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Ratgeber für Kommunalpolitiker – Interview
Medienstrategie und Thema Smart Citiy sind wichtig

Saubere Luft in der Stadt und Klimaschutz, dabei gleichzeitig mobil bleiben. Das beschäftigt die Bürgerinnen und Bürger, es gilt Lösungen im Wahlkampf zu präsentieren. Außerdem sollte sich jeder Kandidat eine klare Medienstrategie erarbeiten. Welche Medien sind für die Meinungsbildung in der Kommune und in der Region entscheidend? Über diese Themen spricht der Journalist und Media Consultant Michael G. Möhnle.

Michael G. Möhnle ist Journalist, Media-Consultant und für die HSS als Referent im Einsatz. Davor war er Pressesprecher im Europäischen Parlament und Leiter der Online-Kommunikation in der Bayerischen Staatsregierung.

Michael G. Möhnle ist Journalist, Media-Consultant und für die HSS als Referent im Einsatz. Davor war er Pressesprecher im Europäischen Parlament und Leiter der Online-Kommunikation in der Bayerischen Staatsregierung.

Michael G. Möhnle

HSS: Was sind Smart Cities und warum sind sie für den Kommunalwahlkampf so wichtig?

Michael G. Möhnle: Wir müssen heute den Bürgern die Frage beantworten, was Städte und Kommunen für den Klimaschutz tun können. Wer dies außer Acht lässt, verliert nicht nur junge Wähler, sondern insgesamt an Akzeptanz. Jede kleine, mittlere und große Stadt ist heute mit den Problemen Verkehr, saubere Mobilität, Energieeffizienz, erneuerbare Energien und eGovernment konfrontiert. Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, greifen immer mehr Städte nach digitalen Lösungen. Es bedarf aber einer Strategie, diese digitalen Lösungen  mit ihren Daten und Anwendungen so zu entwickeln, dass sie einen ökologischen Mehrwert für die Stadt und ihre Bürger ergeben. In meinem Vortrag „Smart City – die Zukunft der Stadt“ gehe ich detailliert darauf ein. Dieser ökologische Mehrwert kann nur gemeinsam mit den Bürgern erarbeitet werden.

HSS: Und gibt es Gemeinden oder Städte, die das schon tun?

Michael G. Möhnle: Für eine „smart-City“ gibt es bereits viele gute Beispiele, man muss das Rad nicht neu erfinden. Sie reichen von der intelligenten Straßenlaterne (mit WLAN plus Messeinrichtungen für Verkehr und Umwelt), der Mobilitätsstation (mit Car-Sharing, e-Bikes und Ladestationen) bis zur smarten Mülltonne, die Signal gibt, wenn sie voll ist. Bis zu 70 % Energieeinsparung, eine bessere Luft und mehr Effizienz in der Verwaltung können durch digitale Lösungen erreicht werden. Smart Cities sind weltweit ein Mega-Trend. In Deutschland haben sich bereits 50 Städte mit dem Branchenverband bitkom auf den smarten Weg gemacht.

HSS: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Medien im Kommunalwahlkampf?

Michael G. Möhnle: Die meisten tippen hier alleine auf Social Media. Ich sehe das anders, viel detaillierter. Wichtiger ist doch die Frage: Welche Medien sind für die Meinungsbildung in der Kommune und in der Region entscheidend? Auf dieser Grundlage ergibt sich ein völlig anderes Bild. Nach jüngsten Studien steht in der lokalen und regionalen Information und Meinungsbildung nicht das Internet im Vordergrund, sondern mit knapp 40% die Tageszeitung. Zusammen mit Radio (13,5%), Fernsehen (9%) und Zeitschriften (6,3%) findet die Meinungsbildung im lokalen und regionalen Raum zu mehr als 2/3 außerhalb des Internets statt. Das sollten die Kandidaten zur Kommunalwahl 2020 unbedingt berücksichtigen und ihre Strategie entsprechend ausrichten.

HSS: Welche Inhalte für welche Medien? 

Michael G. Möhnle: Für den Kommunal-Wahlkampf sollte jeder Spitzenkandidat eine Medien-Kampagne entwickeln und umsetzen. Dazu braucht er eine Strategie bzw. einen Media-Plan. Will er die breite Bevölkerung in seiner Region oder in seiner Kommune erreichen, muss er auf die Medien setzen, die in der lokalen Meinungsbildung entscheidend sind, also Tageszeitung, Radio und Fernsehen. Dazu kommt dann natürlich das Internet bzw. der Social Media Sektor, mit einem Anteil von rd. 26%.

Betrachtet er die lokale Gewichtung der Medien in verschiedenen Altersgruppen, ist natürlich in der Gruppe der 14 bis 29-jährigen das Internet mit 54% an der Spitze. Das ändert sich jedoch schon bei den 30 bis 49-jährigen, hier liegt das Internet bei rd. 1/3, Fernsehen, Radio und Tageszeitung bei knapp 2/3. Bei den 50+-jährigen hat das Internet jedoch nur noch rd. 18%, das Fernsehen dagegen 42%, die Tageszeitung 25% und das Radio ebenfalls 18% Anteil an der Meinungsbildung. Ausgehend von diesem Schema der Meinungsbildung über Medien sollte der Kandidat seine Inhalte entsprechend aufteilen und in seiner Kampagne berücksichtigen.

HSS: Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt
Leiterin: Ramona Fruhner
Kommunales, Ehrenamt, Rhetorik
Leiterin:  Ramona Fruhner
Telefon: 089 1258-475
E-Mail: FRUHNERWEISS@hss.de