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Klimawandel

Die Klimaerwärmung ist real, auch in Bayern. Soll eine lebenswerte Umwelt erhalten bleiben und Klimakatastrophen weitmöglichst vermieden werden, sind Transformationen z.B. im Energiesystem und der Landwirtschaft unverzichtbar. Vom 26. bis 28. Februar 2016 setzten sich die Stipendiaten, Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Kloster Banz mit der Problematik auseinander.

Windkraftanlage in Sassendorf

Windkraftanlage in Sassendorf

Martin Renger

Den Auftakt bildete der Vortrag "Was Strom wirklich kostet" von Rupert Wronski, Referent für Energiepolitik beim Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft. Er beleuchtete die Ergebnisse der gleichnamigen Studie, die die Unterschiede in der Bepreisung von Strom aus konventionellen im Gegensatz zu erneuerbaren Energieträgern darstellt. Dabei hob er insbesondere die in den Endkundenpreisen von konventionellem Strom "versteckten" gesellschaftlichen Kosten, z.B. in Form von Umweltschäden und Endlagerkosten, hervor. Alles in allem, so sein Plädoyer, sei die Energiewende langfristig gesehen mit nicht annähernd so hohen Kosten verbunden wie ein Verbleiben im alten Energiesystem und deswegen sowohl aus ökologischer als auch aus finanzieller Sicht sinnvoll.

Nach der theoretischen Auseinandersetzung mit Strompreisen, ging es zur praktischen Erkundung der Erneuerbaren Energien in der Region. Zusammen mit Martin Kastner, dem Projektleiter der "Bioenergiegemeinden im Frankenwald", besichtigte die Gruppe das Bioenergiedorf Oberleiterbach sowie das Bürgerwindrad Sassendorf. Vor Ort bot sich neben der Möglichkeit Biogasanlage, Blockheizkraftwerk und Windrad aus nächster Nähe zu erleben, die Gelegenheit zum Austausch mit den jeweiligen Initiatoren und Betreibern. Im Gespräch wurde klar, dass die Umsetzung von Erneuerbaren Energie-Projekten in Bürgerhand zwar viel Zeit, Geduld, Ressourcen und vor allem mutige Vorreiter benötigt, die nicht selten auch auf politischen Widerstand stoßen. Sie machten aber auch deutlich, dass die positiven Konsequenzen, wie beispielsweise autarke Wärmeversorgung mit regionalen Rohstoffen oder die in der Region erzeugte Wertschöpfung, diese Mühen bei weitem aufwi

Bioenergiedorf Oberleiterbach

Bioenergiedorf Oberleiterbach

Martin Renger

Zum Abschluss des "Erneuerbare Energien"-Blockes sprach am Nachmittag Hans-Josef Fell, MdB a.D., einer der Väter des EEG. In seinen Ausführungen machte er deutlich, dass für den Klimaschutz der schnelle Ausbau von Erneuerbaren Energien unverzichtbar ist. Anstatt der allseits geforderten Begrenzung der Erderwärmung sei innerhalb kurzer Zeit sogar eine globale Abkühlung notwendig und erreichbar, allerdings nur mit hundertprozentig erneuerbaren Energien, so seine Feststellung.

Den Klimawandel-Themenkomplex eröffnete Dr. Georg Feulner, stellvertretender wissenschaftlicher Leiter im Forschungsbereich Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Dieser führte in die grundlegenden erdsystemischen Prozesse und Treiber des Klimawandels sowie dessen Folgen ein, und räumte währenddessen mit den größten fünf Irrtümern (z.B. "Die Erde hat sich gar nicht erwärmt", "Die Erderwärmung hat aufgehört" oder "Die Folgen des Klimawandels sind positiv/beherrschbar") des Klimawandels auf.

Seinen thematischen Ausklang fand der Samstag mit dem Dokumentarfilm "ThuleTuvalu", der anhand des Schicksals der Bewohner des grönländischen Ortes Thule und der pazifischen Inselgruppe Tuvalu eindrucksvoll zeigte, wo die Auswirkungen des Klimawandels schon heute menschliche Lebensgrundlagen entziehen und diese nicht nur zur Anpassung, sondern sogar zur Migration zwingen.

Seinen thematischen Ausklang fand der Samstag mit dem Dokumentarfilm "ThuleTuvalu", der anhand des Schicksals der Bewohner des grönländischen Ortes Thule und der pazifischen Inselgruppe Tuvalu eindrucksvoll zeigte, wo die Auswirkungen des Klimawandels schon heute menschliche Lebensgrundlagen entziehen und diese nicht nur zur Anpassung, sondern sogar zur Migration zwingen.

Stipendiaten besuchen die Bioenergiegemeinden im Frankenwald

Stipendiaten besuchen die Bioenergiegemeinden im Frankenwald

Martin Renger

Eine abschließende Betrachtung der Fortentwicklung des Klimawandels in Bayern lieferte Prof. Dr. Christoph Thomas von der Abteilung für Mikrometeorologie der Universität Bayreuth. Unter dem Titel "Der Klimawandel ist da: Was sollen wir tun" brachte dieser die Thematik in die unmittelbare Lebensumwelt der Teilnehmer. Nachdem er zunächst auf die Schwierigkeit einer genauen Klimaprognose auf Landes- und Regionalebene hinwies, prognostizierte er, dass eine wesentliche Abschwächung des Klimawandels auch bei optimistischen Szenarien unwahrscheinlich sei. Die Diskussion lokaler Anpassungsstrategien wie neuer landwirtschaftlicher Bewässerungsmethoden oder des forstwirtschaftlichen Waldumbaus sei deswegen unumgänglich.

Am Ende der Veranstaltung war klar: Die Klimaerwärmung ist real, auch in Bayern. Soll eine lebenswerte Umwelt für künftige Generationen erhalten bleiben und das Eintreffen der schlimmsten Klimaszenarien vermieden werden, sind Transformationen z.B. im Energiesystem und der Landwirtschaft unverzichtbar. Diese stellen den Einzelnen und die Gemeinschaft zwar vor große Herausforderungen, bieten aber auch Chancen auf lokaler Ebene, die es proaktiv zu ergreifen gilt. Sei es internationales Klimaabkommen oder klimafreundliches Bioenergiedorf – es ist an der Zeit aktiv zu werden ohne in blinden Aktionismus zu verfallen.

Text: Olivia Schmitt-Walter und Markus Werner

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Referat IV/5: Journalistisches Förderprogramm für Stipendiaten (Uni/HAW), Internationale Studien (Uni), Medizin (Uni), Promotionskollegs, Fachforen
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