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Neue Reihe: CLEANTECH für Bayern
Kreativität und Know-how für saubere Technologien

Autor: Dr. Claudia Schlembach

Badewannen aus Sand, hergestellt im Drucker? Dünger aus Schafwolle? Warum nicht? Wir haben uns bei Start-ups und etablierten Unternehmen umgeschaut, die sich dafür einsetzen, den Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie durch neue Technologien oder neue Techniken zu schaffen. Unsere neue Reihe beginnen wir mit einem Interview des Generalsekretärs der CSU, Martin Huber.

Bayern ist das Bundesland, das seine Grundlastfähigkeit der elektrischen Energie bereits heute zu 50 Prozent durch Erneuerbare Energien absichert. Bundesweit ist Bayern in absoluten Zahlen führend in den Bereichen Photovoltaik, Biomasse, Wasserkraft und Geothermie, hat also ein gutes Fundament, um Energiesicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig den Klimaschutz nach vorne zu bringen.
Ein Grund für diesen Fortschritt ist, dass die Tüftler in Bayern neuen Wind in die Landschaft der Energiegewinnung bzw. in die Nutzung von Ressourcen bringen. CleanTech, also „saubere Technologie“, die den Klimaschutz voranbringt, ist das Ziel.
Während unserer Recherche sind wir auf so viele ungewöhnliche, erstaunliche und beeindruckende Ideen gestoßen, dass wir daraus eine „CleanTech-Reihe“ gemacht haben. Geleitet vom Gedanken der Nachhaltigkeit und der ökologischen Ausrichtung stellen wir Protagonisten von CleanTech vor.
Wir starten mit einem Interview des Generalsekretärs der CSU, Martin Huber. Er war lange Zeit Vorsitzender des Arbeitskreises Umwelt und Landesentwicklung und hat in seinem Bezirk seit vielen Jahren kompetent an der ökologischen Transformation mitgewirkt.

Der Generalsekretär der CSU, Martin Huber, sieht in CleanTech große Chancen und Möglichkeiten für nachhaltige Innovationen in Bayern.

Der Generalsekretär der CSU, Martin Huber, sieht in CleanTech große Chancen und Möglichkeiten für nachhaltige Innovationen in Bayern.

Mit Genehmigung der CSU

Interview mit Martin Huber, Generalsekretär der CSU

HSS: Herr Huber, Sie haben lange Zeit den Arbeitskreis Umwelt und Landesentwicklung der CSU (AKU) geleitet. Woher kommt Ihr Interesse an dieser Thematik? Liegt es daran, dass Sie im „Chemiedreieck“ leben, dieser oberbayerischen Region, in der sich ausnehmend viele Chemieunternehmen angesiedelt haben?

Martin Huber: Ich bin im Chemiedreick aufgewachsen und dort schon früh mit den Zusammenhängen von Wirtschaft, Umwelt und Wohlstand in Berührung gekommen. Die Chemieindustrie ist ein wichtiger Baustein für eine klimaneutrale Zukunft, gleichzeitig ist der Umweltschutz für ein lebenswertes Bayern unerlässlich. Als ich 2018 in Altötting erstmals direkt für den Landtag kandidierte, gab es eine öffentliche Debatte um per- und polyfluorierte Chemikalien, kurz PFAS. Ich habe mich viel mit dem Thema beschäftigt und mich für eine Kreislaufwirtschaft im Chemiedreieck eingesetzt. Diese Arbeit und meine Kindheit und Jugend im Chemiedreieck haben mich sehr geprägt, in der CSU konnte ich mein Engagement im AKU weiterführen.

HSS: Bayern zum umweltfreundlichsten Standort der Welt zu entwickeln, ist die Vision des AKU. Das ist ein sehr ambitioniertes Ziel. Wie wollen Sie das erreichen?

Martin Huber: Ohne Ambitionen und eine große gemeinsame Anstrengung können wir unserer Verantwortung für die Schöpfung mit Blick auf die nächsten Generationen nicht gerecht werden. Aber wer soll es schaffen, wenn nicht wir in Bayern? Wir haben beste Voraussetzungen, diese anstehenden Herausforderungen zu meistern. Schon jetzt ist Bayern führend bei den Erneuerbaren Energien, bei der installierten Leistung und auch beim Zubau. Kein Land produziert mehr Strom aus Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie als wir. Für Markus Söder ist der Klimaschutz besonders wichtig, deshalb hat Bayern es sich zum Ziel gesetzt, schon bis 2040 klimaneutral zu sein, also fünf Jahre vor dem Rest Deutschlands. Bis 2030 wollen wir doppelt so viel Strom aus Erneuerbaren Energien produzieren wie heute und 1.000 Windräder aufstellen. Insbesondere für die Wirtschaft wie die Chemieindustrie ist natürlich Wasserstoff ein wichtiger Energieträger. Deshalb haben wir eine eigene Wasserstoff-Strategie. Wir wollen, dass Bayern zum Drehkreuz von Wasserstoff für Süddeutschland und Mitteleuropa wird.

HSS: Häufig stehen sich aber ökonomische Interessen und ökologische Notwendigkeiten im Widerspruch. Wie kann das strukturell aufgefangen werden?

Martin Huber: Wichtig ist, dass Klimaschutz die Menschen mitnehmen muss. Wir setzen deshalb auf Anreize statt Verbote und Bevormundung. Leider ist insbesondere bei linken Parteien der Ansatz verbreitet, dass Umweltschutz nur mit Degrowth und dem Abbau der Wirtschaft zu schaffen ist. Das verunsichert die Menschen und schürt Abstiegsängste. In Bayern setzen wir auf die Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie. Wenn Unternehmen aus Deutschland abwandern, dann gehen sie nach China oder in die USA, wo sie zu weitaus schlechteren Umweltbedingungen produzieren und der Wohlstand bei uns geht verloren. Damit ist dem Klima nicht geholfen. Wir müssen Klimaschutz global denken. Wir wollen in Bayern die Wirtschaft hin zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft gestalten und dabei Lösungen entwickeln, die weltweit zum Einsatz kommen können. Unser Ziel ist ökologische, soziale, wirtschaftliche und fiskalische Nachhaltigkeit. Dafür ist eine Transformation notwendig, die wir durch Innovation, Technologie und Fortschritt schaffen. Wir müssen die besten Lösungen anbieten, damit wir wettbewerbsfähig bleiben und unsere Wirtschaftskraft, sprich unseren Wohlstand, erhalten. Tradition und Fortschritt, Heimat und Hightech, das sind die Pfeiler, die Bayern zusammenhalten und für die Zukunft stark machen.

HSS: Welche Rolle spielt dabei CleanTech, die „saubere Technologie“?

Martin Huber: CleanTech bedeutet ökologische Risiken zu minimieren und ökonomische Chancen zu nutzen. Mit dieser Erfolgskombination können wir auch in Zukunft als Volkswirtschaft stark auftreten. Mich beeindruckt der Erfindergeist von Unternehmen und Start-ups, die den Herausforderungen mit neuen Ideen für saubere Technologien begegnen. Sie machen den Fortschritt sichtbar und die Zuversicht greifbar. Bayern hat mit der Hightech Agenda von Markus Söder den Grundstein für diesen Erfolg gelegt: Mit gezielten Förderungen, zum Beispiel in Forschung, neue Lehrstühle und Studienplätze, aber auch dem kostenlosen Meisterbonus, den es nur in Bayern gibt, bilden wir schon heute die Fachkräfte der Zukunft aus.

HSS: Die HSS will mit ihrer Reihe „CleanTech für Bayern“ neue Ideen vorstellen zum Schutz der Umwelt in Bayern. Dabei handelt es sich nicht nur um technologische Präsentationen, sondern auch um „hemdsärmelige“ Lösungen. Wir gehen davon aus, dass auch die „kleinen Schritte“ wichtige Ergebnisse erzielen. Wie sehen Sie das?

Martin Huber: CleanTech-Unternehmen tragen mit ihren Innovationen und Lösungen maßgeblich dazu bei, die ökologische Transformation zu bewältigen. Häufig haben vermeintlich kleine Fortschritte großen Einfluss oder entwickeln sich zu etwas Großem weiter. Der Teufel liegt meist im Detail. Wir alle können mit unseren ganz alltäglichen Entscheidungen dazu beitragen, die Umwelt zu schützen. Viele Produkte, die früher in Plastik verpackt waren, sind inzwischen nachhaltig verpackt, weil die Konsumenten bewusste Entscheidungen treffen und so Druck auf Unternehmen ausüben. Viele kleine Entscheidungen können in Summe einen großen Einfluss haben. Dabei soll sich niemand gezwungen fühlen: Jeder soll so viel leisten, wie er kann. Viele kreative Köpfe im Bereich CleanTech können in der Summe ebenfalls wichtige Game-Changer sein. Ich bin gespannt auf die nächste Klimaschutz-Innovation aus Bayern.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Kontakt

: Maria Geyer
Akademie für Politik und Zeitgeschehen
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Leiterin: Dr. Claudia Schlembach
Wirtschaft und Finanzen
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