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Informationen aus dem Innenminesterium
Bald wieder Jubel in Bayerischen Stadien?

Reiserückkehrer weiterhin im Fokus, Verschwörungstheoretiker und Fake News, die Hotspot-Lage in Bayern und: Fußball hofft wieder auf Jubel in den Stadien.

+++ Stets aktualisierte Informationen zum Thema Corona finden Sie auf dieser eigens geschaltetten Webseite https://www.corona-katastrophenschutz.bayern.de/ +++

Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration - KIM - Kommunales aus dem Innenministerium vom 03. September 2020

  • Tägliche Test seit Juni mehr als verdoppelt
  • Aufstehen gegen Fake News
  • Positivrate stabilisiert sich auf hohem Niveau
  • Reiserückkehrer weiterhin im Fokus
  • Die gute Nachricht 
  • Informationen zu Bayerischen Hotspots
  • Corona und Sport
  • Ex-Polizisten auf Corona-Demo
Herrmann am Rednerpult. Eindringlich.

Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Sport und Integration

Michael Lucan; ©SA 3.0; Wikimedia Commons

Liebe Leserinnen und Leser,

gerne stelle ich an den Anfang des heutigen Newsletters wieder eine Betrachtung der statistischen Zahlen und Daten zur aktuellen Corona-Lage in Bayern. Heute, Donnerstag, 3. September 2020, Stand 08:00 Uhr, verzeichnen wir 58.241 bestätigte COVID-19-Infektionen (Vorwoche 56.332). Das sind im Vergleich zum Donnerstag vor einer Woche 1.909 mehr. Dies bedeutet einen rechnerischen Tagesschnitt von rund 273 Neuinfektionen. Die Vergleichswerte für die beiden vorangegangenen Wochen lagen bei 312 bzw. 245. Diese Zahlenreihe deutet somit darauf hin, dass sich mittlerweile ein statistisches Plateau bei ca. 300 Neuinfektionen pro Tag gebildet hat. Diese Annahme wird auch durch den heutigen Tageswert gestützt, der bei 325 liegt. Sollte sich diese Entwicklung in den nächsten Wochen auch unter dem Eindruck eines weiter verstärkten Infektionsaufkommens durch Reiserückkehrer sowie des bevorstehenden Beginns des neuen Schuljahres halten, so könnten wir mit diesem Trend wohl zufrieden sein. Zwar sind 300 Neuinfektionen pro Tag kein Pappenstiel, zumal wir früher im Jahr schon deutlich niedrigere, nur zweistellige Tageszahlen gesehen haben und jede einzelne Erkrankung eines Menschen das Risiko birgt, dass weitere Infektionsketten entstehen oder der einzelne Betroffene vielleicht doch schwerere Symptome ausbildet. Auch wissen wir noch viel zu wenig über mögliche Langzeit- oder Spätfolgen, als dass man eine Infektion auf die leichte Schulter nehmen sollte. Aber immerhin vermittelt die Plateaubildung die positive Erkenntnis, dass aktuell keine von Medizinern und Infektiologen mit Recht gefürchtete exponentielle, gleichsam „explosionsartige“ Ausbreitung des Virus in Bayern zu erwarten ist.

An oder mit einer Corona-Infektion sind in Bayern mittlerweile 2.639 Personen verstorben, das sind im Vergleich zur Vorwoche sechs Sterbefälle mehr.

Tägliche Test seit Juni mehr als verdoppelt

Wie bereits letzte Woche ausgeführt, leuchten viele Tests das Dunkelfeld besser aus, als dies bei einem geringen Testgeschehen der Fall wäre. Und wir testen wirklich fleißig und weiten das Testgeschehen von Tag zu Tag aus. Lag im Juni die Zahl der täglichen Tests im Durchschnitt bei unter 20.000, waren es in der letzten Woche ca. 42.000 Tests nach 38.000 in der vorvergangenen Woche. Der Tagesspitzenwert betrug in der hier in Rede stehenden Woche 50.600 (Vorwoche 48.000) – wohl gemerkt: wir sprechen von Tageswerten. Ich gehe davon aus, dass diese Zahlen in den kommenden Wochen noch weiter ansteigen werden, nachdem bis zum Ende dieser Woche alle Testzentren in den 96 Landkreisen bzw. kreisfreien Städten ihren Betrieb aufgenommen haben werden. In der Folge dessen wird voraussichtlich die absolute Zahl der Neuinfektionen bis auf Weiteres nicht sinken. Denn wir leuchten das Dunkelfeld weiter aus und holen ansonsten unerkannt bleibende, für eine Weiterverbreitung aber gerade deshalb immens gefährliche Infektionsfälle ans Licht.

Aufstehen gegen Fake News

Auch wenn ich dies im Newsletter der letzten Woche schon klargestellt habe, möchte ich unter dem Eindruck zahlreicher werdender Bürgerschreiben, die offenbar von Corona-Skeptikern, Impfgegnern, Esoterikern und Verschwörungsideologen stammen, noch einmal darauf hinweisen: Nein, die Staatsregierung lässt nicht so viel testen, um durch damit einhergehende falsch-positive Tests die Infektionszahlen künstlich hoch zu halten, damit diese dann als Begründung dienen, die Freiheit der Menschen einzuschränken. Derlei Behauptungen sind grober Unfug und entbehren jeder Grundlage. Die von der Staatsregierung verwendeten Tests sind auf dem wissenschaftlich neuesten Stand, zertifiziert und extrem genau. Und noch eines: Tests schaffen keine Infektionen und infizieren auch niemanden, Tests decken allein ohnehin vorhandene Infektionen auf. Ich habe deshalb die herzliche Bitte an Sie: Sollten Sie in Ihrem Verwandten- oder Bekanntenkreis mit derlei Unsinn konfrontiert werde, so scheuen Sie sich bitte nicht dagegenzureden. Sonst bleiben solche Fakenews im Raum stehen und entfalten eine Wirkung auf das Debattengeschehen, die ihnen nicht im Geringsten zustehen.

Positivrate stabilisiert sich auf hohem Niveau

Für die Gesamtbeurteilung der Lage lohnt einmal mehr der Blick auf die Positivrate. Diese sagt aus, wie hoch der Anteil der positiven Testergebnisse an der Gesamtzahl der Tests ist. Beispiel: Werden 100 Proben genommen und von diesen bringen 5 ein positives Testergebnis, ist die Positivrate 5 Prozent.

Für die tatsächliche Corona-Situation zeigt sich auch bei diesem Parameter eine gewisse Stabilisierung auf erhöhtem Niveau. Bewegte sich im Juni die Quote der positiven Befunde aller an einem Tag untersuchten Proben zwischen 0,3 und 0,7 Prozent, lag die Positivrate nach den Feststellungen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im August zwischen 0,9 und 1,7 Prozent. Dies halte ich für eine in der Tendenz gute Nachricht.

Reiserückkehrer weiterhin im Fokus

Schauen wir uns die Hintergründe zu den einzelnen Infektionsfällen genauer an, setzt sich das bereits letzte Woche zu konstatierende Bild fort. Es sind weiterhin vor allem die Reiserückkehrer, die das Infektionsgeschehen dominieren. In der bayernweiten Betrachtung sind es nach wie vor ca. die Hälfte der erkannten Infektionsfälle, die ihren Ausgangspunkt in einem meist urlaubsbedingten Aufenthalt im Ausland haben. In einzelnen bayerischen Landkreisen oder Städten beläuft sich der Anteil der Reiserückkehrer am Infektionsgeschehen sogar auf bis zu 80 Prozent.

Die Orte der Infektion liegen schwerpunktmäßig auf dem Balkan. Dies führt mich zu der Annahme, dass die Reiserückkehrer den Infektionsdruck in den nächsten zwei bis drei Wochen hochhalten werden. Denn erfahrungsgemäß infizieren sich im Ausland nicht nur die klassischen Urlauber aus Deutschland, sondern auch viele Menschen, die in die relevanten Weltregionen gefahren sind, um zahlreiche Verwandte zu besuchen, sich dort üblicherweise mehrere Wochen aufhalten und in der Regel erst gegen Ende der Sommerferien wieder nach Deutschland zurückkehren.

Deshalb werden wir auch am kommenden Wochenende die Teststationen an den Bundesautobahnen A3 bei der Rastanlage Donautal, an der A8 Salzburg-München bei der Rastanlage Hochfelln und an der Inntalautobahn bei der Rastanlage Heuberg mit hohen Kapazitäten betreiben, um möglichst vielen Reiserückkehrern die Möglichkeit zu bieten, sich umgehend nach der Einreise testen zu lassen.

Und auch an einer anderen Stelle finden wir das bekannte Bild einmal mehr bestätigt: Es sind nach wie vor die in ihrem Lebensstil sehr mobilen, feierfreudigen und tendenziell im Vergleich weniger risikobewussten 15 bis 35-Jährigen, die bei den Neuinfektionen statistisch weit überproportional vertreten sind.

Die gute Nachricht 

Nun zu überwiegend erfreulicheren Aspekten. Wieder genesen sind heute amtlich ausgewiesen 51.520 (Vorwoche 49.820) Personen oder 1.700 mehr als vor sieben Tagen. Die Zahl der aktuell mit COVID-19 Infizierten beläuft sich momentan in Bayern auf 4.080 im Vergleich zu 3.880 letzte Woche. Dieser Anstieg hat aber zum Glück kaum Auswirkungen auf die Hospitalisierungszahlen. Diese sind nach wie vor niedrig und damit günstig. Stand heute befinden sich in Bayern 101 Patienten wegen Corona in stationärer Behandlung (Vorwoche 100), von diesen liegen 31 auf einer Intensivstation, von denen wiederum 29 künstlich beatmet werden. Das Gesundheitssystem ist also weiterhin meilenweit davon entfernt, von einem Massenanfall schwer COVID-19-erkrankter Patienten überrollt zu werden.

Die auf den Tag abstellende Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich heute entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts auf R=0,68 (nach R=0,99 in der Vorwoche). Der auf einen Betrachtungszeitraum von sieben Tagen abstellende „geglättete R-Wert“ beläuft sich auf R=0,86 nach R=0,87 in der Vorwoche. Beide Werte zeigen sich insoweit neuerlich deutlich freundlicher, weisen sie doch einen wachsenden Abstand zur entscheidenden Marke von 1,0 aus. Damit genesen statistisch aktuell mehr Menschen, als sich neu mit Corona infizieren.

Informationen zu Bayerischen Hotspots

Lassen Sie mich zum Ende des Zahlenteils noch kurz auf die Hotspot-Lage eingehen. Der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens liegt in seiner räumlichen Verteilung aktuell klar im Süden Bayerns und hier vor allem in den Regierungsbezirken Oberbayern, Schwaben und Teilen Niederbayerns.

Den höchsten Einzelwert verzeichnet aktuell die kreisfreie Stadt Landshut mit einer 7-Tage-Inzidenzrate von 41,43. Zur Erinnerung: Demnach haben sich, statistisch bezogen auf 100.000 Einwohner, in den letzten sieben Tagen in Landshut 41,43 Personen neu mit Corona infiziert. Die niederbayerische Bezirkshauptstadt liegt damit über der Vorwarnstufe von 35, aber noch deutlich unter der roten Linie bei 50, die regelmäßig verschärfte infektionsschutzrechtliche Maßnahmen auslöst.

Die nächstniedrigeren Werte wurden für die Stadt Ingolstadt (35,04), die Landeshauptstadt München (31,87) und die Stadt Rosenheim (31,58) ermittelt. Insoweit haben wir aktuell in Bayern keinen echten Hotspot. Dieser erfreuliche Umstand muss aber vor dem Hintergrund gesehen werden, dass sich das Infektionsgeschehen weiter in die Fläche ausbreitet. Wir haben nur mehr drei Landkreise bzw. kreisfreie Städte, die in den letzten sieben Tagen keinen Fall einer Neuinfektion verzeichnet haben. Und die Zahl der Gebietskörperschaften, deren Werte zwischen 10 und 25 liegen, nimmt deutlich zu. Derzeit fallen 36 Städte und Kreise in diese Kategorie. 

Unter dem Strich kann ich also Folgendes festhalten: Wir dürfen aktuell von einer insgesamt stabilen Infektionslage ausgehen, von Entwarnung kann aber nicht die Rede sein. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich sozusagen zum wiederholten Male wiederhole: Wir müssen weiterhin auf der Hut sein und vorsichtig bleiben, zumal in nächster Zeit mit dem Schulbeginn ein Ereignis bevorsteht, das die Tagesabläufe in vielen Familien ändern und zu einer erheblichen Zunahme potentiell infektionsrelevanter Sozialkontakte führen wird.

Corona und Sport

Themenwechsel. Der Fußball ist in Bayern und Deutschland die Sportart Nummer 1 und so nimmt es nicht Wunder, dass hier der Druck besonders groß ist, einigermaßen zeitnah wieder zu einem ansatzweise geregelten Spielbetrieb zu kommen. So verständlich der Wunsch nach Normalität, Bewegung im Spiel, Wettkampf und Mitfiebern mit der eigenen Mannschaft ist, so wichtig ist es gerade an Orten, die eine Mehrzahl von Menschen im Wettkampf räumlich eng und in euphorischer Stimmung zusammenführen und deshalb erhöhte Infektionsrisiken hervorbringen können, den klaren Blick für das Erforderliche nicht zu verlieren. Im Ergebnis gilt auch hier: Soviel Freiheit wie möglich, soviel Sicherheit wie nötig. Und was für den Fußball gilt, gilt für andere (Mannschaftsball-)Sportarten natürlich auch. 

Ich stehe in einem intensiven Austausch mit den relevanten Akteuren, um die für die Ministerratssitzung am 14. September ins Auge gefasste Entscheidung über eine Aufnahme des Spielbetriebs im Amateurbereich umfassend vorzubereiten und bin guten Mutes, dass wir im konstruktiven Austausch zu einem allen relevanten Belangen des Sports und des Infektionsschutzes gerecht werdenden Ergebnis kommen werden – dies aber immer unter dem Vorbehalt, dass die Infektionslage einen solchen Schritt zulässt.

[…]

Ex-Polizisten auf Corona-Demo

Mein Ärger der Woche bezieht sich auf den Auftritt zweier noch aktiver und eines bereits pensionierten bayerischen Polizeibeamten als Redner bei den Kundgebungen vom vergangenen Wochenende in Berlin, die sich gegen die Corona-Maßnahmen gerichtet hatten. Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Selbstverständlich stehen auch Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten alle bürgerlichen Grundrechte zu und es ist das gute Recht eines jeden und einer jeden, die persönliche Meinung öffentlich zu vertreten – dies auch als Redner und sei die Argumentation noch so ungewöhnlich, schräg oder schlicht. Für Polizeibeamte gilt dies jedenfalls so lange, wie die beamtenrechtliche Pflicht zur Mäßigung und andere gesetzliche Anforderungen gewahrt bleiben.

Was mich aber an diesem Fall wirklich stört, ist, dass diese Beamten ihre private Meinung nicht etwa nur als solche kundtun, sondern diese ganz gezielt, wiederholt und prominent in den Kontext ihres Polizeiberufes stellen. Dies hat natürlich Kalkül. Man „kapert“ den weit über Bayern hinaus hervorragenden Ruf der Bayerischen Polizei und das große Vertrauen, das diese in der Bevölkerung genießt. Man ummantelt die eigene, für viele Menschen nachvollziehbar faktenfern erscheinende Position mit dem herausragenden Ruf der Polizei, um so von der inhaltlichen Schwäche der vermeintlichen Argumentationslinie abzulenken. Man schmückt sich mit fremden Federn, um gerade bei potentiell verunsicherten Menschen Eindruck zu schinden und die eigene Meinung mit einer Legitimation zu versehen, die aus der Schwäche der eigenen Argumente niemals erwachsen könnte. Auf so unlautere Weise ausgenutzt und benutzt zu werden, das hat die Bayerische Polizei und das haben vor allem ihre über 40.000 Bediensteten nicht verdient. Sie stehen für Seriosität, faktenbasiertes Arbeiten und Neutralität in der Dienstverrichtung.

Mit besten Grüßen & wir fahren weiter auf Sicht!

Ihr

Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister

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Leiter: Thomas Reiner
Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Leiter:  Thomas Reiner
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E-Mail: Reiner-T@hss.de