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Heilige Zeiten - Welche religiösen Feste feiern Menschen in Deutschland?
Teil IV: Das jüdische Wochenfest "Shavuot"

Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens gelingt umso besser, je mehr wir voneinander wissen. In einer kleinen Reihe wollen wir Unwissen mit Wissen begegnen und neugierig machen auf verschiedene Feste, die in Deutschland gefeiert werden. Heute: Shavuot

Junge Mädchen tanzen in einem abgeernteten Weizenfeld.

In einem Weizenfeld in Israel feiern Mädchen den Jüdischen Feiertag „Shavuo“ (Shavuot). Dafür tragen sie die ersten geernteten Ähren in den Kibbutz Gevim. Im jüdischen Glauben ist Shavuot der drittwichtigste Feiertag.

chameleonseye; ©HSS; IStock

Von Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., wird der Satz überliefert: „Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.“ Ausdruck dieser vielen Wege ist eine bunte Vielfalt religiöser Feste, die Menschen auf ihren Wegen zu Gott in ihren jeweiligen religiösen Gemeinschaften feiern. Auch bei uns in Deutschland, hier in Bayern.

Nun ist das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens keine Selbstverständlichkeit. Das zeigt ein Blick in viele Länder dieser Erde. Es wird aber auch deutlich, dass das friedliche Zusammenleben besser gelingt, wenn mehr Menschen über den Glauben anderer Bescheid wissen. Denn Unwissenheit weckt Angst und schürt Vorurteile.

Dem will die Hanns-Seidel-Stiftung vorbeugen, in dem sie in loser Folge religiöse Feste vorstellt und erklärt, was und warum es gefeiert wird. Dafür haben wir Vertreter der verschiedenen Glaubensrichtungen gebeten, uns von ihren Festen zu erzählen.

Im vierten Teil unserer Reihe über religiöse Feiertage geht es um das jüdische Wochenfest, auch "Shavuoz" genannt.

"Es gibt den Brauch, am ersten Abend von Shavuot bis in den Morgen wach zu bleiben und Thora zu lernen."

Von Sonnenuntergang am Sonntag, den 16. Mai bis zum Sonnenuntergang am Dienstag, den 18. Mai, feiern Jüdinnen und Juden rund um den Globus in diesem Jahr das Fest Shavuot. Was genau gefeiert wird und wie sich das Fest gestaltet, erklärt uns der jüdische Student David, Absolvent des Leadership-Programms YouthBridge der Europäischen Janusz Korczak Akademie e.V.:

Ein junger Mann mit Kippa schaut freundlich in die Kamera

Der 20jährige David kommt ursprünglich aus der Ukraine und studiert Informatik an der Technischen Universität München. Ab 2018 hat er am Projekt der Europäischen Janusz Korczak Akademie e.V. teilgenommen, einem zweijährigen Leadership-Programm für Jugendliche unterschiedlichster Herkunft, Muttersprache und Religion.

David

„Der jüdische Feiertag Shavuot ist neben Pessach und Sukkot eines der drei Wallfahrtsfeste im Judentum. Es wird von Juden weltweit zwei Tage lang gefeiert. Übersetzt aus dem Hebräischen heißt Shavuot „Wochen”. Deshalb heißt es auf Deutsch auch das „Wochenfest“. Der Hintergrund ist, dass wir dieses Fest sieben Wochen, also insgesamt 49 Tage, nach Pessach, dem Fest des Auszugs aus Ägypten, feiern. Diese siebenwöchige Zeitspanne wird die Omer-Zeit genannt und ist eine Zeit der Trauer. Shavuot stellt das Ende dieser sieben Wochen dar und ist ein Fest der Freude.

An Shavuot erhielten wir die Thora, unser Regelwerk mit den Geboten und Verboten, am Berg Sinai. Aus diesem Grund geht man auch in die Synagoge, um an diesem Feiertag die zehn Gebote, vorgelesen aus der Thora-Rolle, zu hören. Die Synagoge (und ab und zu auch das eigene Zuhause) werden zu diesem Anlass mit Blumen und Pflanzen geschmückt, denn der Berg Sinai blühte damals, obwohl er mitten in der Wüste war. Es ist auch üblich, milchige Speisen, wie zum Beispiel Eiscreme oder Käsekuchen, zu essen, weil die Juden zu dem Zeitpunkt, als sie die Thora erhielten, kein Vieh geschlachtet haben und von daher kein Fleisch, sondern stattdessen Milchiges aßen.

Ein anderer Brauch ist es, am ersten Abend von Shavuot bis in den Morgen wach zu bleiben und Thora zu lernen. Ich selbst habe ein paar Mal bei uns in der Gemeinde mitgemacht. Um ehrlich zu sein, fällt es einem gegen Ende allerdings schwer, die Augen offen zu halten."

Das Fest Shavuot wird weltweit von rund 15 Millionen Menschen gefeiert.

Kontakt
Leiter: Dr. Philipp W. Hildmann
L3: Kompetenzzentrum Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Interkultureller Dialog
Leiter:  Dr. Philipp W. Hildmann
Telefon: 089 1258-492
E-Mail: hildmann@hss.de