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Tschechische Republik
Migration und Integration von Frauen

Der Think Tank TOPAZ, die Denkfabrik der tschechischen Partei TOP 09 (Tradition, Verantwortung, Wohlstand), führte in den Räumen des Parlaments der Tschechischen Republik eine Konferenz in Kooperation mit der EPP Women (EVP-Frauen) und der Hanns-Seidel-Stiftung Prag durch.

 

Ein Podium mit vier Damen und Herrn Kastler (HSS-Büro in Prag) in der Mitte

Doris Pack, Rozalia Biró (Vizepräsidentin der EPP-Women, Senatorin, Rumänien), Martin Kastler, Rana Husseini, Magdaléna Vášáryová

Zentrale Themen dieser Konferenz "Frauen - der Schlüssel zur Integration" am 08. April 2016 waren  die Ursachen und Folgen der derzeitigen Flüchtlingswelle nach Europa und die Situation von Migrantinnen in Europa.

Unter den Diskussionsteilnehmern waren Politikerinnen und Nachwuchskräfte von christdemokratisch-konservativen Parteien aus Bayern, Deutschland, der Slowakischen und der Tschechischen Republik sowie aus dem Europäischen Parlament.

Die Veranstaltung zeigte, wie bedeutend geschlechtsspezifische Integration ist. Die Erfahrungen der Migrantinnen und Migranten sind so unterschiedlich wie ihre Bedürfnisse. Dieser Aspekt darf nicht unterschätzt werden, weil vor allem Frauen die nächste Generation erziehen. Wenn daher Migrantinnen mit Maßnahmen unterstützt werden, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind, beeinflusst dies die Familien direkt. Frauen sind der Schlüssel für die Familie und für eine gelungene Integration in das neue Leben in Europa.

Jana Michael, die tschechische Vertreterin der Nichtregierungsorganisation MigraNet, wies darauf hin, wie bedeutend eine gezielte Unterstützung durch die Aufnahmegesellschaft vor allem für traumatisierte und daher besonders schutzbedürftige weibliche Flüchtlinge sei.

Der Repräsentant der Hanns-Seidel-Stiftung in der Tschechischen und Slowakischen Republik sowie in Ungarn, Martin Kastler, unterstrich, dass die Hanns-Seidel-Stiftung das Thema Migration aus aktuellem Anlass auf die Prioritätenliste gesetzt habe. Das Mitteleuropaprojekt der Hanns-Seidel-Stiftung führe Workshops und Seminare über die Migration nach Europa durch.

Ziel sei, sachlich zu informieren und den Dialog über erfolgreiche Integrationsarbeit am Beispiel Bayerns zu fördern. Die Hanns-Seidel-Stiftung hatte die jordanische Journalistin und Menschen­rechtsaktivistin Rana Husseini aus Amman zur Veranstaltung nach Prag eingeladen. Die Hanns-Seidel-Stiftung fördert in Jordanien den Dialog zwischen jordanischen und syrischen Frauen für ein besseres gegenseitiges Verstehen. Die Journalistin verwies auf ihr Land, das mit etwa sechs Millionen Einwohnern eineinhalb Millionen Flüchtlinge aufgenommen und nun massive Probleme habe, diese Menschen zu versorgen.

Blick auf eine hufeisenförmige Anordnung von Konferenzplätzen. Vorne sitzen Helena Langšádlová (TOP 09), Doris Pack, Rozalia Biró, Martin Kastler, Rana Husseini, Magdaléna Vášáryová und Verena Assum. Im Hintergrund befindet sich ein großes Wandgemälde mit dem Hl. Wenzel

Blick in das Plenum

Husseini setzt sich mit sozialen Themen und gesellschaftspolitischen Problemen in ihrer Heimat auseinander. Besonderes Augenmerk richtet sie auf Gewalt gegen Frauen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die im Namen einer sogenannten „Familienehre“ begangen und geduldet würden. Die Aktivistin ging in ihrem Vortrag darauf ein, dass Europa angesichts der Millionen von Flüchtlingen aus anderen Kulturkreisen vor einer großen Herausforderung stehe. Europa müsse sich dieser Aufgabe stellen.

Die Vorsitzende der EPP-Women und Initiatorin der Konferenz, Doris Pack, erläuterte, wie intensiv ihr Verband daran arbeite, damit Frauen überall in Europa gleiche Chancen und Perspektiven, vor allem in der Wirtschaft, erhielten. Ein besonderes Anliegen sei es, die Situation von Migrantinnen in Europa zu verbessern. Wichtig sei, nicht nur über diese Themen zu reden, sondern zu handeln.

Die mittelosteuropäische Perspektive der Flüchtlingskrise und Aufnahme von Migranten wurde von Politikerinnen und Vertreterinnen der Zivilgesellschaft aus der Tschechischen und Slowakischen Republik vorgestellt. Magdalena Vášáryová, Botschafterin a.D., Abgeordnete a.D. und Vorsitzende der größten Frauenorganisation in der Slowakischen Republik, Živena, meinte, es sei ein Problem, dass der Wunsch nach Abschottung der slowakischen Gesellschaft beunruhigende Ausmaße annehme. Dies habe der letzte Wahlkampf gezeigt, in dem Flucht und Migration thematisiert wurden, um Wähler für sich zu gewinnen. Die Regierung habe sogar gegen die Flüchtlingsquoten beim Europäischen Gerichtshof geklagt. Doch dürfe die Flüchtlingsproblematik nicht missbraucht und entmenschlicht werden.

Die tschechische Europaabgeordnete Michaela Šojdrová (KDU-CSL, Christliche und Demokratische Union – Tschechoslowakische Volkspartei (Christdemokratisch, EVP) forderte die Einführung geschlechtsspezifischer Maßnahmen bei Integrationsprozessen. Beispielsweise müsse Frauen das Recht auf getrennte Unterbringung eingeräumt werden. Die Konferenz warb für mehr Offenheit im Umgang mit der Flüchtlingsproblematik und setzte ein Zeichen für den mitmenschlichen Umgang.

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