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Zwischen Unabhängigkeit und Selbstmarketing

„Irgendwann hat es Klick gemacht. Und dann habe ich gekündigt.“ Freiberufler Stefan von Adrian kann sich noch genau an den Moment erinnern, in dem er beschlossen hat, künftig selbstständig zu arbeiten. Und er bereut nichts. Drei Dozenten teilten vom 21. bis 23. März 2014 ihre Erfolgsgeheimnisse mit Stipendiaten des journalistischen Förderprogramms.

„Freiberuflichkeit ist kein Beruf, sondern eine Lebenseinstellung.“

„Freiberuflichkeit ist kein Beruf, sondern eine Lebenseinstellung.“

Isabel Küfer

Freiberufler sind Umfragen zufolge glücklicher als festangestellte Journalisten. Ortsunabhängiges Arbeiten, flexible Zeiteinteilung und kreativer Freiraum – das klingt verlockend, auch für die meisten Teilnehmer des JFS-Seminars „Erfolgreich als freier Journalist“. Aber schnell wird den Nachwuchsjournalisten klar: Einfach ist es nicht. Ganz im Gegenteil: Wer nicht mit durchdachtem Konzept an die Sache rangeht, ist praktisch schon zum Scheitern verurteilt. 26.000 Freiberufler zählt der Deutsche Journalistenverband im Jahr 2012, aus dieser Menge herauszustechen ist die große Kunst der erfolgreichen Selbstständigkeit.

Drei Dozenten teilen vom 21. bis 23. März 2014 ihre Erfolgsgeheimnisse mit dem journalistischen Nachwuchs der HSS. Markus Kaiser sieht in seiner Funktion als Geschäftsführer beim Mediencampus Bayern zahlreiche junge Medienmacher den Berufseinstieg wagen. Aus seinen Beobachtungen zieht er Schlussfolgerungen wie etwa Zehn Gebote des Selbstmarketings für Freiberufler: Bloggen, eine eigene Website aufsetzen und ein Buch schreiben gehört dazu, denn schlussendlich geht es darum, in die Köpfe der potenziellen Auftraggeber zu gelangen. Vor allem das Blog ist mittlerweile unverzichtbar geworden, fungiert es doch als Schaufenster des heutigen Journalisten. Wichtig dabei ist jedoch, keinen redaktionellen Gemischtwarenladen zu betreiben – wer sich auf ein oder zwei Schwerpunktthemen spezialisiert, fährt auf Dauer besser. Unique Selling Proposition, kurz „USP“, lautet der Fachbegriff aus dem Marketing. Und genau das ist der Knackpunkt: Als freiberuflicher Journalist muss man zu einer unverwechselbaren Marke werden, um aus der Masse herauszustechen und Aufträge an Land zu ziehen.

Doch mit der richtigen Positionierung am Markt sind noch längst nicht alle Schwierigkeiten überwunden. Christian Jakubetz spricht ebenfalls aus Erfahrung wenn er sagt: „Man ist als Freiberufler nicht nur Journalist, man ist Unternehmer.“ Ohne betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse und klar definiertes Geschäftsmodell geht es nicht. Denn anders als bei einem Nine-to-Five-Job gilt es als Selbstständiger, sich die Arbeit selbst zu suchen – und einzuteilen. Nicht nur die eigentlichen Aufträge kosten Zeit, sondern auch Kundenakquise, Networking und Bürokram. Feierabend muss man sich also bald schon selbst zwangsverordnen, denn theoretisch gibt es immer etwas zu tun. Oder wie Stefan von Adrian feststellt: „Freiberuflichkeit ist kein Beruf, sondern eine Lebenseinstellung.“

Spätestens bei den unvermeidlichen Themen wie Versicherungen, Steuern und Altersvorsorge rauchen den Nachwuchsjournalisten im Seminar die Köpfe. Ein geregelter Nine-to-Five-Job schaut da für viele plötzlich gar nicht mehr so unattraktiv aus. Ein Ergebnis kristallisiert sich heraus: Für den freiberuflichen Journalismus muss man irgendwie der Typ sein. Wenn man dann noch unternehmerisches Denken, Originalität und Selbstdisziplin in sich vereint, kann man es schaffen – und auch alle Vorteile der Unabhängigkeit auskosten.

Text: Miriam Zöllich

Das Journalistische Förderprogramm für Stipendiaten (JFS) bietet Studierenden an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) und Universitäten eine studienbegleitende Aus- und Weiterbildung mit praxisbezogenen Seminaren und Fachtagungen in den Sparten Zeitungs-, Bild-, Onlinejournalismus, Hörfunk und Fernsehen sowie Veranstaltungen zu gesellschaftspolitisch relevanten Themen an. Die Förderung ist nicht an bestimmte Studiengänge gebunden, jedoch sollte bei den Bewerbern als Berufsziel eine spätere Tätigkeit im Bereich der Medien gegeben sein.

Kontakt
Leiterin: Isabel Küfer, M.A.
Referat IV/5: Journalistisches Förderprogramm für Stipendiaten (Uni/HAW), Internationale Studien (Uni), Medizin (Uni), Promotionskollegs, Fachforen
Leiterin:  Isabel Küfer, M.A.
Telefon: 089 1258-354
Fax: 089 1258-403
E-Mail: kuefer@hss.de