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US Chip-Embargo gegen China
Kontrollgewinn oder Eigentor?

Die USA gehen weiter auf Konfrontation mit der Volksrepublik China. Anfang Oktober hat die US-Regierung scharfe Sanktionen verhängt, die auf die chinesische Chipindustrie zielen. Was ist davon zu halten?

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und China scheinen sich nicht zu entspannen. Ganz im Gegenteil: Seit dem von Donald Trump 2019 durchgesetzten Sanktionen gegen die Volksrepublik China jagt ein Importstopp und Embargo das nächste. Angefangen hat es mit den Sanktionen gegen den Technikkonzern Huawei. Unter der Regierung von Joe Biden hat das US Bureau of Industry und Security (BIS) nun am 12. Oktober 2022 massive Sanktionen gegen die chinesische Chipindustrie verhängt.

Ein Chip mit einem Bild der US und China-Flagge

Verhindern, dass die Volksrepublik China sensible Technologien erwirbt, die von Militär, Sicherheits- oder Geheimdiensten genutzt werden könnte: Das sagte Alan Estevez, Sekretär beim US-Bureau of Industry and Security.

William Potter; ©HSS; IStock

„Wie ich dem Kongress bereits im Juli sagte, ist es mein oberstes Ziel beim Bureau of Industry and Security sicherzustellen, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun, um unsere nationale Sicherheit zu schützen und zu verhindern, dass sensible Technologien mit militärischen Anwendungen von den Streitkräften, den Geheimdiensten und den Sicherheitsdiensten der Volksrepublik China erworben werden.“

So begründete Alan Estevez, Sekretär beim BIS (US-Bureau of Industry and Security), die Sanktionen.

Zum Schutz der nationalen Sicherheit greift die Biden-Administration nun zu einem Embargo gegen China, das seit dem 12. Oktober diesen Jahres den Verkauf von Halbleitern oder Halbleiter-Bestandteilen stark einschränkt. US-Bürger dürfen auch nicht mehr bei der Herstellung von chinesischen Halbleitern beteiligt sein. Sie laufen sonst Gefahr, ihre US-Staatsangehörigkeit zu verlieren. Ein harter Schlag für die chinesische Industrie. Diese Sanktionen betreffen US-Firmen (LAM Research, KLA), US-Bürger, internationale Firmen, die mit den USA in der Mikrochip-Produktion zusammenarbeiten, sowie Produktionsstätten der USA auf chinesischem Boden.

Aus diesem Grund haben amerikanische Ingenieure, CEOs und Arbeiter seit dem 12. Oktober 2022 das chinesische Festland in Scharen verlassen.

Ein steriles Labor mit einem Mitarbeiter in Schutzanzug, der sich gerade über einen Tisch beugt.

Taiwan produziert die modernsten und leistungsstärksten Chips der Welt. Könnte China versuchen, die taiwanesischen Produktionsstädten auf dem chinesischen Festland zu übernehmen?

gorodenkoff; ©HSS; IStock

Was reguliert das Embargo?

Mikrochips bestehen aus Halbleitermaterial, in das komplexe elektrische Schaltkreise geprägt sind. Diese Chips sind für nahezu jedes technische Produkt unverzichtbar. Sie übernehmen die zentralen Rechen- und Steueraufgaben in den Geräten. Je kleiner und komprimierter die Chips sind, desto leistungsfähiger und schneller sind sie. Mit Hilfe von US-Technologie ist für China die Fertigung von Chips für weniger komplexe Rechenaufgaben bereits möglich. Diese finden sich etwa in Kühlschränken wieder, in Taschenrechnern oder zum Auslesen der Sensoren von Smartwatches. China möchte aber bei der Produktion komplexerer Chips zum Westen aufschließen. Um dies zu verhindern hat das BIS beschlossen, dass keine US-Technologien bei der Produktion bestimmter Chiptypen verwendet werden darf, die dafür nötig wären.

Konsequenzen durch das Embargo

Im Moment ist es den USA wichtig, ihren technologischen Vorsprung gegenüber China zu verteidigen. Es ist jedoch unklar, ob und wie sich China wehren wird. Für China-Kritiker in den USA ist es denkbar, dass China versuchen könnte, die Chip-Technologie Taiwans zu übernehmen. Der Inselstaat vor der Küste Chinas ist mit großem Abstand Weltmarktführer bei den modernsten, leistungsstärksten und schnellsten Mikrochips der Welt.

Die Konsequenzen des US-Embargos könnten allerdings auch für die USA und den Westen schmerzhaft sein. Dadurch, dass bestimmte Chips nun nicht mehr in China hergestellt werden dürfen, müssen sie an einem anderen Standort produziert werden. Jedoch befinden sich die größten Fertigungsanlagen aktuell in China. Die schwerwiegenden Auswirkungen solcher Einschränkungen internationaler Lieferketten hat bereits die Corona-Pandemie gezeigt: Durch die Massen-Lockdowns in Shanghai kam es zu Chip-Engpässen und Engpässen in der Automobilindustrie, die zu enormen Preissteigerungen geführt haben. Dieses Embargo könnte auf lange Zeit gesehen zu einer Lähmung oder zumindest Verlangsamung der Produktion in vielen Bereichen der westlichen Wirtschaft, insbesondere der Technik-Industrie, führen.

Außerdem könnte China auch in anderen Wirtschaftsbereichen reagieren und etwa den Export chinesischer Rohstoffe ins Ausland stoppen, wie zum Beispiel Lithium oder sogenannter „seltener Erden“. Diese sind essentiell für die Herstellung von Batteriezellen für Elektroautos. Die Folgen einer solchen Eskalationsspirale wären Gift für eine ohnehin taumelnde Weltwirtschaft.

Ausblick

Wie es weiter geht, kann niemand sicher vorhersagen. Raum für Eskalation gibt es sowohl auf der amerikanischen als auch auf der chinesischen Seite. Auf kurze Sicht scheint das Vorgehen der USA nachvollziehbar, um den technologischen und wirtschaftlichen Vorsprung in diesem Bereich zu sichern. Sie ziehen durch das Embargo Fachpersonal mit Know-how nach Amerika zurück und verlangsamen die Chipentwicklung in China. Aktuell fehlen China noch Jahre der Entwicklung, um zu den westlichen Technologieführern aufzuschließen. Das Embargo könnte aber auch negative Auswirkungen auf andere Industriezweige haben, selbst ohne weitere Eskalationsszenarien.

Autor: Fabian Graf, HSS

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Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Norman H. Blevins
Westeuropa, Nordamerika, Europäische Grundsatzfragen
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