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Zum 60. Todestag Hanns Seidels
Aufbruch in eine neue Zeit: CSU-Vorsitzender, Ministerpräsident und Namensgeber

Hanns Seidel hatte alles andere als einen leichten Start ins Leben: Mit gerade mal sieben Jahren verlor er seinen Vater. Zusammen mit fünf Geschwistern wuchs er anschließend im heutigen Aschaffenburger Stadtteil Schweinheim in Armut auf. Doch dies hielt ihn nicht davon ab, sich für seine Werte und Weltanschauung einzusetzen und schließlich 1955 CSU-Vorsitzender und 1957 Bayerischer Ministerpräsident zu werden. Die Hanns-Seidel-Stiftung gedenkt zum 60. Todestag ihres Namensgebers.

  • Weg in die Politik
  • Schwieriges Leben im Dritten Reich
  • Politik in der neuen Bundesrepublik
  • Demokratie als politischer Ankerpunkt

Nach einer streng katholischen Erziehung und Ausbildung begann Franz Wendelin, genannt Hanns, 1921 sein Jurastudium in Würzburg. Finanzieren musste er sich dabei selbst – sei es als Zigarettenverkäufer, Nachhilfelehrer oder aber Bergwerkarbeiter. Hanns Seidel war bereit einiges auf sich zu nehmen, um seinen Traum, sich für die Gerechtigkeit einzusetzen, wahr werden zu lassen. Mit großen Anstrengungen und Opfern gelang es ihm sogar, Semester in Freiburg und Jena zu absolvieren. Sein Studium formte ihn auch auf andere Weise: Nach erfolgreicher Promotion und Zulassung als Rechtsanwalt lernte er – nun als Teil der gehobenen Schicht der Gesellschaft – seine zukünftige Frau Ilse kennen, mit der er zwei Söhne großzog.

Hanns Seidel setzte sich besonders für die politische Bildung ein.

Hanns Seidel setzte sich besonders für die politische Bildung ein.

ACSP

Weg in die Politik

Die 1930er Jahre waren eine Zeit des Umbruchs und der politischen Polarisierung, die auch am jungen Rechtsanwalt Seidel nicht spurlos vorüberging. Wie schon zuvor stand hierbei sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn im Mittelpunkt. So fiel er 1930 zum ersten Mal politisch auf, als er sich bei einer Versammlung der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes entschlossen gegen die Nationalsozialisten stellte. Wenig später trat er dann der Bayerischen Volkspartei bei – ganz im Sinne seiner katholischen Erziehung und Heimatverbundenheit – und kandidierte schon bald für den Aschaffenburger Stadtrat. Er wollte sich so für Land und Leute einsetzen und die stärken, die Hilfe brauchen, ganz so wie er es selbst in seiner Kindheit erfahren musste.

Schwieriges Leben im Dritten Reich

Doch dies verhinderte die Machtübernahme der Nationalsozialisten und die darauffolgende Gleichschaltung. Statt engagiertes Stadtratsmitglied wurde Hanns Seidel nun Ziel von persönlichen Angriffen der NSDAP. Da er sich außerdem für zahlreiche jüdische Mitbürger in seiner Funktion als Anwalt eingesetzt hatte, verfolgte ihn die Gestapo. 1933 wurde er bei einer bayernweiten Aktion festgenommen und entrann einer Einlieferung ins Konzentrationslager Dachau nur knapp. Hanns Seidel konnte nach Litauen fliehen und so lange bei Familienangehörigen unterkommen bis sich die Lage entspannt hatte. Doch schon bald zog es ihn zurück in seine Heimat und so kehrte er trotz öffentlicher Anprangerung als „undeutscher Judenfreund“ im Progragandaheft „Der Stürmer“ nach Aschaffenburg zurück. Wieder zurück in Bayern musste er zum Schutz seiner Familie und seiner selbst auf direkte Konfrontationen verzichten und NS-Organisationen wie dem Reichsluftschutzbund beitreten. 1940 zog die Wehrmacht Seidel ein, woraufhin er bis Kriegsende in der Panzerdivision in Russland kämpfte.

Politik in der neuen Bundesrepublik

Nach dem Krieg fand sich Hanns Seidel im schwer zerstörten Aschaffenburg. Es gelang ihm, an den Beginn seiner politischen Karriere aus der Weimarer Zeit anzuknüpfen und für die neu gegründete Christlich-Soziale Union den Landratsposten zu erringen. Als er 1946 Teil der Verfassunggebenden Landesversammlung wurde und aktiv an der bayerischen Verfassung mitarbeitete, zeigten sich erneut seine christlichen Werte und sein stark ausgeprägter moralischer Kompass: Energisch setzte er sich für die Stärkung der Demokratie und die Eigenständigkeit der Bürgerinnen und Bürger ein. Das „Untertanengefühl“ der vergangen Nazi-Diktatur hatte seiner Meinung nach keinen Platz mehr in der neuen Bundesrepublik. In den folgenden Jahren ging es mit Seidels politischer Karriere steil bergauf: stellvertretendes Mitglied des Ältestenrates der Union, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Mitglied des Länderrates des Vereinigten Wirtschaftsgebietes, Sprecher der Opposition im Landtag und schließlich Parteivorsitzender der CSU ab 1955 sowie Ministerpräsident des Freistaates von 1957 bis 1960.

Ministerpräsident und Parteivorsitzender der CSU: Hanns Seidel war einer der wichtigsten und einflussreichsten Politiker der jungen Bundesrepublik. Er formte die Christlich-Soziale Union und gestaltete so das Bild der Partei mit. Im Gedanken an sein politisches und soziales Engagement wurde unsere Stiftung nach ihm benannt. Dieses Jahr jähren sich gleichzeitig der 120. Geburts- und 60. Todestag unseres Namensgebers Hanns Seidel (1901-1961).

Markus Ferber, MdEP und HSS-Vorsitzender, würdigt den Namensgeber der Stiftung mit den Worten: 

"Hanns Seidel hat wie kaum ein anderer in wenigen Jahren den bayerischen Staat durch die Kraft seiner Persönlichkeit geprägt. Er war nicht nur ein Mann der praktischen Politik und ein offensiver Oppositions- und Parteipolitiker, sondern vor allem ein weitblickender Stratege, ein Staatsmann, dem das Wohl des Gemeinwesens als Ganzes am Herzen lag!"

Am 60. Todestag von Namensgeber Hanns Seidel hat der Stiftungsvorsitzende Markus Ferber, MdEP, im Beisein von Mitgliedern der Familie Seidel am Ehrengrab auf dem Westfriedhof München einen Kranz niedergelegt.

Ferber erinnerte an die prägende Persönlichkeit Seidels, der als „weltoffen, christlich, liberal und konservativ“ beschrieben wird, kein Vertreter nur einer Interessensgruppe war, sondern als Mann des Ausgleichs galt.

Gerade politische Bildung lag ihm besonders am Herzen. Hanns Seidel bekannte 1956 in einer Rede im Bayerischen Landtag, dass „wir gezwungen sind, uns immer mehr […] mit den Angriffen von rechts und links gegen dieses System zu beschäftigen“ und ergänzte „wie sehr wir noch von politischer Bildung entfernt sind." Diese Worte besitzen über sechs Jahrzehnte später noch volle Gültigkeit. Der Name Hanns Seidel verbürgt auch heute noch über die nach ihm benannte Stiftung für politische Bildung, um Angriffe von rechts und links gegen die Demokratie abzuwehren.

HSS Vorsitzender Markus Ferber, MdEP (re.) mit Hanns Seidels Urenkel Maximilian, Enkelin Dr. Stephanie Hoh (geb. Seidel), Sohn Prof. Christian Seidel und Stiftungs-Generalsekretär Oliver Jörg nach der Kranzniederlegung bei dem Ehrengrab in München.

HSS Vorsitzender Markus Ferber, MdEP (re.) mit Hanns Seidels Urenkel Maximilian, Enkelin Dr. Stephanie Hoh (geb. Seidel), Sohn Prof. Christian Seidel und Stiftungs-Generalsekretär Oliver Jörg nach der Kranzniederlegung bei dem Ehrengrab in München.

Verena Kienast/HSS

Demokratie als politischer Ankerpunkt

Nach wie vor blieben Gerechtigkeit, Demokratie, Verantwortung und Vertrauen in die Bürgerinnen und Bürger die Grundelemente seines politischen Programms. Hanns Seidel setzte sich stets für den Föderalismus ein, gleichzeitig aber auch für das Gelingen einer Verständigung zwischen Ost und West. Ein weiterer wichtiger Kernbestandteil seines politischen Bestrebens war die Bildung und der Wunsch mündige Staatsbürger heranzuziehen und somit die Demokratie in den kommenden Jahrzehnten weiter zu stärken und aufrechtzuerhalten. Dementsprechend wichtig war ihm die politische Bildung: So war er beispielsweise Teil des Kuratoriums der Akademie für politische Bildung in Tutzing. Um diesen Bestrebungen ein Andenken nach seinem frühen Tod 1961, der auf eine schwerwiegende Erkrankung zurückzuführen war, zu setzen, wurde die parteinahe Stiftung der CSU 1967 nach Hanns Seidel benannt. Unser Motto lautet „Im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung“, gleichzeitig wäre dies auch eine passende Überschrift für das Leben Hanns Seidels.

Fotos von Hanns Seidel