Print logo

Archivale des Monats
Marianne Strauß - Ein Lebenswerk wird fortgesetzt

Autor: Stefan Obermeier

Am 22. Juni 1984 starb Marianne Strauß, Ehefrau des damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, mit nur 54 Jahren bei einem Verkehrsunfall. Anlässlich Ihres 40. Todestags erinnert das Archiv für Christlich-Soziale Politik mit einer Druckschrift der Marianne Strauß Stiftung als Archivale des Monats Juni an ihr soziales Engagement.

Druckschrift der Marianne Strauß Stiftung - Titelseite

Druckschrift der Marianne Strauß Stiftung - Titelseite

ACSP; HSS, ACSP, NL Strauß G : 55

„Nächstenliebe akzeptiert den anderen, wie er ist. Also auch den Schwerstbehinderten, den Hilflosen, den Unheilbaren, er braucht kein Mitleid, sondern konkrete Hilfe für ein möglichst erfülltes Leben in seiner verengten Welt. Doch auch soziale Gesetze sind oft zu eng gefasst.
Ohne private Hilfe geht es nicht.“

(Druckschrift der Marianne Strauß Stiftung, in: ACSP, NL Strauß G : 55)

Dieses Zitat von Marianne Strauß ist als Leitbild der Marianne Strauß Stiftung nicht nur auf der ersten Seite dieser Broschüre zu finden, sondern steht auch sinnbildlich für ihr Handeln. Als Franz Josef Strauß 1978 zum Bayerischen Ministerpräsidenten gewählt wurde, intensivierte seine Ehefrau als Bayerische Landesmutter ihren Einsatz im sozialen Bereich.

So erfüllte sie im Dezember 1978 die Bitte des Bayerischen Sozialwerks der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft und wurde deren Schirmherrin. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits langjähriges Mitglied im Kuratorium der Pfennigparade sowie im Elternbeirat des Dante-Gymnasiums, an welchem damals ca. 80 behinderte Schüler – u.a. an Multiple Sklerose (MS) Erkrankte – unterrichtet wurden. Somit konnte sie schon 1978 auf eine reichhaltige Erfahrung im Umgang mit behinderten Menschen zurückblicken. Prägend für Ihre Amtszeit als Schirmherrin waren Ihre Bemühungen, zur Behandlung von MS-Kranken eine Spezialklinik zu errichten. Dies war von besonderer Bedeutung, da Patienten, die an der bis heute unheilbaren Krankheit „Multiple Sklerose“ leiden, spezieller Behandlungsmethoden bedürfen, welche nur in einer Spezialklinik durchgeführt werden können. Zugleich stellte Bayern das einzige Bundesland dar, das über keine MS-Spezialklink verfügte. Marianne Strauß wirkte schließlich mit Erfolg darauf hin, das im Jahr 1982 freigewordene Gebäude des städtischen Krankenhauses Kempfenhausen „in ein optimales und patientenfreundliches Behandlungszentrum“ (Redemanuskript von Marianne Strauß vom 18.06.1980, in: ACSP, NL Strauß G : 27) für MS-Kranke umzubauen. Am 18.06.1980 organisierte sie hierfür einen Informationsabend, an welchem sie um Unterstützung und Spenden für dieses Projekt warb. Den Erfolg ihrer Arbeit, der sich in der Grundsteinlegung am 25. April 1985 sowie der feierlichen Eröffnung der Spezialklinik am 20. Mai 1988 widerspiegelte, erlebte sie nicht mehr. In Anerkennung ihrer Verdienste erhielt die Klinik allerdings den Namen „Marianne-Strauß-Klinik“. Eine Gedenktafel im Eingangsbereich der Klinik erinnert zudem an sie.

Am 2. Mai 1979 wurde Marianne Strauß darüber hinaus mit der höchsten Stimmenzahl unter den Kandidaten in den Vorstand des Diözesancaritasrates der Erzdiözese München-Freising gewählt. Sie brachte sich dabei u.a. bei den Sonnenzügen in die praktische Arbeit mit ein. Hierbei handelt es sich um einen von der Erzdiözese München-Freising organisierten, jährlich stattfindenden Ausflug für Kranke und Behinderte, deren Mobilität stark eingeschränkt ist. Insbesondere MS-Kranke, Querschnittsgelähmte, Spastiker oder Poliokranke nehmen daran teil. In einem Schreiben vom 16. April 1984 der Caritas München-Freising an Marianne Strauß wird ihr Einsatz beim Sonnenzug 1984 folgendermaßen gewürdigt:

„Wir danken Ihnen, daß [sic] Sie zum Ostbahnhof gekommen sind, als unser Pilgerzug nach Rom verabschiedet wurde. Daß [sic] Sie auch noch mitgefahren sind und die gewiß [sic] nicht komfortable Nachtfahrt auf sich genommen haben, war mehr als wir erwarten durften. Die Kranken waren begeistert und beeindruckt, daß [sic] Sie sich so anteilnehmend nach ihrem Schicksal erkundigten und das jeweilige Foto, für das Sie sich geduldig zur Verfügung stellten, wird gehütet wie ein Schatz.“ (ACSP, NL Strauß Fam : 1561)

Des Weiteren übernahm sie die Schirmherrschaften zahlreicher Wohltätigkeitsveranstaltungen sowie der Stiftung Pfennigparade, der sie bereits seit den 1960er Jahren verbunden war. Als Kuratoriumsmitglied und Schirmherrin besuchte sie häufig den Kindergarten, die Schule und die Werkstatt der Pfennigparade, nahm an deren Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkten oder Ausstellungen teil und setzte sich für Spenden an die Stiftung ein. Sie gab Behinderten in der Öffentlichkeit eine Stimme und trat für deren Belange ein, beispielsweise als zu Beginn der 1980er Jahre im Rahmen von Sparmaßnahmen Änderungen am Bundessozialhilfegesetz vollzogen wurden. Marianne Strauß unterstützte als Mitglied im Stiftungsrat der 1978 gegründeten „Landesstiftung Hilfe für Mutter und Kind“ Schwangere und junge Mütter in Notlagen. Als Bayerische Landesmutter war sie regelmäßig in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen zu Gast, deren Bewohner sie an Weihnachten Geschenkpakete zukommen ließ.

Druckschrift der Marianne Strauß Stiftung - Bilder vom sozialen Engagement von Marianne Strauß

Druckschrift der Marianne Strauß Stiftung - Bilder vom sozialen Engagement von Marianne Strauß

ACSP; HSS, ACSP, NL Strauß G : 55

Nachdem mit Ihrem Tod im Juni 1984 nicht nur die Familie Strauß ihren Mittelpunkt verloren hatte, sondern auch vielen Menschen, „die im Schatten stehen“, ein „unermüdlicher Anwalt“ entrissen wurde, gründeten die Kinder von Marianne Strauß noch im gleichen Jahr die Marianne Strauß Stiftung. „Ihr Ziel ist es, das fortzusetzen, was unsere Mutter getan und begonnen hat“, so Monika Hohlmeier, Max und Franz Georg Strauß in der Stiftungsurkunde.
(Zitate aus Druckschrift der Marianne Strauß Stiftung, in: ACSP, NL Strauß G : 55)

Druckschrift der Marianne Strauß Stiftung

Druckschrift der Marianne Strauß Stiftung

ACSP; HSS, ACSP, NL Strauß G : 55

Im Jahr 2015 übergab die Marianne Strauß Stiftung dem Archiv für Christlich-Soziale Politik elf Umzugskartons v.a. mit Materialien zu Marianne Strauß und den Anfangsjahren der Stiftung. Diese sind inzwischen bearbeitet, verzeichnet und damit für die Forschung zugänglich. Presseartikel, Reden, vereinzelt Protokolle aus den jeweiligen Kuratorien sowie Korrespondenzen dokumentieren dabei das soziale Wirken von Marianne Strauß. Zahlreiche Karten und Zuschriften hilfsbedürftiger Personen, die sich für ihre Besuche und Zuwendungen bedanken, stehen dabei für ihren erfolgreichen karitativen Einsatz. Dass ihr Lebenswerk nach ihrem Tod fortgesetzt wurde, belegen neben Materialien zur Marianne-Strauß-Klinik insbesondere Unterlagen von Strauß' Tochter Monika Hohlmeier aus diesem Bestand. Monika Hohlmeier kümmerte sich zunächst um Einzelschicksale, die sich ihr in zahlreichen Bürgerschreiben offenbarten, besuchte ähnlich wie ihre Mutter soziale Einrichtungen und übernahm u.a. die Schirmherrschaft der Landesgruppe Bayern der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft. Die Idee, eine Stiftung zu gründen, fand schnell Anklang und Unterstützung. Angesichts des daraus resultierenden, immer größer werdenden Arbeitspensums musste die Stiftung breiter aufgestellt werden und 1986 sowie 1992 jeweils ein größeres Büro beziehen. Bis heute setzt sich die Marianne Strauß Stiftung im Sinne ihrer Namensgeberin erfolgreich für unverschuldet in Not geratene Menschen in ganz Bayern ein.

Kontakt

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Stefan Obermeier
Akademie für Politik und Zeitgeschehen
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Telefon: