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Palästinensische Gebiete
Konfliktforschung

Akademische Friedens- und Konfliktforschung ist besonders in Regionen mit angespannter innenpolitischer Lage eine wertvolle Ergänzung zu politischen Verhandlungen. Sie können gesellschaftliche Stimmungen einfangen und zu friedlichen Lösungsansätzen führen.

Gruppenfoto der Delegationsteilnehmer von der Arab American University Jenin mit Ursula Männle in der Mitte

Die Delegation der Arab American University Jenin mit Ursula Männle

Vor diesem Hintergrund stellte der Politikprofessor Ayman Haidaria im Rahmen eines öffentlichen Runden Tisches nicht-gewaltsame Widerstandsbewegungen in den palästinensischen Gebieten vor, die speziell seit 2007 verstärkten Zuspruch erhalten. In einer Zeit, in der der Nahost-Friedensprozess als festgefahren gelte und eine politische Strategie der Gewaltlosigkeit fehle, setze es sich die Arab American University Jenin zum Ziel, durch ihre Forschung zum Verständnis des Konfliktes beizutragen und politische Strategien für Entscheidungsträger zu entwickeln. Dabei sei sie eine der wenigen Universitäten im arabischen Raum, die einen Masterstudiengang zur Konfliktlösung anbiete. Generell treffe die Universität auf Engpässe: auf mangelnde Kapazitäten und Erfahrungen der Dozenten sowie fehlende Dokumentation und Literatur. Fördermittel für Sozialwissenschaften in palästinensischen Universitäten seien häufig zugunsten der Naturwissenschaften eingeschränkt. Ein Erfahrungsaustausch mit europäischen Universitäten über Lehre und Forschung könne maßgeblich zur akademischen Professionalisierung und damit auch zur friedlichen Transformation des Konfliktes beitragen.

Ruba Ghool, Masterstudentin in Konfliktlösung und Entwicklung an der Jeniner Universität mit langjähriger Erfahrung im Projektmanagement für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, unterstrich die Bedeutung von sozialwissenschaftlicher Forschung zum Nahostkonflikt bei der Wirkungsmessung von Projekten in der Region. Die europäischen Partner könnten so analysieren lassen, inwiefern ihre Finanzmittel tatsächlich zur Besserung der Situation beigetragen hätten. Durch die Steigerung der Kapazitäten der Universitäten in der Region solle eine neue Generation von Forschern aufgebaut werden.

Frontalansicht eines Panels mit Ruba Ghool, Sergio Piccolo, Bruno Coppieters, Katharina Patzelt (HSS Brüssel), Nabila Habbida und Ayman Haidaria

Paneldiskussion

Einen kritischen Blick auf die EU-Kooperation warf Sergio Piccolo, Berater in der Europäischen Kommission für die südliche Nachbarschaft. Aufgrund der prekären Situation in der Nachbarschaft, speziell in Syrien, gerate der Israel-Palästina-Konflikt derzeit nahezu in Vergessenheit. Doch zahle die EU jährlich rund 350 Mio. Euro, die zum Großteil für die Zahlung der Gehälter der Palästinensischen Autonomiebehörde verwendet würden. Allerdings verliere diese Form der Unterstützung ihren Sinn, wenn die Schaffung eines palästinensischen Staates keine reale Option mehr sei. Dies werde als staatsbildende Maßnahme und Beitrag zur Konfliktlösung verstanden. Aufgrund ihres geringen Einflusses vor Ort werde die EU eher als "Payer" denn als "Player" verstanden.

Den Beitrag von Universitäten zur Transformation von Konflikten erörterte Prof. Bruno Coppieters, der Vrije Universiteit Brussel (VUB). Ihre Aufgabe sei es insbesondere, die Fähigkeiten von Menschen zu steigern und einen Austausch von Kenntnissen zu ermöglichen. So habe die EU beispielsweise 100 Doktoranden in der Region bereits gefördert. Es halte es für wichtig, speziell Projekte in Kooperation mit Palästina und Israel durchzuführen.Nabila Habbida arbeitet für das European Peacebuilding Liaison Office (EPLO), eine unabhängige Plattform zivilgesellschaftlicher Organisationen im Bereich Konfliktprävention. Das Engagement ihrer Organisation bestehe vor allem darin, die Expertise der Zivilgesellschaft in die Analyse von Konfliktsituationen in EU-Strategien einfließen zu lassen. So werde beispielsweise der Einfluss von entwicklungspolitischen Projekten auf Konfliktdynamiken betrachtet. Sie möchte, dass erhobene Daten in konkrete Maßnahmen zur Beeinflussung der Politik umgesetzt werden.Am Rande der Veranstaltung trafen die Wissenschaftler von der Arab American University Jenin die Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Prof. Ursula Männle.

In diesem Informationsaustausch wurde das Engagement der Stiftung in der Region zur Förderung des Dialogs zwischen den Konfliktparteien bestätigt. Auch die akademische Forschung und der Austausch mit europäischen Vertretern leisten hierfür einen wertvollen Beitrag.

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