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100 Jahre Großrumänien
Die Karlsburger Beschlüsse und die Gründung des modernen Rumäniens

Vor 100 Jahren wurde Großrumänien durch die Karlsburger Beschlüsse gegründet. Vertreter der Deutschen Rumäniens gelten als Mitbegründer und prägten die Vielfalt des Landes bis heute. Anlässlich des Jubiläums wurden Bedeutung und Entwicklung der deutschen Minderheit in Rumänien auf einer Konferenz der Hanns-Seidel-Stiftung in Bukarest beleuchtet.

„Seit 2002 unterstützt die HSS mit einem eigenen Büro in Bukarest und vielen Projekten den Transformationsprozess und die europäische Integration Rumäniens“, sagte Stiftungsvorsitzende Ursula Männle. „Ich war immer beeindruckt von der Beharrlichkeit, mit der die rumänische Bevölkerung am Aufbau demokratischer Strukturen festgehalten hat. Und den Beitritt zur Europäischen Union genutzt hat, sich positiv in die Gemeinschaft einzubringen und für ihre Werte einzutreten.“

„Seit 2002 unterstützt die HSS mit einem eigenen Büro in Bukarest und vielen Projekten den Transformationsprozess und die europäische Integration Rumäniens“, sagte Stiftungsvorsitzende Ursula Männle. „Ich war immer beeindruckt von der Beharrlichkeit, mit der die rumänische Bevölkerung am Aufbau demokratischer Strukturen festgehalten hat. Und den Beitritt zur Europäischen Union genutzt hat, sich positiv in die Gemeinschaft einzubringen und für ihre Werte einzutreten.“

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1918 endete in Europa endlich das sinnlose Sterben auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges. Ein neuer Aufbruch für den Kontinent. Überall wurden in dieser historischen Situation politische Entscheidungen getroffen, die die Zukunft Europas und in besonderem Maße Osteuropas, in den kommenden Jahrzehnten bestimmen sollten. 1918 sah etwa die Ausrufung der Weimarer Republik, der ersten deutschen Demokratie, die Gründung der Ukraine als souveränen Staat und den Beitritt etlicher Territorien zu einem neuen „Großrumänien“.

Mit den „Karlsburger Beschlüssen“ schlossen sich Siebenbürger, das Banat, Sathmar und Maramuresch, die Bukowina und Bessarabien sowie die Süddobruscha dem „Altreich“ an.

Rumänien hatte damit Ende des Jahres 1918 seine größte territoriale Ausbreitung erreicht und seine Fläche im Vergleich zur Vorkriegszeit nahezu verdoppelt - daher der Begriff „Großrumänien“ für die Zeit von 1918- 1940.

Die Eingliederung in Rumänien war in den jeweiligen Gebieten durch Volksversammlungen gefordert worden. Die wichtigste war die Nationalversammlung von „Alba Iulia“ (Karlsburg), die am 1. Dezember 1918 mit den sogenannten Karlsburger Beschlüssen die Vereinigung mit Rumänien besiegelte. Dieses Datum ist heute rumänischer Nationalfeiertag. Die territoriale Erweiterung änderte auch die ethnische Zusammensetzung der rumänischen Bevölkerung: Etwa ein Drittel der Landesbevölkerung gehörte nun nationalen Minderheiten an.

Die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit Kerstin Schreyer, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales. Stamm ist Vorsitzende des Kuratoriums der Bayerischen Kinderhilfe Rumänien e.V.

Die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit Kerstin Schreyer, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales. Stamm ist Vorsitzende des Kuratoriums der Bayerischen Kinderhilfe Rumänien e.V.

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Enttäuschte Erwartungen

Dabei hatte die Stimme der deutschen Minderheit in Rumänien großes Gewicht: Die Vertreter der Deutschen Rumäniens aus Siebenbürgen und dem Banat stimmten in jeweils eigenen Beschlüssen den Karlsburger Beschlüssen zu und damit der Vereinigung mit dem Königreich Rumänien.  Die Zustimmung der ethnischen Minderheiten zu dem jeweiligen Anschluss ihrer Gebiete an Rumänien war ausschlaggebend dafür, dass die territorialen Zugewinne Rumäniens in der Pariser Friedenskonferenz 1919-1920 angenommen wurden.  

Die anfänglichen Erwartungen an die umfassenden Freiheits- und Bürgerrechte, wie sie in den Karlsburger Beschlüssen zum Ausdruck kamen wurden jedoch teilweise enttäuscht, da  in den 30er Jahren auch in Rumänien der Nationalismus im Aufwind war und die umfassenden Selbstbestimmungs- und Freiheitsrechte der nationalen Minderheiten zugunsten stärkerer zentralstaatlicher Elemente eingeschränkt wurden.

Info:

Zu diesem Anlass führte die Hanns-Seidel-Stiftung in Bukarest am 23. November 2018 im George-Enescu Museum eine Konferenz zum Thema „100 Jahre Großrumänien 100 Jahre Karlsburger Beschlüsse“ durch. Unsere Experten: Prof.  Dr.  Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Jürgen Porr, Vorsitzender des Interessensverbandes der Rumäniendeutschen Demokratischen Forums der Deutschen Rumäniens (DFDR) sowie Dr. Alexander Mironov von der Fakultät für Geschichtswissenschaften der Universität Bukarest.

Bei der anschließenden Diskussion wurden neben historischen Zusammenhängen auch zahlreiche Aspekte der aktuellen Position der deutschen Minderheit in Rumänien angesprochen. Dr. Fabritius betonte die hervorragende Brückenfunktion der Deutschen Rumäniens zur Bundesrepublik Deutschland, die in beide Richtungen bilaterale und europäische Kontakte fördere. Aus Sicht des Aussiedlerbeauftragten stellte er fest, dass die Zuwanderung von Deutschen aus Rumänien in die Bundesrepublik  nach dem Bundesvertriebenengesetz heute praktisch abgeschlossen sei und stattdessen die Europäische Freizügigkeit das Zusammenleben bestimme.

Zusammen mit Dr. Porr verurteilte er die jüngsten Angriffe einzelner Politiker gegen die deutsche Minderheit in Rumänien und ihren derzeit bekanntesten Vertreter, Staatspräsident Johannis, und forderte Regierung und Parlament auf, umgehend und deutlich Stellung zu beziehen. 

Autor: Daniel Seiberling, HSS-Rumänien

Kontakt
Leiter: Henning Senger
Referat VI/2 Mitteleuropa, Osteuropa, Russland
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Telefon: 089 1258-440
Fax: 089 1258-359
E-Mail: senger@hss.de

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011 033 Bukarest
România
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