Print logo

Aufgaben der Kommunalpolitik
Wirtschaft und der Mittelstand

Autor: Thomas Reiner

Idyllische Lage und historischer Altstadtkern sind noch kein Argument als Fachkraft in eine Stadt zu ziehen. Arbeit und Infrastruktur für Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Familien sind Voraussetzungen für einen attraktiven Standort, dann profitiert auch die Kommune. Der Mittelstand spielt eine Schlüsselrolle.

  • Unternehmen halten und neue gewinnen
  • Standortfaktoren verbessern
  • Für den Mittelstand sorgen
     
Nachhaltige Wirtschaftpolitik in den Kommune erfordert langfristige Planung und die Berücksichtigung vieler verschiedender Belange und Interessen.

Nachhaltige Wirtschaftpolitik in den Kommune erfordert langfristige Planung und die Berücksichtigung vieler verschiedender Belange und Interessen.

Harleys boy; CC0; Pixabay

Weshalb Unternehmen in der Kommune wichtig sind

Für die allermeisten Bürgerinnen und Bürger ist ein sicheres Einkommen entscheidend, damit die Ausgaben für sich und die Familie auch gedeckt werden können. Entscheidend ist zudem die Höhe dieser Ausgaben in der jeweiligen Kommune: denn das sicherste Einkommen hilft auch dann nichts, wenn es sofort wieder restlos für den Lebensunterhalt aufgebraucht werden muss. Gerade in Ballungszentren mit hohen Mieten ist dies eine zunehmende Herausforderung.

Das sichere Einkommen für die Bürgerinnen und Bürger in einer Kommune wiederum hängt davon ab, ob sie einen Arbeitsplatz finden. Erwerblose kommen nur dann wieder in eine Beschäftigung, wenn neue Arbeitsplätze geschaffen werden – und das alles wiederum hängt von der Wirtschaftspolitik einer Kommune ab. Außerdem gilt: Je mehr Unternehmen, umso mehr Arbeitsplätze und letztendlich mehr Steuereinnahmen für die Kommune. Abgesehen davon sind regionale Firmen auch in anderen Bereichen ein Gewinn: Oft engagieren sie sich gesellschaftlich vor Ort, binden das Wissen der Unternehmer und Arbeitnehmer an die Region und knüpfen Netzwerke zwischen sich und anderen Firmen (regional, überregional und international). Im Hinblick auf neue Technologien können Start-Ups zum Innovationsmotor einer Stadt werden.

Voraussetzung für die Ansiedlung von Unternehmen sind gute Standortfaktoren wie potenzielle Arbeitskräfte vor Ort, gute Verkehrsanbindungen, Gewerbeflächen, digitale und soziale Infrastruktur, wie z.B. Schulen, Kindergärten und nicht zuletzt bezahlbarer Wohnraum.

Ansiedlung neuer Unternehmen, Bestandspflege bestehender Unternehmen, Förderung von Existenzgrundlagen und die Verbesserung von Standortfaktoren (z. B. der Verkehrssituation) sind also für die kommunale Wirtschaft entscheidend.

Der Mittelstand ist ein wichtiger Arbeitgeber

Die sichersten und meisten Arbeitsplätze stellt der Mittelstand. Das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn hat ermittelt, dass im Jahr 2017 in Deutschland im Unternehmenssektor rund 29,5 Mio. Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. 57,9% von ihnen (rd. 17,5 Mio.), waren im Jahr 2017 in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) tätig. Die Großunternehmen beschäftigten im gleichen Jahr insgesamt rd. 12,7 Mio. sozialversicherungspflichtig-Beschäftigte (Anteil an allen Unternehmen von 42,1%), siehe Institut für Mittelstandsforschung.

Es sind also in erster Linie die Kleinstunternehmen sowie kleine und mittlere Firmen (KMU), die für Beschäftigung in Deutschland sorgen.

KMU

Kleinstunternehmen: bis 9 Beschäftigte und bis 2 Millionen € Umsatz/Jahr

Kleine Unternehmen: bis 49 Beschäftigte und bis 10 Millionen € Umsatz/Jahr und kein kleinstes Unternehmen

Mittleres Unternehmen: bis 249 Beschäftigte und bis 50 Millionen € Umsatz/Jahr und kein kleinstes oder kleines Unternehmen

Quelle: Institut für Mittelstandsforschung

Die Kommune muss für den Mittelstand sorgen

Weil der Mittelstand so wichtig ist, muss nachhaltige Kommunalpolitik für den Mittelstand in der Kommune sorgen, Gewerbe in der Kommune halten und neu ansiedeln.

Am wichtigsten ist es, die Standortfaktoren zu optimieren (s.o.). Zudem können Gemeinden eine umfassende Beratung anbieten. So gibt es vielfältige Fördermöglichkeiten auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene. Die Suche, welche davon für das einzelne Unternehmen in Frage kommen und die Beantragung einer Förderung ist oft komplex. In den Bereichen Energie, Digitalisierung und Finanzen (z.B. Darlehen bzw. Finanzierungsangebote der örtlichen Sparkasse) gibt es Beratungsbedarf, den die Kommune mit entsprechenden Beratungsangeboten decken kann.

Die Kommune sollte, wenn nötig, den Aufbau und die Pflege eines Netzwerks aller Mittelständler in der Region unterstützen, sei es durch die Organisation von regelmäßigen Treffen oder die Vermittlung von Kontakten. Bei der Suche nach neuen Arbeitskräften kann die Kommune ebenfalls mit ihren Netzwerken helfen.

Für den Mittelstand sorgen, kann aber auch heißen, dass Prioritäten bei der Förderung von Branchen gesetzt werden müssen, um langfristig die größten Vorteile für die Kommune zu gewinnen.

Kontakt
Leiter: Thomas Reiner
Referat I/2: Onlineredaktion/Internet
Leiter:  Thomas Reiner
Telefon: 089 1258-500
E-Mail: Reiner-T@hss.de