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Expertendiskussion der Hanns-Seidel-Stiftung
Wie über Terrorismus berichten?

2016 war das Jahr, in dem der Terrorismus in Deutschland konkret wurde. Die Berichte während einer Krisensituation können zur Beruhigung der Bevölkerung beitragen oder Panik auslösen. Welche Verantwortung tragen die Medien? Eine hochkarätig besetzte Expertenrunde hat diese Themen am Montag im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung im Detail analysiert.

Die Experten: Moderator Bernd Lenze, die Journalisten Oliver Bendixen, Michael Husarek und Sissi Pitzer mit Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins und Wolfgang Vichtl (BR)

Die Experten: Moderator Bernd Lenze, die Journalisten Oliver Bendixen, Michael Husarek und Sissi Pitzer mit Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins und Wolfgang Vichtl (BR)

Hubertus Klingsbögl; HSS

München, 20. 02.2017 - Über dem Umgang mit der „neuen Lebensgefahr“, wie Bernd Lenze, Leiter des medienpolitischen Arbeitskreises der Hanns-Seidel-Stiftung, den islamistischen Terror nannte,  diskutierten die Journalisten Sissi Pitzer, Oliver Bendixen und Wolfgang Vichtl vom Bayerischen Rundfunk, der Pressesprecher der Münchner Polizei, Marcus da Gloria Martins und Michael Husarek, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten auf Initiative der Hanns-Seidel-Stiftung in München. Zunächst berichteten sie von ihren ganz eigenen, persönlichen Erfahrungen während des Amoklaufs im Würzburger Regionalzug, im Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) oder beim Bombenanschlag auf dem Ansbacher Musikfestival im letzten Sommer.

Oliver Bendixsen: "Keine Spekulationen bei Berichten, auch nicht unter Druck."

Oliver Bendixsen: "Keine Spekulationen bei Berichten, auch nicht unter Druck."

Hubertus Klingsbögl; HSS

Auswirkungen sozialer Medien

Das Problem der digitalen Echtzeit-Kommunikation über soziale Netzwerke nahm dabei gehörigen Raum ein, denn dadurch kann eine Panik ausgelöst werden: Ein Impuls aus den sozialen Netzwerken sei in der Lage, ganz konkret im physischen Leben erhebliche Auswirkungen zu verursachen, erklärte der Pressesprecher der Münchner Polizei, Marcus da Gloria Martins. Alle Teilnehmer unter der Moderation von Sissi Pitzer waren sich einig, dass bei plötzlich eintretenden, unübersichtlichen Ausnahmesituationen die Informationsbeschaffung für eine seriöse Berichterstattung sehr schwierig sei, nicht nur für die Vertreter der Presse, sondern auch für die jeweiligen Pressestellen als Informationsquelle.

Da Gloria Martins: "Digitale Kommunikation in Echtzeit ist eine große Herausforderung für die Öffentlichkeitsarbeit."

Da Gloria Martins: "Digitale Kommunikation in Echtzeit ist eine große Herausforderung für die Öffentlichkeitsarbeit."

Hubertus Klingsbögl; HSS

Graswurzel-Journalismus

BR-Urgestein Oliver Bendixen plädierte dafür, sich bei der Berichterstattung Spekulationen zu enthalten, auch wenn der Druck, schnell und aktuell zu berichten hoch sei. Der Anspruch sei gut recherchierte, faktenbasierte Berichterstattung. Im Hinblick auf den sogenannten „Graswurzel-Journalismus“, also die Möglichkeit, dass heute Jeder über die sozialen Netzwerke zum Reporter mutieren könne, sagte Wolfgang Vichtl, dass die Währung der traditionellen Medien deren Glaubwürdigkeit sei. Michael Husarek zog aus den Ereignissen im Jahre 2016 den Schluss, dass sorgsam mit der medialen Berichterstattung umzugehen sei, denn die Medien hätten in Zeiten von „Fake News“ und Graswurzel-Reportern eine besonders große Verantwortung, die Menschen mit korrekt recherchierten Informationen zu versorgen.

Kontakt
Leiter: Thomas Reiner
ZA-1: Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Leiter:  Thomas Reiner
Telefon: 089 1258-500
E-Mail: Reiner-T@hss.de