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Wildes Deutschland?!

Über Jahrhunderte hinweg hat der Mensch in Deutschland wilde Tiere gejagt und zurückgedrängt. Bietet die Landschaft Deutschlands heute noch Raum für Wildtiere? Wie kann ein Miteinander von Menschen und Wildtieren gestaltet werden? Die Teilnehmer des Fachforums ABC vom 20. bis 22. Juni 2014 suchten Antworten.

Wild Wonders of Europe/Sergey Gorshkov/WWF

Auf die Suche nach Antworten auf diese Fragen begaben sich die Teilnehmer des Fachforums Agrarwissenschaften/Biologie/Chemie (ABC) vom 20. bis 22. Juni 2014 in Kloster Banz.

Gerhard Schwab, Wildbiologe und Biberbeauftragter Südbayerns

Isabel Küfer

Gerhard Schwab, Wildbiologe und Biberbeauftragter Südbayerns, zeigte am Beispiel des Bibers, wie konfliktreich sich die Wiederansiedlung einer Tierart gestalten kann. Die erfolgreiche Wiederkehr des Bibers in Bayern hat in ihrem Ausmaß viele überrascht. Niemand hatte erwartet, dass sich der Biber in der Kulturlandschaft so gut zurechtfinden würde. Der Biber aber gestaltet aktiv seine Umwelt und passt sie seinen Bedürfnissen an. Die dadurch entstehenden Konflikte mit den Menschen zeigen in den meisten Fällen auf, dass der Umgang mit Gewässern und Ufern überdacht werden müsste.

Dass die Geschichte der Wildtiere immer auch die Geschichte der Menschen ist, zeigt sich auch anhand der Wildschweine. Optimale Umweltbedingungen haben dazu geführt, dass die Wildschweinpopulation in Deutschland seit Jahren rasant angestiegen ist. Die daraus resultierenden Probleme können nur durch die Zusammenarbeit aller Betroffenen gelöst werden, so der Forstwissenschaftler Niels Hahn. 

Ein allzu oft unterschätzte Gefahr sind Zoonosen – Krankheiten, die zwischen Menschen und Tieren übertragen werden können. Dr. Kristin Mühldorfer von der FU Berlin stellte die häufigsten Zoonosen in Deutschland vor und sensibilisierte die Zuhörer für mögliche Gefahren. Auch wenn sich Zoonosen beim Umgang mit Wildtieren nie ganz verhindern lassen, bestehe bei vernünftiger und sachgerechter Handhabung aber kein Grund zur Panik.

Exkursion zum Staffelberg

Eva Ritter

Um die Wildnis vor den Toren von Kloster Banz zu entdecken, machten die Seminarteilnehmer eine Exkursion zum Staffelberg – einem der wichtigsten Geotope Bayerns. Die Streuobstwiesen an den Unterhängen und die Magerrasen in den oberen Bereichen machen das Gebiet zwischen Staffel-, Lerchen- und Spitzberg zu einem vielfältigen Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Die zwei Experten vom Landesbund für Vogelschutz wiesen auf die zahlreichen ökologischen Besonderheiten hin. So lauschten die Teilnehmer dem Gesang der Feldlerche, beobachteten die Flugkünste des Baumpiepers und bewunderten die Schönheit der Tagfalter. Am Wegesrand erblickten sie den Kreuzenzian, genauso wie die Karthäusernelke und den Klappertopf. Am Plateau des Staffelberges konnte schließlich eine grandiose Rundumsicht genossen werden.

Nicht alle Tierarten sind jedoch so unauffällig und klein wie der vom Aussterben bedrohte Sandlaufkäfer am Staffelberg. Auch Bär, Luchs und Wolf streifen inzwischen wieder durch unsere Landschaft. Je größer jedoch die Wildtiere sind, umso größer sind die Bedenken. Die Wildtiere begeben sich in ein Spannungsfeld zwischen Freude, Angst und Konkurrenzdenken. Durch ihre Lebensweise kommen diese Tierarten in Konflikt mit Nutzungsansprüchen von Landwirtschaft, Forst, Jagd und anderen Interessensgruppen. Ein Ausgleich zwischen allen Akteuren herzustellen ist indes nicht einfach, wie Janosch Arnold von WWF Deutschland berichtete. Daher gehe es im Wildtiermanagement in erster Linie nicht um das Management von Wildtieren, sondern vielmehr um das Management von Menschen. In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Wildtieren. Aber es gibt keine Wildnis mehr in Deutschland. Die Herausforderung des Wildtiermanagements ist daher das Zusammenleben von Menschen und Wildtieren in einer Kulturlandschaft zu gestalten.

Eva Ritter