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JFS-Interviewseminar
Von der Kunst und Mühe des Dialoges

Das Interview ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Fragen, sondern ein komplexer Vorgang, der gute Vorbereitung und journalistisches Know-how voraussetzt. Praktische Übungen vor laufender Kamera oder im Tonstudio boten den Stipendiaten vom 14. bis 16. November 2014 in Kloster Banz die Möglichkeit, mit erfahrenen Interviewpartnern ihr erlerntes Wissen umzusetzen.

Interview mit Landrat Christian Meißner im Hörfunkstudio

Interview mit Landrat Christian Meißner im Hörfunkstudio

Isabel Küfer

Interview. Da denkt man zunächst an einen sachlichen Dialog zweier Personen, ein unbeschwertes Frage- und Antwortspiel. Um es gleich vorwegzunehmen: Falsch ist das nicht. Und doch oft ein klein wenig komplexer. Im Besonderen ist es das, wenn es darum geht, das Interview in verschiedene journalistische Darstellungsformen einzubauen. Hierzu gibt das Interviewseminar in Kloster Banz von alldem einen ziemlich guten Eindruck. Am ersten Abend stand – man kennt das bereits – die Theorie. Nach dieser ist dann auch dem Letzten klar, dass bei einer sogenannten „Frage mit Balkon“ nicht unbedingt immer der beste Ausblick zu erwarten ist. Und dass man vor Gesprächsbeginn mit Fragen durchaus auch „anwärmen“ darf – kochen lässt man den Gesprächspartner aber am besten im Interview selbst.

Alle Theorien der Welt sind aber meist nur halb so gut, wenn sie einzig als Buchstaben auf Papier stehen, denn, frei nach Karl Popper: Theorien müssen sich in der Wirklichkeit bewähren. So wartete am nächsten Morgen auch gleich der erste Gesprächspartner für die Seminarteilnehmer auf. Es war Christian Meißner, Landrat des Landkreises Lichtenfels, langjähriger Politiker und ehemaliger Landtagsabgeordneter. Wie umgehen mit einem, der die Kniffe im Interview bereits seit langem kennt? Doch dankeshalber war dieser dann HSS-Altstipendiat – und deshalb das Gespräch im Tonstudio fast schon ein Heimspiel.

Stipendiaten testen an Gesprächspartner Harry Luck verschiedene Interviewtechniken

Stipendiaten testen an Gesprächspartner Harry Luck verschiedene Interviewtechniken

Isabel Küfer

Der zweite Gesprächsgast, Harry Luck, Pressesprecher und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Erzbistum Bamberg, beeindruckte mit einer facettenreichen Biographie als Autor im Nebenberuf. Nun lief die Aufnahme des Gesprächs diesmal aber nicht im Tonstudio, sondern vor laufender Kamera. Nach mehreren Gesprächen zur Person – des klassischen Fernsehinterviews also – testeten manche Seminarteilnehmer hier schon einmal das sogenannte Kreuzverhör. In der Regel bekommt man damit auch den wackersten Pressesprecher weich. Oder den abgebrühtesten Politiker zum Schwitzen. Die Ansätze dazu waren da, man könnte sie auch als hoffnungsvoll beschreiben. Nach so viel Praxis konnte sich der ein oder andere Seminarteilnehmer im folgenden Theorieblock vielleicht etwas erholen – doch nicht allzu lange, denn jetzt wurde es investigativ. Anhand von ausgewähltem Videomaterial erklärten die Referenten allerlei Bedeutendes zur Enthüllung vor der laufenden Kamera.

Mit dem nächsten Morgen läutete dann die Abschlussrunde des Seminars ein. Den unangenehmen Gesprächspartner markieren, das nahmen sich nun die Referenten selbst vor. Im Tonstudio und vor der Kamera erfuhr der ein oder andere Teilnehmer dann, dass ein Gespräch schon einmal in abwegige Bahnen führen kann. Wie oft kommt es denn schon vor, dass der Dialogpartner einem die Anmoderation vermasselt, Wortgefechte sucht oder in endlose Wortschleifen verfällt? „Im Gespräch mit Klaus Kinski“ hätte es da gut heißen können – und doch war es für alle auch eine große Portion Spaß.

Als letzten Punkt des Programms lernten wir uns – sofern nicht bereits geschehen – noch selbst besser kennen. In einem kleinen Kurzgespräch sprachen die Seminarteilnehmer in Zweiergruppen über die weniger bekannten Facetten des Gegenübers. So wussten danach alle um die Bergsteigersehnsucht des Einen oder die Vorliebe für selbst praktizierte Musik eines Anderen. Alles in allem also ein Wochenende, bei dem der Seminarteilnehmer viel über Formen, Strategien und Struktur von Interviews lernen konnte. Und doch ist – auch das eine Erkenntnis – die Grundlage davon etwas, was durch Chat, Smartphone und moderne Kommunikation in heutiger Zeit oft ins Hintertreffen gerät: das einfache Gespräch.

Philipp Abele

Das Journalistische Förderprogramm für Stipendiaten (JFS) bietet Studierenden an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) und Universitäten eine studienbegleitende Aus- und Weiterbildung mit praxisbezogenen Seminaren und Fachtagungen in den Sparten Zeitungs-, Bild-, Onlinejournalismus, Hörfunk und Fernsehen sowie Veranstaltungen zu gesellschaftspolitisch relevanten Themen an. Die Förderung ist nicht an bestimmte Studiengänge gebunden, jedoch sollte bei den Bewerbern als Berufsziel eine spätere Tätigkeit im Bereich der Medien gegeben sein.

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Leiterin: Isabel Küfer, M.A.
Referat IV/5: Journalistisches Förderprogramm für Stipendiaten (Uni/HAW), Internationale Studien (Uni), Medizin (Uni), Promotionskollegs, Fachforen
Leiterin:  Isabel Küfer, M.A.
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Fax: 089 1258-403
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