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Globaler Klimaschutz
Eine Herkulesaufgabe für Lateinamerika und Europa

Autor: Ilke Fidan, Philipp Fleischhauer

Klimawandel und Klimaschutz nehmen auch in der Entwicklungszusammenarbeit eine immer wichtigere Rolle ein. Die Auswirkungen der Erderwärmung treffen heute schon besonders die ärmsten Bevölkerungsgruppen. Die globale Gemeinschaft ist alarmiert und es besteht weitgehend Konsens, dass dringend konkrete Aktionen beschlossen und umgesetzt werden müssen, um das Ziel, die Erderwärmung unter 2° Celsius zu halten, überhaupt noch erreichen zu können.

Inzwischen kann man in allen Regionen der Welt die Auswirkungen des Klimawandels beobachten. In Europa nehmen Waldbrände, Starkregen und Dürreperioden zu. Ähnlich sieht es in Lateinamerika aus. Dürren, Wasserknappheit und Gletscherschmelzen aber auch Überschwemmungen treffen die Bevölkerung in den Ländern des Andenraums, zu denen auch Bolivien, Ecuador, Kolumbien und Peru zählen, besonders hart und unvorbereitet.

Info:

Die Hanns-Seidel-Stiftung führt in mehreren Partner-Ländern Projekte zur Sensibilisierung für die Folgen des Klimawandels durch, so auch in Südamerika. Im Projekt „Modelo de Cambio Climático“ (Klimawandel-Simulation) schult die Hanns-Seidel-Stiftung junge Multiplikatoren in Bolivien, Ecuador, Kolumbien und Peru in den Themen Klimaschutz und Klimapolitik. Nun reisten die besten Teilnehmer aus den drei Ländern nach Europa, um sich mit Vertretern der Vereinten Nationen, der EU und jungen europäischen Klimaaktivisten auszutauschen und folgend die gewonnenen Erkenntnisse gewinnbringend einzusetzen.

Gruppenbild vor dem Schriftzug am Gebäude der Europäischen Kommission

Besonders die junge Generation wird von den Folgen des Klimawandels betroffen sein. Deshalb wünschen sich die jungen Lateinamerikaner ein starkes Engagement, auch von der Europäischen Union.

HSS

Die Europäische Union ist sich dieser Gefahr bewusst, die vor allem marginalisierte Bevölkerungsschichten in diesen Regionen betrifft. Davon konnten sich die Teilnehmer der Delegation bei einem Termin mit Vertretern der Generaldirektion Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (DEVCO) der Europäischen Kommission ein genaues Bild machen. Um die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern bzw. sich ihnen anzupassen, integriert die EU mit dem Projekt „Euroclima+“ das Thema Klimaschutz in ihre Entwicklungszusammenarbeit mit Lateinamerika. Mit dem Projekt unterstützt sie zudem die Länder der Region bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, in dem sich alle Staaten verpflichtet haben, einen nationalen Beitrag zum Erreichen der Paris-Ziele zu leisten.

Das Gespräch in der Generaldirektion Klima der Europäischen Kommission gab den Teilnehmern zudem einen lebhaften Einblick in die aktuelle Klimaagenda der Europäischen Kommission sowie deren Ziele, bis zum Jahr 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen in der EU um 20% im Vergleich zum Jahr 1990 zu reduzieren, einen Anteil von Energie aus erneuerbaren Quellen von 20% zu erreichen und die Energieeffizienz um 20% zu steigern. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um 40% und die erneuerbare Energie sowie Energieeffizienz auf jeweils 27% ansteigen.

Gruppenbild in einem hübschen Park mit umrahmendem Säulengang im Hintergrund

Die Partner der Hanns-Seidel-Stiftung in Lateinamerika im Brüsseler Jubelpark.

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Bei einem Termin mit dem Europaparlamentarier Dr. Peter Liese von der Europäischen Volkspartei, EVP, erklärte dieser den Südamerikanern, dass sich in der Praxis die Umsetzung des Paris-Abkommens sehr unterschiedlich gestalte. In manchen Fällen sei der Beitrag von Entwicklungsländern zu den internationalen Klimaschutzzielen nicht ambitioniert genug. Die Industrieländer seien sich ihrer Verantwortung im Klimaschutz bewusst, da sie wegen ihrer hohen Emissionen als Hauptverursacher des Klimawandels gelten. Vor diesem Hintergrund leisteten sie einen finanziellen Beitrag, um Entwicklungsländer beim Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Länder, die heute allerdings nur die Industriestaaten in der Pflicht sähen, verkennten den Ernst der Lage, worin die Delegationsteilnehmer mit Dr. Liese übereinstimmten.

Daher versucht die Hanns-Seidel-Stiftung gemeinsam mit ihren Partnern vor allem auf lokaler Ebene einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Die Delegationsteilnehmer aus Bolivien, Ecuador und Kolumbien möchten die auf ihrer Reise erworbenen Kenntnisse und Informationen auf vielfältige Weise einsetzen. Im Mittelpunkt stehen Aktionen sowohl in den nationalen Klimanetzwerken als auch in dem regionalen Netzwerk (Red Andina de Liderazgo para el Desarrollo Sostenible - Raldes). Dabei sollen Projekte wie urbane Landwirtschaft, die Erstellung von Handbüchern, Informationsveranstaltungen zu Stipendien sowie Seminare und Workshops zum Klimawandel gefördert werden.

Junge Leute in schicken Klamotten stehen beieinander und unterhalten sich.

Studentinnen der Brüsseler Universität erklären den Teilnehmern in Theorie und Praxis das Engagement des „Green Teams“.

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Aber auch in den nationalen Universitäten möchten die Teilnehmer über die verschiedenen Themen informieren und zur Bewusstseinsbildung beitragen. Denn allzu oft fehlt es an Kenntnissen, wie sich jeder Einzelne am Klimaschutz beteiligen kann. Zudem sollen die Erkenntnisse in die tägliche Arbeit im öffentlichen Sektor und in der Privatwirtschaft einfließen und so einen Wandel anstoßen. An der Freien Universität Brüssel (Vrije Universiteit Brussel - VUB) informierten Studentinnen  die Delegationsteilnehmer darüber, was sie zur nachhaltigen Gestaltung ihrer Universität beitragen. Viele kleine Schritte, wie das Benutzen von Mehrweg-Trinkbechern, der sparsame Verbrauch von Wasser sowie der effiziente Umgang mit Energie, sind wichtige Verhaltensweisen, die im Alltag oft noch zu kurz kommen. Eventuell werden nun die den südamerikanischen Gästen vorgestellten Projekte, beispielsweise ein sogenanntes „Green Team“, das ein Green Office leitet, von diesen in ihren jeweiligen Heimatländern nachgeahmt. An anderer Stelle berichteten die Vertreter des belgischen Jugendrates über ihr Engagement gegen den Klimawandel. Frau Mariana Castano vom Klimasekretariat der Vereinten Nationen gab während eines Besuchs in Bonn einen weitreichenden Überblick über die Ziele des Paris-Abkommens und ihrer Auswirkungen auf Lateinamerika. Alle Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass die Zielsetzung, die Erderwärmung nicht über 2° Celsius steigen zu lassen, entscheidend sei, um den Lebensraum in vielen Regionen Südamerikas zu erhalten. Sollte dieses Ziel verfehlt werden, seien viele Gegenden in Zukunft unbewohnbar und Nahrungsmittelknappheit führe zu unvorhersehbaren Folgen. Dabei erklärte sie der Delegation die Wichtigkeit der Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure für den Erfolg des Abkommens, wie kommunale und nationale Politiker, internationale Organisationen und die Zivilgesellschaft. Ohne ein koordiniertes Engagement auf allen Ebenen seien die Erreichung der Klima-Ziele unmöglich. Eine essentielle Rolle in den unterschiedlichen Projekten spielten dabei auch die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, so Castano. Des Weiteren wurde ein Ausblick auf die kommende UN-Klimakonferenz in Katowice 2018 gegeben, deren Schwerpunkt die Ausarbeitung des Regelbuchs für die Umsetzung der im Paris-Abkommen festgelegten Ziele sein wird.

 

Kontakt
Entwicklungspolitischer Dialog
Wissenschaftliche Mitarbeiterin:  Ilke Fidan
Telefon: +32 2 230-7761
E-Mail: bruessel@hss.de