf die Stimme einer neuen Generation zu hören, die es möglich machen will, diese Vision eines inklusiveren, innovativeren und aufgeschlosseneren Europas zu realisieren.

Originale Version auf Englisch

Zum Beitrag des Studentenfernsehens über den Workshop:

Von der Zukunft Europas zur Gegenwart des Balkan

Kurz nach der Veröffentlichung der neuen Westbalkan-Strategie der EU-Kommission hatte die Hanns-Seidel-Stiftung Anfang des Jahres eine Veranstaltung in der serbischen Hauptstadt Belgrad organisiert.

Am Rande des Events wurde Dr. Klaus Fiesinger, Repräsentant und Regionalleiter der Stiftung für Südosteuropa, von EWB zu seiner Einschätzung der momentanen Situation auf dem Balkan befragt.

Ein Mann steht an einem Podium und spricht gerade. Dahinter eine Leinwand und ein Roll-Up der Hanns-Seidel-Stiftung.

Dr. Klaus Fiesinger vertritt die HSS als Repräsentant und Regionalleiter in Südosteuropa und ist in dieser Funktion zuständiger Leiter der Projekte in Kroatien, Serbien/Montenegro, Bulgarien und Albanien.

HSS

In dem Interview wurde die Projektarbeit der HSS in der Region Südosteuropa dargestellt, bei der es um Reformen von Verwaltungsstrukturen geht, die sich im Zuge des sogenannten „Berliner Prozesses“ in Hinblick auf die Westbalkan-Länder (WB-6) aber immer stärker auf Förderprogramme und Netzwerk-Kooperationen für Jugendliche aus der Region konzentrieren. Außerdem bewertete Dr. Fiesinger in dem Interview Herausforderungen und Chancen, Reformen und Probleme sowie Nachbarschaftsbeziehungen und den intensivierten Dialog innerhalb der Region und die Rolle der neuen Westbalkan-Strategie der EU-Kommission. Er betonte, dass es im Sinne dieser Strategie darum gehe, Stabilität in den Westbalkan zu exportieren und nicht aus diesem Instabilität zu importieren. Trotz der offenkundig noch erheblichen Unzulänglichkeiten vor allem im Justizsektor der WB-6-Länder geht Dr. Fiesinger davon aus, dass das in der Westbalkan-Strategie genannte Zeit-Ziel eines EU-Beitritts von Serbien und Montenegro im Jahre 2025 von beiden Ländern bei verstärkten Anstrengungen erreicht werden kann.  Insbesondere Bulgarien setze sich aufgrund seiner Balkan-Affinität im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft in besonderem Maße für den Beitrittsprozess der WB-6-Länder ein. Dies sei auch notwendig, denn, so Dr. Fiesinger, „Friede war und ist ein fragiles Element auf dem Balkan“.

Info:

Der Berliner Prozess ist eine diplomatische Initiative, die auf die Erweiterung und stärkere Integration der EU abzielt. Beginnend mit der Westbalkan-Konferenz 2013 wurde ein kontinuierlicher Prozess angestoßen, der den Integrationsprozess der EU beleben sollte, auch um dem zunehmendem Euro-Skeptizismus entgegenzuwirken. Die letzte Konferenz wurde im Juli 2017 in Triest abgehalten.

Zum vollständigen Interview auf Englisch

Kontakt
Projektleitung: Dr. Klaus Fiesinger
Serbien
Projektleitung:  Dr. Klaus Fiesinger