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Fachforum Physik
Grüne Technologien

Deutschland rangiert im europaweiten Vergleich beim Anteil erneuerbarer Energien noch im Mittelfeld. Durch die Energiewende sollen Tonnen von Treibhausgasen eingespart werden. Das Fachforum Physik/Ingenieurwissenschaften beleuchtete vom 8. bis 10. April 2016 am Forschungsstandort Straubing das Thema nachhaltige Energiequellen und Energiepolitik aus unterschiedlichen Perspektiven.

Alexander Höldrich (l.) führt über das Gelände des Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo).

Nach einem Grußwort vom Oberbürgermeister der Stadt und Altstipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung, Markus Pannermayr, leitete der geschäftsführende Direktor des Wissenschaftszentrums Straubing, Prof. Dr. Klaus Menrad, mit dem Vortrag „Nachhaltige Rohstoffe und deren Beitrag zur Energiewende“ zum Thema hin. Dabei verwies er auf Trends und Trendwenden die sich in den nächsten Jahren ergeben werden und ergeben müssen. Dass Deutschland im europaweiten Vergleich beim Anteil Erneuerbarer Energien noch im Mittelfeld rangiert, liegt nicht nur an geografischen, sondern auch an demografischen Faktoren. In wachstumsschnellen Branchen darf selbstverständlich auch der Arbeitsmarkt nicht außer Acht gelassen werden. Durch wankelmütige Gesetzgebung wird es Firmen in dieser Branche nicht leichter gemacht sicher zu planen und selbst große Unternehmen sind und waren vor der plötzlichen Insolvenz nicht geschützt. Die von der Bundesregierung ausgegebenen Ziele sind in den Augen von Prof. Dr. Menrad hoch gesteckt und ohne einen radikalen Systemwechsel nicht in dem geforderten zeitlichen Rahmen zu bewältigen.

Heizen mit Holz, Pellets, Hackschnitzel

Michael G. Möhnle vom Bayrischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ging in seinem Vortrag genauer auf die Herausforderungen, die für Bayern, Deutschland und Europa hinsichtlich Klimawandel und Energiewende bevorstehen, ein. Rasant wachsende Weltbevölkerungszahlen und zunehmende Urbanisierung machen auch den Menschen zu einem Faktor, der in Bezug auf kommenden Fragestellungen nicht unterschätzt werden darf. Damit einher geht auch eine stark steigende Nachfrage nach Mobilität. Mit Blick auf die großen Städte scheint die Belastbarkeitsgrenze schon jetzt erreicht zu sein und auch die die Natur nähert sich in vielerlei Hinsicht dieser Grenze. Desertifikation verursacht in vielen afrikanischen Ländern große Probleme. Luftverschmutzung – vor allem in den asiatischen Ländern – ist so stark wie nie zuvor. Weltweit werden große Flächen gerodet und der Boden ist der Erosion ungeschützt ausgesetzt. Dieser Raubbau ist nach Meinung von Michael G. Möhnle mindestens genauso schlimm einzuschätzen, wie der Klimawandel selbst.

Ausstellung verschiedener Öfen

Dr. Alexander Höldrich, Studienkoordinator am Wissenschaftszentrum in Straubing, führte über das Gelände des Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo). Am Campus selbst sind in kleinen Hochbeeten die bekanntesten Vertreter der nachwachsenden Rohstoffe angebaut. In einer äußerst umfangreichen Ausstellung konnte man sämtliche Ofentypen und Befeuerungsarten zum Heizen mit Holz, Pellets, Hackschnitzel, etc. finden. Zielgruppe dieser Ausstellung sind in erster Linie Eigenheimbesitzer, die entweder - unterstützt durch Beratung des Wissenschaftszentrums - ihre Wärmebereitstellung umstellen oder beim Hausneubau optimal integrieren wollen. In der Ausstellung „Von der Pflanze zum Produkt“ konnte man auf sehr beeindruckende Art und Weise sehen, wie aufwändig die Integration von nachwachsenden Rohstoffen an mancher Stelle ist. Beispiel dafür war die Beimischung von Bio-Ethanol zum herkömmlichen Kraftstoff. Für die feinen Motorabstimmungen in heutigen Fahrzeugen, darf sich unter anderem die Viskosität nur sehr geringfügig unterscheiden. An anderen Stellen sind nachwachsende Lösungen leicht als gedacht umzusetzen. Bei der Umstellung von Heizöl zu Pellets oder Hackschnitzel, kann der vom Heizöltank genutzte Raum als Lagerraum für das Material dienen.

Kernfusion scheint auf den ersten Blick nicht ganz zum Thema „Grüne Technologien“ zu passen. Denkt man aber darüber nach, dass die Sonne, die uns unbegrenzt Energie liefern kann, nichts anderes als ein großer Fusionsreaktor ist, scheint das Thema wieder stimmig. Dr. Marco Wischmeier vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching erläuterte in seinem Vortrag „Kernfusion – Eine Energieoption für die Zukunft“ welche Herausforderungen sich bei der Erzeugung und Speicherung von Plasma ergeben. Im Wesentlichen gibt es dabei zwei verschiedene Konzepte zum magnetischen Einschluss des Plasmas: Tokamak und Stellarator. Der Kernfusionsreaktor ITER, derzeitiger Prestigereaktor nach dem Tokamakprinzip, ist ein internationales Forschungsprojekt, welches vom ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Jacques Chirac einst als größtes Wissenschaftsprojekt seit der Internationalen Raumstation bezeichnet wurde. Zusammen forschen Experten aus China, Indien, Japan, Korea, USA, Russland und der EU an der Energiebereitstellung durch Kernfusion. Ziel ist dabei das Brennen des Plasmas zu realisieren. Dies bedeutet, dass die Fusionsleistung die Heizleistung deutlich übersteigt. Mit Spannung kann man in den nächsten Jahren darauf blicken, was die Forscher am Fusionsreaktor ITER realisieren können – ein Durchbruch auf dem Gebiet der Kernfusion wäre ein überaus bedeutender Wegbereiter für alternative Energiegewinnung.

Zum Abschluss des Fachforums wurden die Fachforumssprecher für das kommende Jahr gewählt. Matthias Lehner stellte sein Amt zur Verfügung. Leonard Klar bleibt für ein weiteres Jahr Fachforumssprecher und wird dabei von Andreas Lesny und Tobias Weiß unterstützt. Zusammen organisieren sie das Fachforum Physik/Ingenieurwissenschaften 2017 mit dem Thema „Raumfahrt und Astrophysik“.

Christoph Billinger

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