Print logo

Sieben Tipps
Weniger (Plastik-) Müll im Alltag – Was kann ich tun?

Autor: Silke Franke

Geben wir es zu – wir sind uns längst bewusst, dass wir im Alltag zu viel Müll produzieren: Wir kaufen Wegwerfartikel, Produkte, die einzeln verpackt sind, Essen und Trinken „To go“. Wer aus den Gewohnheiten ausbrechen und etwas ändern will, kann bei den ganz kleinen Dingen anfangen, etwa eine Einkaufstasche mitnehmen. Wir haben sieben Tipps für Sie zusammengestellt.

Plastik ist ein praktisches Material – es ist ein relativ günstig, gut formbar, leicht, lässt sich für vielfältige Zwecke verwenden und ist lange haltbar. Genau diese Langlebigkeit ist aber auch ein Problem. Plastik verrottet nicht. Ist es einmal in der Umwelt, zerfällt es in immer kleinere Teile bis das menschliche Auge es nicht mehr sehen kann („Mikroplastik“). So hat der Siegeszug der Kunststoffe einen Preis – der Plastikmüll wächst und immer mehr davon gelangt in die Umwelt und schließlich in die Nahrungskette. Fünf bis 13 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle gelangen weltweit jährlich direkt oder über die Flüsse und Abwässer, durch Wind oder Hochwasser ins Meer. Viele Tiere verenden, weil sie sich in Plastikschnüren und Netzen verheddern oder Kunststoffteile mit Nahrung verwechseln. Es gibt kaum mehr eine Küste ohne angeschwemmtes Plastikmüll, kaum mehr einen Sandstrand, der nicht auch Mikroplastik-Partikel enthält. 

Ein Mensch mit Plastiktüte beim Einkaufen in einer Fußgängerzone

Über die übermäßige Nutzung von Plastikverpackungen haben wir uns beim Shopping viel zu lange kaum Gedanken gemacht.

geralt; ©0; Pixabay

Unser Anteil am Plastik-Problem

Auch wenn die Hauptverursacher anderswo liegen, etwa in China oder Südostasien - bevölkerungsreichen Ländern, die über nicht so ausgefeilten Abfallwirtschaftssysteme wie wir - so muss uns doch klar sein, dass auch wir viel zu viel Plastikmüll produzieren. Ein großer Teil unseres Plastikmülls wurde bislang nach China exportiert. Laut DeStatis waren dies im Jahr 2016 rund 1,5 Millionen Tonnen.Im letzten Jahr hat China diese Praxis eingestellt.

Beispiel Verpackung: Im Jahr 2016 fielen in Deutschland 18 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an, das entspricht 220,5 kg pro Kopf. Hier nehmen wir in der Europäischen Union einen traurigen Spitzenplatz ein. Etwa die Hälfte der Verpackungsabfälle geht dabei zulasten von Industrie und Gewerbe, aber für rund 104 kg ist der haushaltsnahen Bereich verantwortlich.

Hersteller, Handel und Gesetzgeber sind aufgefordert zu handeln, nicht zuletzt durch die „Strategie für Kunststoffe und Kreislaufwirtschaft“, die die Europäische Kommission vorgelegt hat und darauf abzielt, v.a. den Plastikmüll zu reduzieren.

Doch auch wir als Verbraucher sollten einen Beitrag leisten:

Eine Mülltonne voller Plastiktüten auf einer Wiese

Wiederverwendbare Einkaufstüten setzen sich mehr und mehr durch, besonders seit Einweg-Plastiktüten an der Kasse am Supermarkt etwas kosten.

RitaE; ©0; Pixabay

Tipp 1: Das kommt nicht in die Tüte!

Seitdem die Plastik-Tragetaschen an der Kasse etwas kosten, ist ihr Verbrauch deutlich zurückgegangen. Viele nutzen stattdessen z.B. die haltbaren Einkaufstaschen, die in einer Hülle zusammengefaltet sogar kleiner als eine Packung Taschentücher. Sie sind damit so handlich, dass man sie immer mit dabeihaben und auch bei Spontankäufen einsetzen kann.

Trotzdem kaufen wir immer noch zu viele Dinge in dünnen Einwegtüten, Plastikschalen und unter Folie verschweißt ein. Aber: ein in Plastik eingeschweißtes Bananenbündel– muss das sein? Viele Obst- und Gemüsesorten sind durch ihre natürliche Schale bereits gut verpackt.

Bevorzugen Sie Produkte, die mit möglichst wenig Verpackung auskommen. Wenn das viele Verbraucher machen, registrieren das auch die Hersteller und Händler und reagieren darauf.

Daher:

  • Eine eigene kleine Tasche mitnehmen.
  • Abgepackte Ware vermeiden, wenn es Alternativen gibt (z.B. Obst im Gebinde / lose). Dies gilt auch für aufwendig verpackte Angebote (z.B. Zahncreme-Tube mit / ohne Pappschachtel oder oder Stück Seife / Flüssigseife im Plastikspender oder Standardgröße eines Artikels / zehn einzeln verpackten Miniportionen). Waren in Mehrwegbehältern bevorzugen (z.B. Joghurt im Glas statt im Plastikbecher).
  • Auf den Wochenmarkt oder zu anderen Direktvermarktungsstellen gehen, denn dort werden die Lebensmittel meist ohnehin in den mitgebrachten Tragekorb und andere Behälter gefüllt.  Inzwischen gibt es auch zunehmend „Unverpackt-Läden“. Der verpackungsfreie Einkauf erfordert etwas Vorbereitung, aber Gewohnheiten lassen sich auch ändern!
Buntes Plastikbesteck

Irgendwann waren Einwegprodukte mal modern und zeitgeistig. Heute stehen sie für tiefstes Umweltschutz-Mittelalter.

Hans; ©0; Pixabay

Tipp 2: Mehrweg statt Einweg: Zum Wegwerfen zu schade!

Zu vielen Plastikprodukten, Einmal- oder Wegwerfartikeln gibt es Alternativen aus Glas, Metall oder Holz, die mehrfach verwendbar sind. Das ist (kurzfristig!) etwas teurer oder machen auch mal etwas Arbeit, schon aber die Umwelt und sieht oft auch besser aus.

Beispiele:

  • Einweg-Teller/ Besteck / Becher durch Mehrweg ersetzen. Dies gilt auch für all die Sachen, die wir z.B. zum Grillen draußen im Park oder am Fluss mitnehmen. Oder für den Coffee-To go“.
  • Einen langlebigen Kugelschreiber aus Metall mit austauschbaren Minen verwenden, statt den „Plastikkuli“ zum Wegwerfen. Dies gilt auch für wiederbefüllbare Feuerzeuge und viele weitere Gebrauchsgegenstände.
  • Leitungswasser trinken, statt ständig Wasserflaschen zu kaufen.
endlose Rechnung

Wer bestimmt eigentlich, was ich brauche? Gegen grellbunte Konsumfallen beim Einkaufen hilft die gute alte Einkaufsliste.

stevepb; ©0; Pixabay

Tipp 3: Mal ehrlich: Brauche ich das jetzt wirklich?

Eine Einkaufsliste hilft, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die man gerade benötigt. Doch – Hand aufs Herz – wie viele weitere Artikel finden sich zu Schluss im Warenkorb, die gar nicht auf der Liste standen?

Die Verführungen der Einkaufswelt sind verlockend und zielen ja gerade auf den so genannten impulsgesteuerten Einkauf, weil es gerade auf dem Weg liegt und so praktisch und günstig erscheint. Aber brauche ich das Sonderangebot, den „1-Euro-Artikel“ oder das „Fast Food“ wirklich?

Daher:

  • Einkaufsliste mitnehmen.
  • Zu den Verführungen auch mal „nein“ sagen.
  • Zeit nehmen und z.B. den Cafe vor Ort trinken statt „To go“ oder zuhause kochen.
Ein Lagerraum randvoll mit Material für den Flohmarkt

Bevor man einfach alles wegschmeißt: viele Organisationen sammeln Sachspenden oder man findet Abnehmer auf dem Flohmarkt.

MIH83; ©0; Pixabay

Tipp 4: Kreativität statt Abfall: reparieren, umgestalten, selbermachen

Die Dinge, dir wir bereits besitzen, sollten wir so lange wie möglich weiterverwenden, statt sie gleich wegzuschmeißen, und auch mal versuchen, Kaputtes zu reparieren. „Aus Alt mach Neu“, „Up-Cycling“, „Do-it-Yourself“: Unter diesen Stichwörtern gibt es inzwischen eine Fülle an Ideen und detaillierten Anleitungen im Internet, im Buchhandel oder Kursen vor Ort.

Daher:

  • Auch Verpackungsmaterial muss man nicht (sofort) wegwerfen. Auch die Papiertüten lassen sich öfter verwenden. Leere Eiscreme-Becher kann man auswaschen und als Vorratsdosen weiter benutzen, Weißblechdosen als Stiftebehälter.
  • Auch umgekehrt gilt: Muss ich unbedingt ein neues Produkt kaufen oder lässt sich aus dem, was da ist, noch etwas machen? Statt sich ein neues Regal anzuschaffen, könnte man vielleicht auch eines aus Obstkisten kreieren. Wer noch weitergehen will, kann auch versuchen, z.B. Waschmittel selbst herzustellen oder Brot selbst zu backen.
  • Schließlich gibt es auch die Möglichkeiten, auf Flohmärkten und Gebrauchtmärkten gemeinnütziger Organisationen das Gesuchte zu erstehen bzw. die Dinge abzugeben, die man nicht mehr haben will, obwohl sie noch gut erhalten sind. In vielen Baumärkten kann man Geräte für den Handwerkerbedarf gegen eine relativ geringe Gebühr auch ausleihen und muss sie nicht kaufen.
Drei verschiedene Mülltonnen stehen zur Mülltrennung bereit.

Wer sich nicht sicher ist, was in welche Tonne gehört kann sich auf www.abfallratgeber.de informieren.

manfredrichter; ©0; Pixabay

Tipp 5: Klare Sache: Müll sauber trennen

Wer Abfälle hingegen korrekt entsorgt, hilft einen Teil des Mülls sinnvoll wiederzuverwerten. Die Abfallentsorgung ist Pflichtaufgabe der kreisfreien Städte und Landkreise, die sie aber eigenverantwortlich wahrnehmen, daher kann es von Region zu Region kleine Unterschiede geben. Beachten Sie daher bitte die Informationen ihrer Kommune oder informieren sie sich beim "Abfallratgeber". Generell gibt es fünf Kategorien an Abfall: Leichtverpackungen, Glas, Papier, Bioabfall und Restmüll. Hier sind allerdings einige Details zu beachten.

Beispiele:

  • In die Glas-Container gehören z.B. Getränkeflaschen, Konservengläser und sonstiges „Verpackungsglas“, nicht aber z.B. Flachgläser oder Vasen, da sich das Glas dieser Gegenstände anders zusammensetzt und einen anderen Schmelzpunkt hat.
  • Auch für den Gelben Sack, in den die Verpackungen aus Kunststoff, Alu, Weißblech und Verbundmaterial wie Tetrapack kommen, gilt: Besser funktioniert das Recycling, wenn man z.B. den Aludeckel vom Joghurtbecher abzieht, auch wenn dann beides in den gelben Sack kommt.
  • Zum Altpapier gehören z.B. Zeitschriften, Papier, Pappe und Kartons, nicht aber z.B. beschichtetes Backpapier, Thermopapier, Servietten oder dreckige Pizzakartons.

Fast unsichtbar: Mikroplastik

Als Mikroplastik werden feste, unlösliche Kunststoffpartikel bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie sind nicht biologisch abbaubar. Gelangen sie über die Abwässer in die Umwelt und in die Nahrungskette, könnte das nicht zuletzt für uns selbst problematisch werden, da Mikroplastik dazu neigt, Schadstoffe an sich zu binden. Wie kommt Mikroplastik in die Umwelt?

Beispiele:

  • In manchen Reinigungsmitteln und Kosmetika werden die Kunststoffpartikel als Inhaltsstoff eingesetzt, um die Produkteigenschaften zu verbessern, z.B. in Zahncremes, Shampoos, Peelings, Lippenstiften oder Make-Up. Extra gekennzeichnet ist dies nicht, allenfalls an Inhaltsangaben wie Polyethylen oder Polypropylen ableitbar. Wer auf diese Plastikpartikel verzichten will, sollte auf das BDIH-Siegel für kontrollierte Naturkosmetik achten.
  • Synthetische Kleidung (z.B. aus Polyester oder Polyacryl wie bei vielen Fleece-Textilien) verliert bei jedem Waschgang Kunststoffmikrofasern. Wer das vermeiden will, sollte Textilien aus Naturfasern wie Baumwolle oder Wolle bevorzugen.
  • Eine gibt weitere Quellen für Mikroplastik, etwa der Kunstraden für den Fußballplatz (braucht es das wirklich?) oder der Abrieb der Autoreifen.
Der Kreislauf des Mikro-Plastiks

Auch wir nehmen Plastik durch die Nahrung auf. Partikel aus Mikroplastik können so klein werden, dass sie sogar die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Was für Auswirkungen das haben kann, ist noch unklar.

Helmholtz-Wissensplattform "Erde und Umwelt", ESKP; eskp.de/CC BY 4.0; https://www.eskp.de/themenspezial-plastik-im-meer/

Junge Leute beim Müllsammeln an einem Strand. Große Säcke voller Plastik.

"Rama-Dama", "Plogging" oder einfach Müll sammeln: Wenn sich jeder um seine unmittelbare Umgebung kümmert, können wir gemeinsam viel erreichen.

3dman_eu; ©0; Pixabay

Plogging? - Rama dama!

„Plogging“ bezeichnet einen neuen Trend, der Joggen mit Müllaufsammeln verbindet - und damit Gesundheit mit Umweltschutz. Seinen Ursprung hat er in Schweden: Dort bedeutet das Wort "plocka" sammeln, aufheben.

In Bayern hingegen hat das „Rama dama“ Tradition (deutsch „Räumen tun wir“), so heißt auf bairisch der Aufruf zur gemeinsamen Aufräumaktion, bei der der achtlos weggeworfene Müll am Straßenrand, an Fluss- oder Seeufern und Grünflächen eingesammelt und fachgerecht entsorgt wird. Die Organisation selbst übernehmen Gemeinden, Schulen, Vereine oder Bürgerinitiativen, aber alle sind dazu aufgerufen, sich zu beteiligen.

Deshalb: Machen Sie mit!

Info:

Die HSS beschäftigt sich in Verbraucherseminaren mit der Vermeidung von Plastikmüll. Die Autorin von „Besser leben ohne Plastik“, Nadine Schubert, klärte in unseren Seminaren über Plastikmüll-Vermeidung auf. Im Video finden Sie Ihre Tipps dazu.

Weitere Informationen können Sie in unserer aktuellen Publikation "Argumentation kompakt" nachlesen. Hier erhalten Sie Informationen zur Plastik-Strategie der Europäischen Union und Daten zum Abfallaufkommen.

Deutschland und Bayern könnten Vorreiter  sein, Lösungen für die Minimierung des Kunststoff-Einsatzes zu sein. Diese Chance sieht die Bundestagsabgeordnete Dr. Anja Weisgerber. Lesen Sie hier das Interview mit der Obfrau im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Gegen Plastikmüll

Kontakt
Leiterin: Silke Franke
Referat II/6: Umwelt und Energie, Städte, Ländlicher Raum
Leiterin:  Silke Franke
Telefon: 089 1258-226
Fax: 089 1258-469
E-Mail: franke@hss.de