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Think Tank: Digitales Gesundheitswesen 2020
Digitale Krankenversorgung menschlich gestalten

Autor: Maximilian Rückert

Führende Experten aus allen Bereichen des bayerischen Gesundheitswesens erarbeiten branchenübergreifend ein Thesenpapier für eine zukunftsfähige und schnell umsetzbare Gesundheitsstrategie.

Elektronische Patientenakten, virtuelle Sprechstunden oder telemedizinische Anwendungen – die Digitalisierung bietet hilfreiche Werkzeuge für die Probleme unseres bayerischen und bundesdeutschen Gesundheitswesens: Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und Bürokratieabbau in der Krankenversorgung und Pflege. Wichtige Schritte sind mit dem sogenannten E-Health Gesetz schon unternommen worden, viele Fragen sind allerdings noch offen und die Technikskepsis in der Bevölkerung ist unüberhörbar. Wie kann das E-Health-Gesetz weitergedacht werden, damit es sowohl der Unsicherheit der Bürger begegnet, als auch den Weg für die digitalen Innovationen freimacht?

Erstes Arbeitstreffen des Think Tanks. Die Herausforderung: genaue Analyse der Hürden bei der Einführung digitaler Werkzeuge im Gesundheitswesen

Witte; HSS

Die Zeit drängt

In einem ersten Arbeitstreffen Ende Januar ging es zunächst um eine Standortbestimmung und eine genaue Analyse, welche Hürden bei einer zeitnahen Implementierung digitaler Werkzeuge im Gesundheitswesen noch überwunden werden müssen.

Die Zeit drängt. Noch in diesem Jahr sollen bereits sukzessive elektronische Medikationspläne, elektronische Ärztebriefe, elektronische Patientenakten, das Versichertenstammdatenmanagement und Videosprechstunden eingeführt und flächendeckender eingesetzt werden – alleine die Realisierung scheint schwerlich fristgerecht erreichbar.

Die Gefahr: staatliche Lösungen sind vor ihrer Einführung veraltet und privatwirtschaftliche Anbieter drängen auf den Markt. Diskriminierende Kassen-Klassen-Systeme sind ebenso problematisch, wie innovationsfeindliche Überregulierung.

Hierbei wurden verschiedene Hürden bei der Umsetzung diagnostiziert:

  • Der demografische Wandel fordert unter anderem neue technische Lösungen, jedoch lassen sich die etablierten Strukturen schwer aufbrechen und die Technikskepsis beim größten Teil der Bevölkerung baut Widerstände auf. Dies führt zu Überregulierung von staatlicher Seite, die den technischen Fortschritt bremst und Deutschland im internationalen Vergleich zurückfallen lässt. Für diese strukturellen und strategischen Hürden muss schnellstmöglich eine Lösung gefunden werden.

  • Auch personell besteht Handlungsbedarf. Mangelnder Nachwuchs bei alternder Ärzteschaft und vor allem das neue Anforderungsprofil für die neue Generation stellt die Politik vor große Aufgaben. 

  • Die Technik sieht sich mit dem Problem der Vereinbarkeit verschiedener Systeme sowie einem Mangel grundlegender Infrastruktur für eine flächendeckende Versorgung konfrontiert.

  • Aus finanzieller Sicht müssen Vergütungsregeln von digitalen Anwendungen wie der Videosprechstunde gefunden werden.

Vorsitzende legt Maximilan Rückert zurückhaltend die Hand auf den Arm, während der einen Text verließt.

"[...] eine Gemeinschaftsaufgabe, die von allen Branchen des Gesundheitswesens gestemmt werden muss." (Ursula Männle, Vorsitzende Hanns-Seidel-Stiftung, rechts Maximilian Rückert, Referent Digitalisierung, HSS)

Witte; HSS

Bei all diesen Punkten muss der Gesetzgeber die Balance zwischen Unter- und Überregulierung finden: zwischen medizinischer Regelversorgung und Bürgeranspruch, ärztlicher Schweigepflicht und digitalem Lifestyle sowie einem richtigen Maß an Datensicherheit.

Beim nächsten Zusammentreffen der Gesundheitsexperten werden konkrete Lösungen für diese Probleme erarbeitet. „Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die von allen Branchen des Gesundheitswesens gestemmt werden muss“, so die Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Frau Prof. Ursula Männle, über die Bedeutung dieses gesundheitspolitischen Expertenaustauschs. Anfang Mai soll mit der Publikation eines gemeinsam erarbeiteten Strategiepapiers die bayerische Perspektive auf die Agenda der großen Bühne der bundesdeutschen Gesundheitspolitik gesetzt werden.

Info

Im Think Tank vertreten waren: 

  • Bernhard Seidenath (MdL) stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im bayerischen Landtag

  • hochrangige Vertreter aus dem bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, der Bayerischen Landesapotheker- und Ärztekammer

  • das Zentrum Digitalisierung Bayern

  • die Bayerische TelemedAllianz

  • die Technikerkrankenkasse

  • die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns

  • Vertreter aus Wissenschaft und Forschung sowie aus der StartUp-Szene

  • Experten aus dem Gesundheitswesen

Kontakt
Leiter: Maximilian Rückert
Referat II/5: Digitalisierung und Politik, Medien
Leiter:  Maximilian Rückert
Telefon: 089 1258-203
Fax: 089 1258-469
E-Mail: rueckert@hss.de