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„Religion Matters“ – die interreligiöse Interviewreihe mit Führungspersönlichkeiten der Weltreligionen
Teil VI: Kein Hass – nur Mitleid

Welche Antworten bietet der Glaube in schwierigen Zeiten? Im Interview mit hohen Religionsvertretern fragen wir, wie die verschiedenen Religionen und Konfessionen mit den Problemen der Gegenwart umgehen und was wir voneinander lernen können. Heute mit dem Bischof der Kopten in Deutschland, Anba Damian.

Die Corona-Pandemie hat die globalen Lebensadern und ihre Gesellschaften an ihrer Achillesverse getroffen. Sie stellt Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion und Gesellschaft in einem ohnehin schon bestehenden Zeitalter wachsender Unsicherheiten vor ungeahnte Herausforderungen.

Der Bischof segnet eine junge Frau in prächtigem Ornat offenbar in einer orthodoxen Kirche mit alten Mosaiken an der Wand

"Ich wünsche mir, dass wir miteinander in Frieden leben, dass wir einander respektieren und einander lieben." (Bischof Damian)

© Maria Hopp; Anba Damian

Wir brauchen dringend Antworten und Orientierung, vor allem aber Zuversicht, um gestärkt aus dieser Krise herauszukommen. Die interreligiöse Interviewreihe „Religion Matters“ der Hanns-Seidel Stiftung lässt religiöse Führungspersönlichkeiten der großen Weltreligionen zu Wort kommen, um ihre Perspektiven auf die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen herauszuarbeiten. So kann sich der Zuschauer selbst ein Bild machen, wie unterschiedliche Religionen und Konfessionen die schwierigen Fragen unserer Gegenwart angehen. Über diese Interviewreihe will die Hanns-Seidel-Stiftung außerdem diese religiösen Führungspersönlichkeiten indirekt in ein Gepräch miteinander bringen, von dem der interreligiöse Dialog weltweit profitieren soll.

Im Mittelpunkt der einzelnen Interviews steht die Frage, inwieweit Glauben und Religion in Zeiten wachsender Komplexitäten und Unsicherheiten Antworten geben können. Wie kann religiöse Kompetenz die Politik aktuell in der Krisenbewältigung ergänzen? Wie steht es um die Religionsfreiheit weltweit und den interreligiösen Dialog? Welche Strategien braucht es, um die Polarisierung der Gesellschaft zu überwinden und Extremismus und Terrorismus zu bekämpfen?

Für „Religion Matters“  haben wir mit dem Sicherheitsexperten Oliver Rolofs die Erzbischöfin der Schwedischen Kirche, Antje Jackelén, interviewt, außerdem Sheikh Eşref Efendi vom ehrenwerten Sufi-Orden „Naqshbandiyya“, den Präsidenten der Konferenz der Europäischen Rabbiner, Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, den Bischof von Arabien Paul Hinder, den Präsidenten des Bosniakischen Weltkongresses und ehemaligen Großmufti von Bosnien und Herzegowina, Efendi Mustafa Cerić, den koptisch-orthodoxen Bischof Anba Damian und den Patriarchen der Syrisch-Orthodoxen Kirche, Moran Mor Ignatius Afrem II.

Mann im Anzug, freundlich lächelnd

Oliver Rolofs

Oliver Rolofs ist Mitgründer und Managing Partner der Münchner Kommunikations- und Strategieberatung connecting trust. Er berät Wirtschaftsführer, politische Entscheidungsträger sowie religiöse Führer aus aller Welt in Fragen der strategischen Kommunikation, Public Affairs, Resilienz und Sicherheit sowie dem interreligiösen Dialog. Der ehemalige Kommunikationschef der Münchner Sicherheitskonferenz ist studierter Politikwissenschaftler, Völkerrechtler und Soziologe.

Bischof Damian in der langen Robe der Kopten mit orthodox verziertem Kreuz in der einen und Mikrophon in der anderen Hand, betet in einer Kirche vor Gläubigen.

Bischof Anba Damian verbindet Religiosität und Rationalität: "Die Corona-Pandemie ist keine Strafe Gottes, sondern eine Krankheit, mit der wir vernünftig umgehen müssen."

©Maria Hopp; Bischof Damian

Interview mit Bischof Anba Damian

Die orthodoxen Kopten sind die größte christliche Gemeinschaft in Ägypten. Sie führen ihre Anfänge auf den Evangelisten Markus zurück. Von den weltweit 17 Millionen orthodoxe Kopten leben rund 20.000 in Deutschland. Wir sprechen mit Bischof Anba Damian, der seit 25 Jahren der koptisch-orthodoxen Kirche in Norddeutschland vorsteht und Generalbischof der Kopten in Deutschland ist, unter anderem darüber, wie Bildung den Missbrauch von Religion verhindern kann und Integration besser gelingt, weshalb die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee die Religionsfreiheit bedroht und welche zentrale Lehre aus der Corona-Krise gezogen werden kann.

In dem Interview bezeichnet Bischof Anba Damian die Attentäter der jüngsten islamistischen Gewaltwelle in Europa als „Opfer einer absurden Ideologie und grausamen Lehre“. Die Gewalt sei nicht akzeptabel und müsse verurteilt werden. Religiöser Gewalt müsse mit Bildung begegnet werden. Diese sei das absolut Wichtigste, um das Verhalten der Menschen zu beeinflussen. Die Ausbildung von Geistlichen müsse in der Sprache des jeweiligen Gastlandes geschehen und dürfe nicht im Geheimen stattfinden. Die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee durch den türkischen Staat bezeichnet der koptische Bischof als Skandal und demonstrative Gewalt Recep Tayyip Erdoğans. Er habe sich hier mehr Solidarität und eine deutlichere Sprache seitens der Europäischen Union erhofft. Die Corona-Krise wertet er als „goldene Chance“, die Beziehung zu Gott zu verbessern. Die Pandemie sei keine Strafe Gottes, sondern eine Erkrankung, mit der man vernünftig umgehen müsse.

Damian steht in einer Wüste, ein Kreuz in der Hand und blick in die Kamera

Anba Damian

Anba Damian ist seit 25 Jahren Bischof der Diözese der koptisch-orthodoxen Kirche in Norddeutschland und der Generalbischof der Kopten in Deutschland. 1955 als Refaat Ramzi Mikhail Fahmi in Kairo geboren, studierte er zunächst in der ägyptischen Hauptstadt Medizin und ging 1981 zur Weiterbildung nach Deutschland. Bis 1988 absolvierte er die Facharztausbildung als Radiologe im Kreiskrankenhaus Ludwigsburg und arbeitete danach als Oberarzt im Kreiskrankenhaus Mühlacker. 1991 entschied er sich, sein Leben in den Dienst der Kirche zu stellen, und wurde 1993 durch den damaligen koptischen Papst von Alexandria Schenuda III. zum Priester geweiht. Dieser entsandte ihn nach Deutschland als Seelsorger für die dort geborenen koptischen Jugendlichen. 1995 weihte er ihn in der Markus-Kathedrale in Kairo zum ersten Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland. Sein Dienstsitz ist das ehemaligen Zisterzienserinnen- und Benediktinerinnen-Kloster in Höxter-Brenkhausen, das Anba Damian 1993 für einen symbolischen Preis von einer Mark vom Land Nordrhein-Westfalen übernahm und unter Mithilfe koptischer Diakone aus Ägypten vollständig restaurierte. Weltweit gibt es rund 17 Millionen orthodoxe Kopten, die ihren Ursprung in Ägypten haben. Davon leben rund 20.000 in Deutschland.

Von den 17 Millionen Kopten, die ihre Anfänge auf den Evangelisten Markus zurückführen, leben die meisten in Ägypten, etwa 20.000 von ihnen aber in Deutschland. Anba Damian steht der deutschen Glaubensgemeinschaft als Bischof vor. Wir haben mit ihm über seinen Glauben und den politischen Missbrauch von Religion gesprochen. Im Interview erklärt Damian auch, warum die Umwandlung der Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee die Religionsfreiheit bedroht.

Ersteller; HSS; Quelle (z.B. iStock)

Der große interreligiöse Kalender vom "Sonntagsblatt" – Die wichtigsten Fest- und Feiertage von Katholiken, Protestanten, Orthodoxen, Aleviten, Juden und Muslimen, Buddhisten und Hindus auf einen Blick.

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Leiter: Dr. Philipp W. Hildmann
L3: Kompetenzzentrum Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Interkultureller Dialog
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E-Mail: hildmann@hss.de