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Zeitenwende in Venezuela

Zweieinhalb Jahre sind seit dem Tod des Staatspräsidenten Hugo Chávez, dem charismatischen Übervater der „Bolivarischen Revolution“ vergangen. Der Chavismus hatte mit Hugo Chávez seine Identifikationsfigur und sein Zentrum verloren und steckt inzwischen in einer tiefen Legitimitätskrise.

Zweieinhalb Jahre sind seit dem Tod des Staatspräsidenten Hugo Chávez, dem charismatischen Übervater der „Bolivarischen Revolution“ vergangen. Der Chavismus hatte mit Hugo Chávez seine Identifikationsfigur und sein Zentrum verloren und steckt inzwischen in einer tiefen Legitimitätskrise.

Chávez‘ Nachfolger Nicolás Maduro führt das Land auf dem eingeschlagenen Weg zum „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ unbeirrt weiter, verliert aber immer mehr die Zügel aus der Hand. Wochenlange landesweite Proteste gegen die Regierung mit 43 Toten markierten Anfang 2014 die Amtszeit der neuen Regierung unter Maduro und spiegeln die gesellschaftliche Polarsierung.

Duch den Verfall des Ölpreises leidet das Land unter den tiefgreifenden Auswirkungen einer ideologisch geprägten, ökonomische und mathematische Realitäten ausblendenden Wirtschafts- und Finanzpolitik. Die Inflation ist mit bis zu 190 Prozent die höchste weltweit, das Land erlebt das zweite Jahr einer schweren Rezession. Seit mehr als zehn Jahren befindet sich Venezuela in einer politisch induzierten Spirale der Deindustrialisierung und setzt ausschließlich auf Erdöl, das rund 95 Prozent aller Exporteinnahmen generiert. Ein sehr hoher Anteil der Versorgungsgüter muss gegen Devisen importiert werden. Der dramatische Sturz der Erdölpreise trägt wesentlich dazu bei, dass das Land am Rande des Staatsbankrotts steht. Es herrscht Devisenmangel. Nachrichtensendungen in aller Welt berichten über die Warenverknappung und die leeren Regale in Venezuela.
Fehlendes Toilettenpapier lädt außenstehende Beobachter zum Kopfschütteln und Schmunzeln ein – für die Bürger Venezuelas sind diese Zustände traurige Realität.

Vor dem Hintergrund dieses Krisenszenarios waren bei den Parlamentswahlen am 6. Dezember 2015 rund 19,5 Millionen Wahlberechtigte zur Wahl der 167 Mitglieder der Nationalversammlung aufgerufen. Und die Bürger kamen in diesen Zeiten der Krise in Scharen. 

Der ausführliche Bericht: "Zeitenwende in Venezuela – Opposition gewinnt absolute Mehrheit bei Parlamentswahlen"

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Leiter: Prof. Dr. Klaus G. Binder
Referat V/4: Lateinamerika
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