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Demenz
Patientenpflege und Unterstützung betreuender Angehöriger

Mit den neuen Pflegestärkungsgesetzen wurde endlich eine Gleichstellung zwischen physischer und kognitiver Beeinträchtigung hergestellt. Handlungsbedarf besteht aber noch in vielen Bereichen.

Die Hanns-Seidel-Stiftung lud am 6. November 2015 zu einer Expertentagung in das Münchner Konferenzzentrum ein, um mit Fachpublikum über Demenz zu sprechen. Auf der Agenda standen der aktuellen Forschungsstand, Versorgungsangebote, Unterstützungsprogramme für pflegende Angehörige und aktuelle sowie geplante politische Initiativen. 

Durch die Pflegestärkungsgesetze I und II werden politische Maßnahmen eingeleitet, die 2016 und 2017 umgesetzt werden müssen. Mit der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade wird endlich eine Gleichstellung zwischen physischer und kognitiver Beeinträchtigung hergestellt. Der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) steht vor der großen Herausforderung, diese Neuerung um zusetzten, zumal sie vielfach kritisch gesehen wird. 

Eine weitere Aufgabe wird die Inklusion von Demenzkranken mit ihren Angehörigen (Angehörige und zu Pflegende sind ein Team!) sein. Demenzkranke gehören in die Mitte der Gesellschaft. Ein Bewusstseinswandel muss erreicht werden, der den Blick weg von den Defiziten lenkt und − geprägt von Wertschätzung − die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht.

Nach der Glasgower Erklärung der „Alzheimer Europe“ von 2014 soll jedes europäische Land einenationale Demenzstrategie entwickeln. Die Erklärung ruft die Entscheidungsträger auf internationaler Ebene dazu auf, Demenz als zentrales Thema der Gesundheitspolitik anzuerkennen und einen globalen Aktionsplan zu entwickeln.

Zum diesem gehören Rahmenbedingungen, die unsere Gesellschaft zu einer 
pflegenden Gemeinschaft heranwachsen lässt. Denn trotz Erfolge in der medizinischen und pharmakologischen Forschung wird die Zahl der Demenzkranken weiter steigen: Weltweit auf 106 Millionen bis 2050, in Deutschland werden es ca. 3 Millionen sein.

Der Bayerische Staat unterstützt mit seinen Fachtagungen, der Auslobung des Demenzpreises, der Gründung des Bayerischen Demenz-Surveys und einer Wanderausstellung (ab 2016) die Inklusionsinitiative. Niedrigschwellige Angebote für Erkrankte und ihren Angehörigen sind notwendig, damit Demenzkranke am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. 

Anreize zur Betreuungsübernahme (z.B. genossenschaftlich organisierte Modelle für ambulant betreute Wohngemeinschaften) könnten geschaffen werden. Ehrenamtliches Engagement undProfessionalisierung der Pflegeberufe werden weiter die wesentlichen Themen der kommenden Jahre sein.

Auch die Mischung von ambulanten und stationären Betreuungsangeboten muss effizienter organisiert werden. Informationskampagnen sollen helfen, Herausforderungen bewusst zu machen, bestehende Angebote besser kennen und nutzen zu lernen. Sehr wichtig wird die Früherkennung der Erkrankung sein. Hier fällt der Mangel an geschulten Hausärzten und Spezialisten, besonders im ländlichen Raum, negativ auf.

Vortragende waren Bernhard Seidenath, MdL; Prof. Dr.med. Martin Dichgans, Prof. Dr.med. Peter Kolominsky-Rabas, PD Dr.med. Katharina Bürger, Dr.med. Friedemann Müller, Denise Schinköthe, Bernhard Piendl, Dr. Ralf Langejürgen und Dr.med. Gabriele Hartl.