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Bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Würzburg
Moderne Ausbildung für argentinische Polizisten

Autor: Prof. Dr. Klaus G. Binder

Die Stadtpolizei von Buenos Aires, Policía de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires, und die Hochschule für öffentliche Sicherheit, Instituto Superior de la Seguridad Pública de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires (ISSP), zählen seit November 2014 zu den Partnern der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS).

Mit dieser Kooperation soll in Buenos Aires eine erfolgreich arbeitende, bürgernahe und die Menschenrechte achtende Stadtpolizei aufgebaut werden.

Besonders interessierte die argentinischen Gäste der Einsatz von Unterrichtsmodulen

Besonders interessierte die argentinischen Gäste der Einsatz von Unterrichtsmodulen

Der Kooperationspartner ISSP

Das ISSP wurde im Jahre 2008 gegründet. In ihm werden Fachkräfte, die an der Gestaltung und Umsetzung von Sicherheitsrichtlinien interessiert sind, sowie Mitarbeiter der Stadtpolizei von Buenos Aires geschult. Ein modernes pädagogisches Konzept ermöglicht es seinen Studierenden, qualitativ hochwertige Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, um auf ihrem jeweiligen Fachgebiet zu brillieren.

Ein Bestandteil dieser Hochschule ist das Metropolitan Observatory of Public Safety. Dort werden Informationen gesammelt und analysiert. Vor allem geht es um die Unsicherheit, die viele Bürger in Argentinien fühlen, weil Kriminalität und Gewalt weit verbreitet sind. Die Forschungsergebnisse dieser Institution sollen die Entscheidungsfindung bei der Entwicklung von Sicherheitsplänen und -strategien erleichtern.

Vom ISSP werden zum Thema Sicherheit drei Bachelorstudiengänge, sogenannte Tecnicaturas Superiores, und zwei Diplomstudiengänge, sogenannte Licenciaturas, angeboten. Eine der beiden Licenciaturas findet in Kooperation mit der Universidad Tecnológica Nacional statt, die andere zusammen mit der Universidad de Morón. Außerdem gibt es zwei Diplomaturas, staatliche Hochschulabschlüsse deutlich unterhalb des Bachelorniveaus, die jeweils in Zusammenarbeit mit der Universidad Abierta Interamericana durchgeführt werden. Auch ein beruflicher Aktualisierungskurs in Kooperation mit der Päpstlichen Katholischen Universität (Pontificia Universidad Católica Argentina) gehört zum Programm.

Zudem erhalten am ISSP angehende Stadtpolizisten der Autonomen Stadt Buenos Aires, die sogenannten City Police Officers, Erstausbildungs- oder Integrations- und Nivellierungskurse. Im Rahmen eines Programms von 21 weiteren Kursen können sich aktive Polizeioffiziere fort- bzw. weiterbilden. Neuerdings wird vom ISSP auch eine Erstausbildung für angehende Feuerwehrleute der Autonomen Stadt Buenos Aires angeboten.

Führungskräfte des ISSP diskutieren Kollegen der Bayerischen Bereitschaftspolizei neue Konzepte der Ausbildung

Führungskräfte des ISSP diskutieren mit Kollegen der Bayerischen Bereitschaftspolizei über neue pädagogosiche Konzepte

Das bayerische Modell

Um sich mit Kollegen auszutauschen, besuchten vom Ende Oktober 2017 Patricio Bruno Gil, Leandro Matías Caprio Mujico, Martín Aiello und Fernando Garat vom ISSP auf Initiative der HSS die III. Abteilung der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Würzburg. Die argentinische Delegation interessierte sich vor allem für die modulare Ausbildung, die von der Bayerischen Bereitschaftspolizei praktiziert wird, Inhalte von Prüfungen sowie die Qualifikation des Ausbildungspersonals.

Die Bayerische Bereitschaftspolizei ist mit ihren mehr als 6.600 Beamten und Beschäftigten einer der wesentlichen Eckpfeiler der inneren Sicherheit in Bayern.
Bei der III. Bereitschaftspolizeiabteilung in Würzburg sind sowohl Einsatzeinheiten als auch sogenannte Ausbildungsseminare untergebracht. Die Einsatzeinheiten unterstützen die Bayerische Landespolizei bei ihrer Arbeit; sie werden bei Großveranstaltungen, wie z. B. Demonstrationen und Fußballspielen, eingesetzt.

Zu ihren vielfältigen Aufgaben gehört auch die Fort- und Weiterqualifizierung von Polizeibeamten. Hier findet die zweieinhalbjährige Ausbildung statt für die sogenannte 2. Qualifikationsebene, früher als „mittlerer Dienst“ bekannt.
In fünf Ausbildungsabschnitten werden Themen aus den Bereichen Recht, Praxis und Persönlichkeitsbildung behandelt. Auch Ernstfälle werden geübt– vom Notruf über das Verhalten am Einsatzort bis hin zur Sachbearbeitung. In Übungsräumen und später auch im realen öffentlichen Raum werden die Auszubildenden so auf viele Einsatzsituationen vorbereitet.
Die angehenden Polizeibeamten müssen Gesetzesinhalte umfassend verstehen, damit sie im Einsatz schnell Entscheidungen treffen und dabei ihr Wissen aus Bereichen wie Polizei-, Straf- oder Verkehrsrecht praktisch anwenden können.

Die argentinische Delegation mit Repräsentanten der III. Abteilung der Bayerischen Bereitschaftspolizei und der Hanns-Seidel-Stiftung in Würzburg

Die argentinische Delegation mit Repräsentanten der III. Abteilung der Bayerischen Bereitschaftspolizei und der Hanns-Seidel-Stiftung in Würzburg

Beruf mit hohen Anforderungen

Die Ausbildungsinhalte werden von Anfang an in die Praxis umgesetzt. Dies geschieht in Fächern wie Sport, Selbstverteidigung, Kriminalistik, Fahrausbildung, polizeilichem Einsatztraining oder Waffen- und Schießausbildung.

Ein erfolgreicher Polizist zeichnet sich aus durch persönliche Merkmale wie Selbständigkeit, Zuverlässigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Aufgeschlossenheit, Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Stressstabilität, Verantwortungsbewusstsein, Urteils- oder Entschlussfähigkeit. Fächer wie Kommunikation, Konfliktbewältigung oder Berufsethik dienen der Persönlichkeitsbildung.

Das ISSP ist bestrebt, sich mittel- und langfristig an der Ausbildung der Bayerischen Bereitschaftspolizei zu orientieren. So möchte es Ausbildungsinhalte der Bayerischen Bereitschaftspolizei in seine Lehrpläne übernehmen.

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Kontakt
Referat V/4: Lateinamerika
Leiter:  Prof. Dr. Klaus G. Binder
Telefon: 089 1258-310
Fax: 089 1258-359
E-Mail: binder@hss.de
Argentinien
Projektleitung:  Dr. Mariella Franz