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CLEANTECH für Bayern
Energie neu denken - BayWa r. e. AG

Autor: Maria Geyer

Bereits seit 2009 ist die BayWa r.e. AG in der bayerischen CleanTech-Szene etabliert. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Zukunft der Energiebranche aktiv mitzugestalten. Unter anderem bietet sie in den Bereichen Wind, Solar und eMobility innovative Lösungen an, um zur Energiewende beizutragen. Wir haben mit Matthias Taft, dem Vorstandsvorsitzenden von BayWa r.e., gesprochen, um mehr zu erfahren.

Matthias Taft wurde 1967 in München geboren. Von 1988 bis 1993 studierte er Maschinenbau an der Technischen Universität München. Zusätzlich absolvierte er von 1997 bis 2001 das Studium Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Hagen, welches er ebenfalls mit dem Diplom abschloss. 2003 übernahm Matthias Taft die Geschäftsführung der RENERCO Renewable Energy Concepts AG und ab 2013 die Geschäftsführung der BayWa r. e. renewable energy GmbH. Darüber hinaus verantwortete Matthias Taft von 2015 bis 2021 als Vorstandsmitglied der BayWa AG die Bereiche Erneuerbare und Klassische Energie. Seit 2021 ist er Vorstandsvorsitzender der BayWa r. e. AG.

Matthias Taft wurde 1967 in München geboren. Von 1988 bis 1993 studierte er Maschinenbau an der Technischen Universität München. Zusätzlich absolvierte er von 1997 bis 2001 das Studium Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Hagen, welches er ebenfalls mit dem Diplom abschloss. 2003 übernahm Matthias Taft die Geschäftsführung der RENERCO Renewable Energy Concepts AG und ab 2013 die Geschäftsführung der BayWa r. e. renewable energy GmbH. Darüber hinaus verantwortete Matthias Taft von 2015 bis 2021 als Vorstandsmitglied der BayWa AG die Bereiche Erneuerbare und Klassische Energie. Seit 2021 ist er Vorstandsvorsitzender der BayWa r. e. AG.

(c)BayWa r.e.

Die BayWa r.e. AG mit Hauptsitz in München ist Entwickler, Dienstleister, PV-Großhändler und Anbieter von Energielösungen im Bereich der Erneuerbaren Energien, mit denen der CO2-Fußabdruck reduziert und die Energiekosten gesenkt werden können. Sie ist in den Bereichen Wind- und Solarenergie tätig. Hier erfahren Sie mehr über das Unternehmen.

HSS: „r.e.think energy – wir bei BayWa r.e. denken Energie neu“: Was können wir uns konkret darunter vorstellen?

Matthias Taft: Das Motto „r.e.think energy“ verdeutlicht unseren ganzheitlichen Blick auf den Energiebereich. Wir wollen Energie insgesamt neu denken – wie sie produziert wird, wie sie gespeichert und am besten genutzt werden kann, um die globale und für die Zukunft unseres Planeten unerlässliche Energiewende umzusetzen.

Das sieht man unter anderem daran, dass wir in 31 Ländern weltweit nicht nur Solar- und Windprojekte entwickeln, sondern auch andere Bereiche der Wertschöpfungskette wie die Betriebsführung abdecken. Bisher haben wir Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer Leistung von über 5,5 GigaWatt (GW) ans Netz gebracht und betreuen Anlagen mit einer Leistung von über 10 GW. In Europa sind wir Marktführer bei der Entwicklung von schwimmenden Photovoltaik-Anlagen und haben bereits 15 Projekte umgesetzt. Diese Solarparks erzeugen auf sonst ungenutzten Wasserflächen grünen Strom. Auch treiben wir die Entwicklung von Agri-Photovoltaik-Anlagen voran und bringen damit die Erzeugung von Nahrungsmitteln und Solarenergie auf derselben Fläche in Einklang.

HSS: Welche Vorteile bringen Ihre Energielösungen für die Branche bzw. den Endverbraucher, insbesondere in Bayern?

Matthias Taft: Unsere Energielösungen bringen neben Weiterentwicklungen von Technologie und Servicestandards, der sinkenden Abhängigkeit von fossiler Energie und dem aktiven Vorgehen gegen den Klimawandel weitere Vorteile. So können sich Unternehmen durch Stromlieferverträge (PPA) oder den Kauf ganzer Projekte langfristig mit grüner Energie aus von uns entwickelten Solar- und Windparks versorgen. Erst vor wenigen Wochen haben wir einen Solarpark in Franken an eine Firma verkauft, die damit ihre Nachhaltigkeitsstrategie voranbringen kann. Außerdem haben wir mit verschiedenen Firmen in Bayern zusammen PV-Anlagen auf deren Firmendächern realisiert. Wir ermöglichen es Unternehmen so, grüne Energie für den Eigenverbrauch zu produzieren oder zu beziehen. Durch die im Schnitt große Anzahl an Sonnenstunden sind die Voraussetzungen für einen Ausbau von PV in der Freifläche und auf dem Dach gerade hier in Bayern sehr gut.
In einem Flächenstaat wie Bayern ist es zudem wichtig, dass die Energie dezentral produziert wird – und das geht am besten mit der Installation grüner Energieprojekte in der Region. In Oberfranken haben wir beispielsweise ein Solar-Wind-Hybridprojekt begleitet, bei dem wir für beide Erzeugungsarten nur einen Netzanschluss benötigen.

Laut Matthias Taft wird ohne CleanTech wie den Erneuerbare Energien die Erde mittel- und langfristig kein Ort sein, an dem über 8 Milliarden Menschen gut zusammenleben können.

Laut Matthias Taft wird ohne CleanTech wie den Erneuerbare Energien die Erde mittel- und langfristig kein Ort sein, an dem über 8 Milliarden Menschen gut zusammenleben können.

(c)BayWa r.e.

HSS: Was Windkraft, Elektromobilität und Biogasanlagen betrifft, gibt es auch Kritiker (z. B. Ökobilanz, versteckte CO2- bzw. Klimabelastung und Engpässe). Wie stehen Sie zu dieser Kritik?

Matthias Taft: Als Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien beschäftigen wir uns täglich mit den Herausforderungen, welche die Umsetzung solcher Projekte mit sich bringt. Unser Ziel ist es, immer noch effizienter, klimafreundlicher und nachhaltiger zu werden. Uns ist dabei natürlich bewusst, dass auch Anlagen, die Grünstrom erzeugen, in die Natur eingreifen und dass Teile unserer Lieferkette möglicherweise nicht dieselben Standards bei Umweltschutz und Nachhaltigkeit anlegen wie wir. Für uns und unsere Branche ist daher das Wichtigste, an diesen Themen zu arbeiten. Vollkommen falsch wäre es, allein deswegen den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu bremsen – denn auch mit diesen Herausforderungen überwiegen hier die positiven Effekte für die Energieversorgung der Zukunft deutlich.
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Erneuerbare Energien heute die günstigste Form der Stromerzeugung sind und mittlerweile fossile Energieträger wie Kohle oder auch die Kernenergie überholt haben. Die CO2-Belastung durch den Bau von Solar- und Windparks ist dabei innerhalb weniger Wochen und Monate nach Beginn des Betriebs bereits kompensiert – ein Kohlekraftwerk dagegen stößt mit jeder Stunde Betrieb immer mehr CO2 aus.
Dabei wissen wir, dass ohne Unterstützung und Beteiligung der lokalen Bevölkerung die Energiewende nicht gelingen wird. Die Einbindung aller Beteiligten, also auch der Bürger und ansässigen Unternehmen hat für uns daher oberste Priorität. So werden wir bei allen neuen Windparks in Deutschland den Anrainern anbieten, sie mit günstigem Strom zu beliefern.
Mit zunehmendem Anteil von Wind- und Solarenergie am Energiemix wird das Thema Grundlasterzeugung immer wieder als Argument gegen den Ausbau Erneuerbarer Energie vorgebracht. Das verkennt, dass im künftigen Stromversorgungsystem Grundlastkraftwerke keinen Platz mehr haben. Was benötigt wird, ist Flexibilität durch Wärmepumpen, Elektromobilität und Wasserstofferzeugung, durch (Batterie-)Speicher und letztlich auch Backup-Kraftwerke auf Basis von Bioenergie und Wasserstoff. Wir bauen aktuell in der Nähe von Regensburg einen Solarpark, der den Batteriespeicher bereits integriert hat, außerdem engagieren wir uns bei verschiedenen Pilot-Projekten mit der Erzeugung von Wasserstoff als Stromspeicher. Auch politisch werden gerade Weichen gestellt, damit sich diese Technologie in den nächsten Jahren weiterentwickeln kann.

HSS: Welche Maßnahmen sind Ihrer Ansicht nach allgemein und in Bayern künftig nötig, um Verbesserungen bei Erneuerbaren Energien und grünen Technologien zu erzielen?

Matthias Taft: Wir befinden uns im letzten Jahrzehnt, in dem wir noch die Chance haben, den Klimawandel entscheidend abzubremsen, daher wird es auf die nächsten Jahre ankommen. Zurzeit sehen wir bereits eine weit höhere Geschwindigkeit beim Ausbau der Erneuerbaren Energien als noch vor wenigen Jahren. Trotzdem braucht es eine gemeinsame Anstrengung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um diesen weiter zu beschleunigen und unsere Klimaziele zu erreichen.
Gefragt sind vor allem Initiativen, die die Energiewende in Bayern, Deutschland und der Welt voranbringen. Jüngst gab es hier bereits einige positive Entwicklungen aus der Politik, insbesondere was den Ausbau von PV-Dachanlagen oder die Anwendung von Agri-PV betrifft. Für den nötigen Ausbau der Windenergie in Deutschland müssen auch politisch konkrete Lösungen gefunden werden. Zwar sehen wir Fortschritte bei Artenschutz und Planungsverfahren, jedoch gibt es immer noch Handlungsbedarf, um die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern weiter zu vereinfachen. So ist das im neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankerte Zubau-Ziel von 22 GW PV und 10 GW Wind pro Jahr ambitioniert, aber erreichbar, wenn dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Als Unternehmen mit Hauptsitz in München liegt uns natürlich auch die Versorgung Bayerns mit grüner Energie am Herzen. Daher begrüßen wir die Maßnahmen der Staatsregierung zum vereinfachten Ausbau von Wind- und Solarenergie. Wichtig für den Ausbau Erneuerbarer Energien ist nun, dass aufbauend darauf zügig Planungsrecht für geeignete Flächen geschaffen wird. Wir beobachten das aktuell mit großem Interesse und freuen uns darauf, auch in Zukunft aktiv mit der bayerischen Regierung an der Umsetzung dieser Rahmenbedingungen zu arbeiten.

HSS: Wie sehen Sie die Zukunft der Energiebranche, insbesondere in Bayern?

Matthias Taft: Die Energiebranche nimmt eine Schlüsselposition für eine erfolgreiche Zukunft weltweit ein. Daher wird es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten darauf ankommen, was wir hier gemeinsam erreichen. In Bayern muss neben dem Ausbau von Solar- und Windanlagen auch ein Augenmerk auf dem Netzausbau liegen, damit die Energie dorthin kommt, wo sie gebraucht wird.
Für eine erfolgreiche Zukunft der Energiebranche muss zudem gewährleistet sein, dass genügend Fachkräfte an der Energiewende mitarbeiten – in Bayern, aber auch weltweit. Dazu braucht es neben der geeigneten Ausbildung auch Regelungen zur grenzüberschreitenden Arbeit und der Integration von Fachkräften aus dem Ausland. Wir merken in unserer täglichen Arbeit, dass es immer noch nicht selbstverständlich ist, dass ein Angestellter an unserem Hauptsitz in München auch in anderen Teilen Europas arbeitet und Projekte voranbringt. Dazu braucht es auch in der EU mehr Initiativen, was die Vereinheitlichung von Arbeitsstandards oder auch Schulungsprogramme angeht.

Vielen Dank für das Interview!

CO2-Fußabdruck: So wird die Summe der Emissionen bezeichnet, die direkt oder indirekt durch etwas in einem bestimmten Zeitraum freigesetzt werden.

Erneuerbare Energien: Hierbei handelt es sich um Energien, die aus nachhaltigen – d. h. unerschöpflichen – Energiequellen (z. B. Wasser, Wind, Sonne) gewonnen werden.

eMobility: Der englische Begriff für Elektromobilität bezeichnet die Fortbewegung mithilfe eines elektrischen Antriebs.

Ökobilanz: Sie gibt Aufschluss darüber, in welchem Maß etwas die Umwelt belastet.

Grundlast: Hierbei handelt es sich um die Mindestmenge an Strom, die in einem Versorgungsgebiet verfügbar sein muss, um den Bedarf der Haushalte zu decken.

Kontakt

: Maria Geyer
Akademie für Politik und Zeitgeschehen
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Leiterin: Dr. Claudia Schlembach
Wirtschaft und Finanzen
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