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Digitale Zukunft
Wird das Bargeld verschwinden?

Geht es nach Deutsche Bank Chef John Cryan, dann ist Bargeld teuer, ineffizient und intransparent, kurz ein Relikt der analogen Vergangenheit. Seine Forderung, das Bargeld mittelfristig abzuschaffen klingt jedoch gerade in Zeiten der historischen Null-Zins-Politik der EZB weit hergeholt, die den deutschen Sparer nach Informationen der FAZ bislang über 400 Milliarden Euro gekostet hat. Fordern müsse man dies allerdings auch gar nicht, sagt Finanz-Experte Prof. Dr. Gerald Mann. Der Prozess hat bereits begonnen. Drei Gründe warum das Bargeld verschwinden wird.

Noch vor zwei Jahren hätte die überwältigende Mehrheit der Zeitgenossen das Verschwinden des Bargeldes für hypothetisch gehalten. Doch ein Blick nach Schweden zeigt, dass eine solche Entwicklung sehr wohl im Bereich des Möglichen liegt. Dort ist die Nutzung von Scheinen und Münzen schon stark zurückgedrängt. Es wirken drei Triebkräfte auf ein Ende des Bargeldes hin:

John Cryan: "Cash ist unglaublich ineffizient und teuer".

John Cryan: "Cash ist unglaublich ineffizient und teuer".

Erstens:

Ökonomische Effizienz, also sinkende Transaktionskosten durch bargeldloses Zahlen. Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, prognostizierte Anfang 2016 das Verschwinden des Bargeldes: „In zehn Jahren wird es keinen Bedarf für Bargeld mehr geben. Cash ist als Zahlungsmittel unglaublich ineffizient und teuer“. Und tatsächlich ist bargeldloses Zahlen kostengünstiger. Verbraucher merken das (bislang) nicht. Aber die Händler berechnen die Bargeldkosten (Kassensysteme, Zählen, Transporte etc.) in die Produktpreise mit ein. Also ist es vordergründig (noch) egal, ob ich bar oder mit Karte bezahle. Doch nachdem die Gebühren gesunken sind, die vom Handel an die Anbieter von Kartenzahlungen zu entrichten sind, werden Händler früher oder später versuchen, die verbliebenen Bargeldzahler an den höheren Kosten für diese Zahlungsart zu beteiligen. Das kontaktlose Zahlen verstärkt diesen Trend: hier genügt es die Karte am Gerät vorbeizuziehen – ein zeitaufwändiges und fehleranfälliges Einführen der Karte in das Lesegerät und eine ebensolche Eingabe einer PIN sind bei Beträgen bis 25 Euro nicht mehr nötig. Elektronisches Zahlen ist also kostengünstiger – und das werden die Verbraucher früher oder später spüren, weil sie durch Anreize zum bargeldlosen Zahlen animiert werden. Was bei einem Stromausfall und/oder einer Cyperwar-Attacke passiert, mag man sich allerdings lieber nicht ausmalen.

Zweitens:

Die Anbieter von bargeldlosem Zahlen, Banken, Kreditkartenanbieter und sonstige Zahlungsverkehrsdienstleister, können durch Verdrängung des Konkurrenten Bargeld ihre Gewinne steigern. Schlimmstenfalls könnten sie sogar kartellartige Vermachtungsstrukturen zu Lasten der Verbraucher entwickeln. Somit haben die Anbieter von bargeldlosem Zahlen einen Anreiz, dass ihre Form sich verstärkt durchsetzt. Sie werden den Handel zu ihrem Verbündeten machen, der seinerseits seine Kosten reduzieren will.

Höhere Gewinne für Banken, Kreditkartenanbieter und Zahlungsverkehrsdienstleister durch Abschaffung des Bargelds

Höhere Gewinne für Banken, Kreditkartenanbieter und Zahlungsverkehrsdienstleister durch Abschaffung des Bargelds

Drittens:

Angesichts der Kämpfe gegen Terrorismus, organisierte Kriminalität, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit sowie von Teilen der Politik beabsichtigter Vermögensabgaben und –steuern gibt es – ungeachtet der aus Fachkreisen angezweifelten Sinnhaftigkeit – auch polit(ökonom)ische Interessen an einer Zurückdrängung des Bargeldes. Zumal quasi nebenbei der dann völlig gläserne Bürger entstünde. Da jedoch die Abschaffung des Bargeldes auf politische Widerstände treffen wird, werden die Gegner des Bargeldes in der Politik sein Ende nicht offen fordern. Und sie müssen es auch nicht, denn die o. g. Triebkräfte eins und zwei gehen ohnehin in die aus ihrer Sicht gewünschte Richtung.

Fazit: John Cryan dürfte Recht behalten. Das Bargeld wird mit hoher Wahrscheinlichkeit verschwinden.

FOM; FOM; FOM München

Der Autor

Professor Dr. Gerald Mann lehrt Volkswirtschaftslehre an der privaten FOM Hochschule in München und ist Koautor des 2015 erschienenen Sachbuches „Bargeldverbot“. Er steht auch als Referent für die Hanns-Seidel-Stiftung zu diesem Thema zur Verfügung.

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