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Läutet Donald Trump eine neue Ära des Welthandels ein?
Unbeugsam wie Stahl

Autor: Dr. Claudia Schlembach

25% Abgaben auf Stahlimporte? Das ist Donald Trumps Plan, um die heimische Stahlindustrie zu schützen. Er kann damit eine gefährlich Spirale auslösen; nicht nur die EU hat bereits Gegenmaßnamen angekündigt. Steuern wir auf einen Handelskrieg zu?

25% Zölle auf Stahlimporte und 10% auf Aluminium: Mit diesem protektionistischen Vorstoß hat Donald Trump viele überrascht, sogar enge Mitarbeiter. Einen Schutz für die Stahlindustrie will er, und die nationale Sicherheit gewährleisten, die durch die Abhängigkeit Amerikas von Stahlimporten gefährdet sei. Letzteres ermöglicht ihm, Zölle zu verhängen, ohne die Einwilligung des Kongresses einzuholen. Nicht nur in den bayerischen Auto-Metropolen München, Ingolstadt, Dingolfing wird man darüber nicht erfreut sein. Aber gerade weil Trump hier wohl eine seiner schnellen Entscheidungen getroffen hat, gilt es, besonnen zu reagieren. Von einem Handelskrieg zu sprechen, ist sicherlich verfrüht und nicht zielführend.

Durch die 30% Zölle auf Stahl, die George W. Bush eingesetzt hatte, gingen mehr Jobs verloren als insgesamt in der US-Stahlindustrie beschäftigt waren.

Durch die 30% Zölle auf Stahl, die George W. Bush eingesetzt hatte, gingen mehr Jobs verloren als insgesamt in der US-Stahlindustrie beschäftigt waren.

guentherlig; CC0; Pixabay

Dax und Dow gehen in die Knie

Die amerikanische Stahlindustrie gehört aktuell, genau wie die chinesische auch, nicht zu den Erfolgsgeschichten. In USA gibt sie sich schutzbedürftig, während China in großem Ausmaß Überkapazitäten produziert. Das Bedürfnis der Politik, auf die Rufe nach Schutz zu reagieren, ist nicht neu. Bereits Präsident Bush hatte 2002 bis zu 30% Zölle auf Stahl verordnet. Im Nachhinein hat sich gezeigt, dass durch diese Maßnahme mehr amerikanische Bürger ihren Job verloren haben als in der ganzen US-Stahlindustrie insgesamt beschäftigt waren. Aber auch wer keine Lehren aus der Geschichte ziehen möchte, kann nicht übersehen, dass das stahlverarbeitende Gewerbe deutlich mehr Menschen beschäftigt als die Stahlindustrie. Diese US-Bürger werden unmittelbar und sehr schnell von Preissteigerungen betroffen sein. Da bedarf es noch gar keiner Reaktion von anderen Nationenund Lobby, die sich durch ein solches Vorpreschen provoziert fühlen.  

DAX und Dow Jones sind sofort ein Stück weit in die Knie gegangen - nur die amerikanische Stahlindustrie verzeichnet Zuwächse. Zumindest teilweise hausgemachte Probleme durch Zöllen auf die Staatengemeinschaft abzuwälzen, ist sicherlich kein befriedigender Lösungsansatz. 

Vor allem auch deshalb nicht, weil alle betroffenen Staaten bereits in Klausur gegangen sind und Gegenmaßnahmen skizzieren. Die EU hat beispielsweise bereits Harley-Davidson und Jack Daniels Whiskey in den Blick genommen. Beide haben ihren Hauptsitz in Trump-freundlichen Staaten. Ein schönes Beispiel, wie subtil Handelspolitik sein kann.

Nur 2% der US-Stahlimporte kommen aus China. Geht es wirklich um Wirtschaftsfragen oder will Trump einfach den Werkstoff mit dem starken Namen so oft wie möglich in den Mund nehmen?

Nur 2% der US-Stahlimporte kommen aus China. Geht es wirklich um Wirtschaftsfragen oder will Trump einfach den Werkstoff mit dem starken Namen so oft wie möglich in den Mund nehmen?

LoobosHouska; CC0; Pixabay

Vor allem NATO-Partner werden getroffen

Die Chinesen denken über Hirseprodukte und Sojabohnen nach - etwas, was die amerikanische Agrarlobby nicht erfreuen wird. China ist eigentliche „Gegner“, den Trump mit dieser Zollaktion treffen will. Auch das wird schwierig, denn lediglich 2% der US-Stahlimporte kommen aus China. De facto werden vor allem die NATO-Partner getroffen. Zusammen mit der Argumentation Trumps, durch seine Aktion die nationale Sicherheit der USA sichern zu wollen, ergibt das ein sehr skurriles Bild und es bleibt abzuwarten, ob nicht doch die eher rationale Ecke im Weißen Haus noch ihren Einfluss geltend machen kann und diesen Fehdehandschuh wieder aufhebt.  

Gut, man kann sich nicht darauf verlassen, deshalb macht es für alle Beteiligten Sinn, Strategien zur wirtschaftlichen Selbstverteidigung weiter zu entwickeln; Aber auch, zunächst noch mal ruhig die weitere Entwicklung abzuwarten, die Potentiale der WTO weiter auf- und auszubauen und die regelbasierte Welthandelsordnung weiter zu stärken.

Das wäre ein wichtiges Signal zugunsten eines multilateralen Welthandels, den wir brauchen - und den Trump nicht will.

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Leiterin: Dr. Claudia Schlembach
Referat II/3: Wirtschaft und Finanzen
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