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Kurz erklärt
G20?

Ersteller: Norman H. Blevins

Am kommenden Wochenende trifft sich die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer – kurz G20 – in der Hansestadt Hamburg. Bei ihrem 23. Gipfel werden die Staats- und Regierungschefs, mit ihren mehr als 6.000 Delegierten im Anhang, versuchen wichtige Fragen der internationalen Politik nicht nur zu diskutieren sondern gemeinsam Lösungen zu finden.

Das sind die Themen beim G 20 Gipfel: „Stabilität Sicherstellen“, „Zukunftsfähigkeit Verbessern“, „Verantwortung übernehmen“. Dabei geht es um Fragen des Welthandels und der Steuerkooperation, um Klima, Energie und Digitalisierung sowie die Bekämpfung von Fluchtursachen und Terrorismus.

85% des golbalen BIP sind bei den Treffen der G20 repräsentiert. Es geht um bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit und mehr Informationsaustausch.

85% des golbalen BIP sind bei den Treffen der G20 repräsentiert. Es geht um bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit und mehr Informationsaustausch.

Davanath; CC0; Pixabay

Was ist die G20?

Die „Gruppe der Zwanzig“ ist ein informeller Zusammenschluss aus 19 Staaten und der Europäischen Union, die sich 1999 bei einem Gründungstreffen in Berlin formiert hat. Ihr Hauptanliegen ist es, im Rahmen des internationalen Finanz- und Steuersystems eine stärkere Zusammenarbeit und intensiveren Informationsaustausch zu erreichen. Daher nehmen an diesem jährlichen Treffen neben den Staats- und Regierungschefs auch die Finanzminister der Mitgliedsländer teil, außerdem deren Zentralbankchefs. Der nächste Gipfel wird 2018 im argentinischen Buenos Aires stattfinden.

Was ist der Unterschied zur G7?

Hauptunterschied zur „Gruppe der Sieben“ besteht nicht nur in der Zusammensetzung, sondern auch darin, dass die G7 gemeinsame Wertvorstellungen von Marktwirtschaft, Rechtsstaatlichkeit und Ordnungspolitik haben. In der G7 sind mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und den USA seit 1975 die global führenden Industrienationen vertreten, die die Werte Demokratie, Freiheit und freien Welthandel miteinander teilen. Sie formierten sich aus einer wirtschaftlich schwierigen Situation heraus, die durch internationale Ursachen geprägt eine engere Zusammenarbeit der betroffenen Nationalstaaten notwendig gemacht hat. Damals bestimmten der Zusammenbruch des Wechselkurssystems sowie die erste Ölkrise die internationale Agenda.

Warum dann dieses größere Format?

Mit der Einbindung von mehr Staaten und der Berücksichtigung aller Kontinente, möchte man den globalen Gestaltungsanspruch stärker betonen sowie die Zusammenarbeit von Industrie- mit Schwellenländern erreichen. Man möchte so Zielkonflikte vermeiden, wenn es um Fragen des Klimawandels, der Globalisierung oder andere Themen geht, die sich nicht auf Einzelstaaten und Regionen beschränken lassen. Mit den G20 sind mehr als 85% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts vertreten sowie knapp 64% der Weltbevölkerung. Denn neben den G7 sind mit Ländern wie China, Indien und Indonesien die bevölkerungsstärksten Staaten dabei, die als aufstrebende Schwellenländer die Weltwirtschaft nachhaltig prägen. Bei der Versorgung ihrer Menschen ist es von globalem Interesse, sie in den Bereichen Umwelt, Landwirtschaft und Beschäftigung zu unterstützen, um so eine gemeinsame und nachhaltige Beteiligung am Wohlstand zu ermöglichen.

Wieso braucht es die G20? Haben wir nicht die Vereinten Nationen dafür?

Eine der Hauptkritikpunkte ist, dass die G20 ähnlich wie die G7 den Eindruck eines ‚exklusiven Clubs‘ hinterlassen, der mehr als 170 Nationen aus dem globalen Diskussions- und Gestaltungsprozess ausschließt. Während zum Beispiel mit Südafrika nur ein Land den afrikanischen Kontinent repräsentiert, ist Europa sowohl mit der Europäischen Union als auch mit vier ihrer Mitgliedsstaaten sehr stark vertreten. Jedoch zeigen die Zahlen bei Bevölkerung und Wirtschaftskraft, dass dieser kleinere Kreis die wichtigsten Akteure zusammenbringt und dass man im Vergleich zu über 190 Staaten in einem überschaubareren Kreis leichter zu Ergebnissen kommt. Die G20 sind in erster Linie ein informeller Zusammenschluss, der von einer gemeinsamen Konsensbildung abhängig ist und der in keiner Konkurrenz zu den Vereinten Nationen steht. Es ist der Versuch unter Einbeziehungen derjeniger, die aufgrund ihrer Größe und wirtschaftlichen Stärke zur Umsetzung weltweit beitragen können, themenorientiert Lösungen zu entwickeln.

Kontakt
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Norman H. Blevins
Referat VI/1 Westeuropa, Nordamerika, Europäische Grundsatzfragen
Wissenschaftlicher Mitarbeiter:  Norman H. Blevins
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Fax: +49 89 1258-368
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