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Podiumsdiskussion in der Karmelitenkirche zur MSC
Welche Zukunft haben die Christen im Nahen Osten?

Mit dieser Frage beschäftigte sich als offizielles Begleitprogramm zur Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) in der Münchner Karmelitenkirche am 18. Februar 2017 eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion, veranstaltet von der Hanns-Seidel-Stiftung

HSS-Vorsitzende Ursula Männle mit Nicodemus Daoud Sharaf, Erzbischof von Mossul und Patriarch Ignatius Aphrem II

HSS-Vorsitzende Ursula Männle mit Nicodemus Daoud Sharaf, Erzbischof von Mossul und Patriarch Ignatius Aphrem II

Thomas Reiner; HSS

München, 20. Februar 2017 – Immer noch werden viele der 2.000 Jahre alten Spuren christlicher Geschichte in den Ursprungsländern der Christenheit wie Syrien und Irak ausgelöscht. Christen sind auf der Flucht, werden gefoltert, getötet, vertrieben, verlieren ihre Angehörigen, Hab und Gut und leben in Angst. Auch diese Tatsachen gehören zu der immensen humanitären Katastrophe, die sich derzeit im Nahen Osten abspielt.  „Es gibt ein beeindruckendes humanitäres und karitatives Engagement der verschiedenen Kirchen in den betroffenen Regionen. Dennoch ist derzeit unklar, wie die Christen dort auch künftig noch eine Heimat haben werden“, sagte die Vorsitzende der gastgebenden Hanns-Seidel-Stiftung, Prof. Ursula Männle. „Wir dürfen uns nicht durch Unterlassen am Christozid mitschuldig machen, wir können und werden nicht zulassen, dass das orientalische Christentum ausgelöscht wird.“

Deswegen engagiert sich auch die Hanns-Seidel-Stiftung, für den interkulturellen und interreligiösen Dialog. Sie war als einzige deutsche politische Stiftung bis zum Kriegsbeginn 2011 vor Ort in Syrien tätig. 2017 widmen sich die Stiftungsbüros in Jordanien und im Libanon vor allem der Konfliktprävention und Krisenbewältigung.

"Dieses brennende Thema nicht aus dem Blick verlieren." (Ursula Männle)

"Dieses brennende Thema nicht aus dem Blick verlieren." (Ursula Männle)

Thomas Reiner; HSS

Konfliktprävention und Krisenbewältigung

Zum interkulturellen und interreligiösen Dialog zählt eine Podiumsdiskussion, die auch heuer wieder als fester Bestandteil im offiziellen Begleitprogramm zur MSC stattfand. Es diskutierten miteinander Ignatius Aphrem II, der Patriarch von Antiochien und dem Ganzen Osten, Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt, UN-Sonderberichterstatter über Religions- und Weltanschauungsfreiheit a. D., Dr. Franz Josef Jung, Beauftragter für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion, Nicodemus Daoud Sharaf, Erzbischof von Mossul, und Archimandrit Emanuel Youkhana, Geschäftsführer von „Christian Aid Program Northern Iraq“.

Moderiert wurde die hochkarätige Veranstaltung vom Deutschen Botschafter in Luxenburg, S.E. Dr. Heinrich Kreft. „Um die Krise im Nahen Osten bewältigen und damit auch die Situation für die orientalischen Christen verbessern zu können, braucht es das Gewicht aller europäischen Länder und den engen Schulterschluss mit den USA“, sendete Männle ein Signal Richtung MSC, die nur wenige Meter entfernt schräg gegenüber der Karmelitenkirche im Bayerischen Hof tagte. „Unsere Podiumsdiskussion wollte dazu beitragen, das brennende Thema der verfolgten Christen im Nahen Osten nicht aus dem Blick zu verlieren.“   

Wo bleibt der "Aufschrei über die private Beklommenheit hinaus"? (Heiner Bielefeldt)

Wo bleibt der "Aufschrei über die private Beklommenheit hinaus"? (Heiner Bielefeldt)

Thomas Reiner; HSS

Verpflichtung zur Hilfe

Prof. Heiner Bielefeldt stellte fest, dass das Menschenrecht Religionsfreiheit nirgendwo so dramatisch verletzt werde wie in Syrien und Irak und fragte nach dem öffentlichen „Aufschrei über die private Beklommenheit hinaus“.  Dr. Franz-Josef Jung sah eine Verpflichtung des christlichen Abendlandes aufgrund seiner kulturellen Prägung zur Hilfe und forderte mehr Engagement Europas in der Region Patriarch Aphrem II und der Erzbischof von Mossul, Nicodemus Sharaf, schilderten die katastrophalen Umstände vor Ort und die Gräueltaten des selbsternannten Islamischen Staates an den Christen.

Beide sprachen sich aus ihrer Perspektive heraus dafür aus, dass es im Irak und in Syrien künftig starke Regime brauche, die in der Lage seien, die Christen zu schützen.  Hier erinnerte Prof. Bielefeldt allerdings daran, dass Menschenrechtsverletzungen größten Ausmaßes vom Assad-Regime ausgegangen seien. Am Ende müssten auch diese Verbrechen aufgearbeitet werden. Der Patriarch forderte, nicht aufgrund der christlichen Religion anders, sondern als echte Bürger der jeweiligen Länger gleich behandelt zu werden. Er dankte der Hanns-Seidel-Stiftung für die Veranstaltung, dieses schwierige Thema auf die Agenda der MSC zu setzen.

Christen bauen Brücken, keine Mauern

Archimandrit Youkhana plädierte dafür, den Christen im Nahen Osten wieder Hoffnung zu vermitteln, damit sie in der Wiege der Christenheit blieben. Denn die Christen würden für die Zukunft in diesen Ländern gebraucht. Überall würden Mauern gebaut, die Christen hingegen bauten Brücken. Man sei zwar oft hilflos, jedoch niemals hoffnungslos.  Mit der Veranstaltung hat die Hanns-Seidel-Stiftung der Situation der verfolgten Christen im Nahen Osten im Kreise der Weltenlenker erneut Gehör verschafft.

Gut 200 Gäste waren gekommen, darunter der Bundestagsvizepräsident, Johannes Singhammer, MdB, die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, MdB, Markus Ferber, MdEP, und Kardinal Reinhard Marx, der die Veranstaltung mit einem Gebet für Mossul und Aleppo eröffnete.

Kontakt
Leiter: Thomas Reiner
ZA-1: Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Leiter:  Thomas Reiner
Telefon: 089 1258-500
E-Mail: Reiner-T@hss.de