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COP 27 in Sharm-el-Sheikh:
Es hätte ruhig mehr sein können

Autor: Katharina Eichinger

Als sehr ernüchternd und frustrierend wird das Ergebnis der COP27 im ägyptischen Sharm-el-Sheikh bewertet. Aktivisten, betroffene Staaten, aber auch Länder des globalen Nordens, wie etwa Deutschland und die EU, hätten sich mehr erhofft. Dabei wird oft übersehen, dass es auf der Arbeitsebene durchaus Erfolge im Kampf gegen den Klimawandel gibt. Die HSS Delegierten sind dafür ein gutes Beispiel.

Es waren keine leichten Umstände, unter denen die diesjährige „Conference of the Parties“ (COP) im ägyptischen Sharm-el-Sheikh stattfand. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat die geopolitische Situation völlig verändert. Die Welt steht vor neuen, globalen Herausforderungen, vor allem bei der Frage der globalen Energie- und auch Nahrungsmittelversorgung. Gleichzeitig werden die Folgen des Klimawandels spürbar: Naturkatastrophen werden häufiger. Bereits im Vorfeld hatten deswegen die besonders betroffenen Länder des globalen Südens mehr finanzielle Unterstützung gefordert, um klimabedingte Schäden ausgleichen zu können.

Eine Aufstellwand mit mehreren Bildschirmen auf denen Betroffene aus aller Welt ihre Bitten an die COP formulieren.

DEAR WORLD LEADERS: Aus aller Welt wurden Appelle nach Sharm-el-Sheikh geschickt.

Afrika ist bunt und vielfältig. Das zeigen auch die Pavillons der afrikanischen Nationen. Diese COP selber ist aber weniger bunt, zumindest was Meinungsvielfalt angeht: Demonstrationen waren weitestgehend verboten. Aktivisten sowie auch der Zivilbevölkerung wurde es schwer gemacht, nach Sharm-el-Sheikh zu reisen. Demonstranten in anderen ägyptischen Städten wurden teils sogar verhaftet. Auf dem Konferenzgelände war davon nichts zu sehen – der schöne Schein der Konferenz sollte gewahrt werden. Die Lage in Ägypten wurde aber zumindest nicht von allen totgeschwiegen. Die deutsche Delegation gab etwa im deutschen Pavillon „Humanrightswatch“ ganz bewusst Raum, um diese Missstände anzusprechen.

Die Energieversorgung – ein zentrales Thema auf der Konferenz

Zentrale Themen der Konferenz waren u.a. mehr Geld für Anpassungsmaßnahmen, Schäden und Verluste, oder auch die Energieversorgung. Gleichzeitig existiert durchaus ein Bewusstsein dafür, dass es notwendig ist, eigene Lösungsinitiativen zu entwickeln und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln umzusetzen. Die Frage nach der Energieversorgung stellte sich letztendlich als einer der Knackpunkte dieser COP27 heraus, zu der kein Konsens gefunden werden konnte.

Ein Erfolg: Ein Fonds für klimabedingte Schäden wurde beschlossen. Die Einschränkung: Mit welchen Mitteln er ausgestattet wird, ist noch unklar.

Ein Erfolg: Ein Fonds für klimabedingte Schäden wurde beschlossen. Die Einschränkung: Mit welchen Mitteln er ausgestattet wird, ist noch unklar.

©HSS

Beispielsweise fordern viele afrikanische Staaten als kurzfristige Lösung das Recht, fossile Brennstoffe nutzen zu dürfen, um ihre Wirtschaftskraft voranzutreiben und der Bevölkerung Zugang zu Energie und Strom zu gewähren. Das könnte auch erklären, warum die Vertreter entsprechender Energieunternehmen so zahlreich auf der COP anwesend waren.

Auf lange Sicht ist sich die Weltgemeinschaft einig, dass ein Ausstieg aus allen fossilen Brennstoffen notwendig sei. Bereits im Rahmen der COP26 in Glasgow wurde auf dänische Initiative die „Beyond Oil and Gas Alliance BOGA“ gegründet. Die acht teilnehmenden Staaten, darunter Dänemark oder Frankreich, verpflichten sich darin, aus der Öl- und Gasproduktion auszusteigen und diese auch in anderen Staaten nicht mehr finanziell zu fördern. Auf der COP27 wurde der Mitgliederkreis auch um einige symbolische Mitglieder erweitert, wie Tuvalu, ein Inselstaat im südlichen Pazifik, der aktuell Gefahr läuft, vom Meer dauerhaft überflutet zu werden. Im Abschlussdokument der COP27 fehlt jedoch ein generelles Bekenntnis zum Ausstieg aus allen fossilen Brennstoffen. Einige afrikanische Staaten sowie auch die ägyptische COP-Präsidentschaft haben die Verhandlungen in diesem Punkt gebremst und einen gemeinsamen Beschluss zum Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen blockiert. Gerade die Tatsache, dass afrikanische Vertreter diesen Ausstieg aus wirtschaftlichen Gründen nicht unterstützen, wird von Aktivisten und indigenen Bevölkerungsgruppen, die unter den Folgen der Verschmutzung durch fossile Brennstoffe in besonders starkem Maße leiden, als Scheitern der afrikanischen COP gewertet. Dabei hätte Afrika großes Potential, der weltweit erste grüne Kontinent zu werden.

Wichtige, kleine Schritte

Und doch ist nicht alles schlecht: zum ersten Mal stand das Thema „Schäden und Verluste“ auf der COP-Tagesordnung. Der Beschluss eines Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste ist somit ein wichtiger Schritt. Allein die Tatsache, dass dieser Fonds auch mit Unterstützung der Industrieländer zustande gekommen ist, muss schon als Erfolg gelten. Wie genau der Fonds zusammengesetzt sein wird und mit welchen Mitteln die internationale Gemeinschaft ihn ausstatten wird, muss erst noch ausgearbeitet werden.

Schon zum zweiten mal waren wir als "Beobachter-NGO" auf der COP mit dabei.

Schon zum zweiten mal waren wir als "Beobachter-NGO" auf der COP mit dabei.

©HSS

Die Hanns-Seidel-Stiftung auf der Klimakonferenz

Bereits zum zweiten Mal hatten wir als „Observer NGO“ die Gelegenheit mit einer eigenen Delegation bei der COP27 dabei zu sein. Unsere „Beobachter“ stammten aus Lateinamerika, Afrika und dem Maghreb. Über den jordanischen Partner Royal Society for the Conservation of Nature (RSCN) hatte außerdem das HSS-Regionalbüro Jordanien die Möglichkeit eine Delegation verschiedener Partner nach Sharm-el-Sheikh zu senden. Zudem waren über andere Delegationen verschiedene HSS-Partner aus aller Welt auf der COP vertreten. Am Dienstag, den 15. November 2022, fand ein Treffen der „großen“ Delegationen statt, um sich gegenseitig auszutauschen. Dieser Austausch stand ganz im Zeichen des Ziels, ein weltweites Netzwerk im Bereich Klima und ökologische Nachhaltigkeit aufzuspannen, zumal die Aktivitäten und Schwerpunkte der Stiftung auf den verschiedenen Kontinenten zwar sehr unterschiedlich, und doch in gewisser Weise ähnlich sind.

Die Delegierten waren sich einig: Obwohl der Kampf gegen den Klimawandel noch ein langer Weg ist, ist jeder Schritt in diese Richtung wichtig. Auch wenn es nach der COP27 so wirkt, als sei wieder mal nichts entscheidend vorangegangen, hat es doch auf der Arbeitsebene viele gute Gespräche und Annäherungen gegeben. Es konnten zwar keine großen Erfolge vermeldet werden, unter dem Radar geht es aber weiter in Richtung mehr Klimaschutz. Allerdings in kleinen Schritten.

Kontakt

Afrika südlich der Sahara
Katharina Eichinger
Projektkoordinatorin Kenia, Äthiopien, Südafrika, Klima DR Kongo 2021
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