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Die Bundestagswahl 2021
Ende einer Ära

Gestern fand die wohl spannendste Bundestagswahl seit langem statt. Wie hat Deutschland gewählt? Welche Regierungskoalitionen sind nach 16 Jahren Kanzlerin Merkel nun möglich? Und welche Auswirkungen wird das auf unsere Zukunft haben?

  • SPD stärkste Kraft, Linke unter 5%
  • Mögliche Dreier-Koalition
  • CSU erzielt in Bayern bessere Ergebnisse als erwartet
Wahlergebnisse

Die SPD wird die stärkste Kraft im 20. deutschen Bundestag. Kurz dahinter liegt die Union.

Deutscher Bundestag; HSS; Deutscher Bundestag

Die Bundestagswahlen 1998 brachten das Ende der Ära Kohl: Nach 16 Jahren Kanzlerschaft war für die Union keine Mehrheit mehr zu holen und eine Rot-Grüne Bundesregierung übernahm. Nach 16 Jahren Kanzlerschaft von Angela Merkel ist für CDU und CSU ein ähnliches Szenario wahrscheinlich. Sicher schien vor der Wahl nur, dass die neue Bundesregierung wieder von einer Koalitionsregierung gestellt werden würde. Vor dem Wahltermin schienen sowohl Koalitionen unter Führung der Union als auch unter Führung der SPD möglich – und diese hatte ein Bündnis unter Einschluss der Linken nicht ausgeschlossen.

SPD stärkste Kraft

Wie in allen Umfragen bis kurz vor der Wahl landete die SPD auch beim vorläufigen amtlichen Endergebnis mit 25,7% (205 Mandate) vorn. CDU und CSU zusammen kamen auf 24,1% (194 Mandate), dem bislang schlechtesten Ergebnis bei Bundestagswahlen. Potentielle Koalitionspartner sind zuerst die Grünen (14,8% und 116 Mandate) sowie die FDP (11,5% und 91 Mandate), während die AfD (10,3% und 84 Mandate) von vorn herein ausgeschlossen war. Die Linke kam nur auf 4,9% (bekommt aber wegen der Grundmandatsklausel trotzdem 39 Mandate), aber ein Bündnis mit ihr wäre aufgrund dieser Werte rein numerisch für SPD und Grüne nicht mehr möglich. Die sonstigen Parteien kamen auf 8,7%, blieben aber ohne Mandate, während der Südschleswigsche Wählerverbund aufgrund einer Sonderregelung im Wahlrecht ein Mandat erhielt. Die Wahlbeteiligung lag bei 76,6% - etwas höher als 2017; in Bayern sogar bei 79,8%.

CSU in Bayern stärker als erwartet

Die CSU kam in Bayern auf 31,7% - immerhin klar über den letzten Umfragen, die sie bei 28% gesehen hatten. Ein großer Erfolg ist der Gewinn von 45 der 46 bayerischen Direktmandate – auch da hatten manche Beobachter bis kurz vor der Wahl den Verlust mehrerer Sitze prognostiziert. Ob die CSU der nächsten Bundesregierung angehört, wird sich in den nächsten Wochen zeigen: Sowohl ein Bündnis der SPD mit Grünen und FDP wäre möglich als auch eines aus Union und beiden Parteien; ebenso eine Fortsetzung der Koalition aus CDU, CSU und SPD. So oder so wird die CSU in einer neu sortierten Union eine wichtige Rolle einnehmen – nach der Wahlniederlage 1998 hatte dies einen enormen Anstieg der Werte für die CSU zur Folge bis hin zur Zweidrittelmehrheit im Landtag 2003.

 

Analyse von Dr. Gerhard Hirscher

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Leitung: Dr. Gerhard Hirscher
L 1: Grundlagen der Demokratie, Parteienentwicklung, Wahlforschung
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