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Buchempfehlung zum Thema Integration
Islam und Staat

Welchen Islam gibt es in Deutschland? Was kann der Staat zu einem konstruktiven Miteinander der unterschiedlichen Religionen in unserem Land beitragen? Steht der Koran einer rationalen Auslegung offen gegenüber – und wie könnte eine Aufklärung im Islam aussehen? Wie gut sind die bei uns lebenden Muslime integriert? Wie können wir zur Entstehung eines deutschen oder europäischen Islam beitragen?

Aber auch: Welche Gefahren gehen von islamistischen Strömungen und Predigern in Deutschland aus? Diese Fragen wurden von den Autoren der Publikation „Islam und Staat“ beurteilt, die jetzt vom Verlag Duncker & Humblot veröffentlicht wurde.

Es ist die Vielfalt der Perspektiven, die kennzeichnend für den Band ist.

Es ist die Vielfalt der Perspektiven, die kennzeichnend für den Band ist.

Diese Themen bewegen viele Menschen in unserem Land. Denn die Gretchenfrage, die Frage nach der Religion, ist eine sehr emotionale. Sie berührt die intime Lebenswelt eines jeden Menschen, ob Muslim, Christ, Buddhist oder Atheist. Gerade deshalb darf  diese Debatte nicht den Pöblern und Populisten überlassen werden.

Im Rahmen ihres politischen Bildungsauftrages ist der interkulturelle Dialog (Zum Themenportal) ein besonderes Anliegen der Hanns-Seidel-Stiftung. Wir diskutieren deshalb mit Vertretern der Zivilgesellschaft, Politikern und Fachleuten und veröffentlichen Publikationen.

Als Repräsentanten ihrer Bürger beschäftigt sich aus diesen Gründen auch die CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag  mit diesem Thema. In einer Diskussionsreihe unter Leitung des Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan tauschen sich die Abgeordneten der CSU-Landesgruppe mit Experten über die verschiedenen Aspekte islamischen Lebens in Deutschland aus, um die Integrationsfähigkeit des Islam besser verstehen und fördern, aber auch die sicherheitsrelevante Dimension besser einschätzen zu können. Zum Artikel

Einige der Gesprächspartner haben im neu erschienenen Band „Islam und Staat“ (im Buchandel erhältlich) die im vergangenen Jahr diskutierten Themen ausgearbeitet und setzen in dieser gesammelten Form eine Agenda für die nächsten möglichen und nötigen Schritte. Auf diesem Wege soll die Publikation einen Beitrag dazu leisten, den Facettenreichtum an Perspektiven zu spiegeln, welchen die Integration des Islam in unsere säkulare Staats- und Gesellschaftsform mit sich bringt.

Vereinbarkeit von Islam und Pluralismus

So veranschaulicht die theologische Betrachtung eine mögliche Vereinbarkeit von Islam und Pluralismus.

Die Vielfalt des Islam und seiner regionalen Prägungen sieht Erdal Toprakyaran, Islamwissenschaftler und Historiker, als Chance für die Evolution eines deutschen Islam. Kulturelle Gemeinsamkeiten wie Nächstenliebe gäben Anlass zur Hoffnung, dass ein aufgeklärter Islam, gerade im europäischen Umfeld, entstehen könne.

Ähnlicher Ansicht ist Ednan Aslan, Religionspädagoge an der Universität in Wien. Er schreibt, islamische Quellen ließen sich durchaus wohlwollend gegenüber Säkularismus und religiöser Vielfalt interpretieren. Die Emanzipation eines europäischen Islam, der sich finanziell und personell unabhängig von seinen muslimischen Herkunftsländern entwickelt, könne entsprechende progressive theologische Akzente auch in der deutschen Debatte setzen.

Wo sind die Grenzen der Religionsfreiheit?

Wo sind die Grenzen der Religionsfreiheit?

Religionsfreiheit

Juristische Argumentationen stecken den grundgesetzlichen Rahmen der Religionsfreiheit ab.

Als Rechtswissenschaftler widmet sich Heinrich de Wall in seinem Beitrag dem Verhältnis des Staates zur Religion, wie es die Religionsverfassung des Grundgesetzes festlegt. Dabei diskutiert er die Schranken von Religionsfreiheit und betrachtet beispielhaft die Debatte über ein Burka-Verbot. Darüber hinaus setzt er sich mit dem Selbstbestimmungsrecht von Religionsgemeinschaften auseinander, hier insbesondere mit der Frage nach ausländischer Finanzierung.

Gewaltsamer Islamismus

Zudem wird das Phänomen des gewaltsamen Islamismus als gemeinsame Herausforderung von Glaubensgemeinschaft und Mehrheitsgesellschaft identifiziert.

Susanne Schröter beschäftigt sich in ihrem Beitrag mit Salafismus und Dschihadismus in Deutschland. Beide Phänomene weisen deutliche Parallelen zu einer Jugendbewegung auf. In deren Umfeld würden häufig zu hörende Thesen wie beispielsweise die vermeintliche Islamfeindlichkeit des Westens geäußert, die auch von vielen Mitgliedern muslimischer Organisationen verwendet würden. Letztere seien aber die Kooperationspartner deutscher Politik, kritisiert die Ethnologin.

Integration

Integration könne nur gelingen, so die Journalistin Düzen Tekkal in ihrem Beitrag, wenn eine ehrliche und quellenkritische Auseinandersetzung innerhalb des und gegenüber dem Islam stattfinde. Darüber hinaus gelte es, von Seiten des Aufnahmelandes die eigenen säkularen, westlichen Werte konsequenter einzufordern, aber gleichzeitig auch eine deutlichere Wertschätzung gegenüber individueller Erfolgsgeschichten der Integration auszudrücken.

Aus seiner Erfahrung als Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung mahnt Landrat Martin Neumeyer vor Pauschalisierungen. Nicht die Religion Islam mit all ihren Ausprägungen, sondern der „Islam als Ideologie“ stelle ein Integrationshindernis dar. Er beschreibt, wie eine entsprechend deutliche Differenzierung religiöser Radikalisierung entgegenwirken könne.

Kontakt
Leiter: Dr. Alexander Wolf
L2: Büro Berlin
Leiter:  Dr. Alexander Wolf
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Fax: 030 723 200-22
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