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„Religion Matters“ – die interreligiöse Interviewreihe mit Führungspersönlichkeiten der Weltreligionen
Teil VIII: Die Menschlichkeit der Anderen

Welche Rolle spielen Frauen in der Religion? Wie steht es um die Religionsfreiheit weltweit? Im Interview mit hohen Religionsvertretern fragen wir, wie die verschiedenen Religionen und Konfessionen mit den Problemen der Gegenwart umgehen und was wir voneinander lernen können. Heute mit Azzam Karam, Generalsekretärin der internationalen Nichtregierungsorganisation „Religions for Peace“.

"Religions for Peace" auf ihrem letzten Weltkongress in Lindau.

Die Corona-Pandemie hat die globalen Lebensadern und ihre Gesellschaften an ihrer Achillesverse getroffen. Sie stellt Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion und Gesellschaft in einem ohnehin schon bestehenden Zeitalter wachsender Unsicherheiten vor ungeahnte Herausforderungen.

Wir brauchen dringend Antworten und Orientierung, vor allem aber Zuversicht, um gestärkt aus dieser Krise herauszukommen. Die interreligiöse Interviewreihe „Religion Matters“ der Hanns-Seidel-Stiftung lässt religiöse Führungspersönlichkeiten der großen Weltreligionen zu Wort kommen, um ihre Perspektiven auf die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen herauszuarbeiten. So kann sich der Zuschauer selbst ein Bild machen, wie unterschiedliche Religionen und Konfessionen die schwierigen Fragen unserer Gegenwart angehen. Über diese Interviewreihe will die Hanns-Seidel-Stiftung außerdem diese religiösen Führungspersönlichkeiten indirekt in ein Gepräch miteinander bringen, von dem der interreligiöse Dialog weltweit profitieren soll.

Im Mittelpunkt der einzelnen Interviews steht die Frage, inwieweit Glauben und Religion in Zeiten wachsender Komplexitäten und Unsicherheiten Antworten geben können. Wie kann religiöse Kompetenz die Politik aktuell in der Krisenbewältigung ergänzen? Wie steht es um die Religionsfreiheit weltweit und den interreligiösen Dialog? Welche Strategien braucht es, um die Polarisierung der Gesellschaft zu überwinden und Extremismus und Terrorismus zu bekämpfen?

Für „Religion Matters“  haben wir mit dem Sicherheitsexperten Oliver Rolofs unter anderem die Erzbischöfin der Schwedischen Kirche, Antje Jackelén, interviewt, außerdem den Präsidenten der Konferenz der Europäischen Rabbiner, Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, den Bischof von Arabien Paul Hinder, den Patriarchen der Syrisch-Orthodoxen Kirche, Moran Mor Ignatius Aphrem II., oder Sheikh Eşref Efendi vom ehrenwerten Sufi-Orden „Naqshbandiyya“.

Mann im Anzug, freundlich lächelnd

Oliver Rolofs

Oliver Rolofs ist Mitgründer und Managing Partner der Münchner Kommunikations- und Strategieberatung connecting trust. Er berät Wirtschaftsführer, politische Entscheidungsträger sowie religiöse Führer aus aller Welt in Fragen der strategischen Kommunikation, Public Affairs, Resilienz und Sicherheit sowie dem interreligiösen Dialog. Der ehemalige Kommunikationschef der Münchner Sicherheitskonferenz ist studierter Politikwissenschaftler, Völkerrechtler und Soziologe.

Azza Karam, eine freundlich lächelnde Frau vor einer Stellwand mit dem Logo von "Religions for Peace".

"[...] Willkommen zurück in einer Realität, in der Glaube niemals verschwunden ist. Er ist Teil dessen, wer wir sind, was wir sagen und wie wir die Dinge sehen [...]." (Azza Karam, Generalsekretärin von "Religions for Peace")

Religions for Peace

Welche Rolle spielen Frauen in der Religion? Wie steht es um die weltweit unter Druck geratene Religionsfreiheit und muss der Islam reformiert werden? Was bedeutet die Corona-Krise für Religionsgemeinschaften und unsere Gesellschaft als Ganzes? Darüber spricht die Generalsekretärin der internationalen Nichtregierungsorganisation „Religions for Peace“ (RfP) Professor Azza Karam im vorerst letzten Teil der interreligiösen Interviewreihe „Religion Matters“ der Hanns-Seidel-Stiftung.

Die 2019 auf der Vollversammlung von „Religions for Peace“ in Lindau zur RfP-Generalsekretärin gewählte Azza Karam beklagt, dass es in den meisten Ländern weltweit keine Religionsfreiheit gebe. Religionsfreiheit werde zunehmend politisch manipuliert, kritisiert sie. Man könne nicht die Freiheit einer Religion zu Recht beanspruchen, wenn sich andere in demselben Raum befänden, denen die Freiheit, zu denken und ihrem Gewissen Ausdruck zu verleihen, verweigert werde. Karam betont, dass Freiheit wesentlich von Gedankenfreiheit abhänge, nicht von Religionsfreiheit.

Karam fordert zudem, dass die Rolle der Frauen in der Religion und Gemeinschaft stärker anerkannt werden müsse. Gerade die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie sehr insbesondere Frauen davon betroffen seien. „Die Auswirkungen der Pandemie haben das Gesicht einer Frau.“ Würden doch gerade Frauen etwa im Gesundheitswesen oder in Lehrberufen eine herausgehobene Rolle spielen und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen. Zugleich seien sie aber einer deutlich höheren geschlechterspezifischen Gewalt ausgesetzt.

Laut Karam habe die Corona-Pandemie, insbesondere der Covid bedinge Lockdown, ein Erdbeben, einen massiven Tsunami in den Bereichen religiöser Institutionen verursacht. Die sehr grundlegende Funktion, an besonderen Tagen zusammenzukommen, viele Menschen einzuberufen oder Zeremonien des Glaubens und der Anbetung abzuhalten, sei aufgrund des Lockdowns bedrohlich ausgehebelt worden. Mit diesen Auswirkungen habe man sich bislang nicht genug befasst, so die Politik- und Religionswissenschaftlerin.

Azza Karam wurde 1968 in der ägyptischen Hauptstadt Kairo geboren und ist als Tochter eines Diplomaten in den Hauptstädten der Welt aufgewachsen. Auf der Vollversammlung von „Religions for Peace“ in Lindau im September 2019 wurde die muslimische Politik- und Religionswissenschaftlerin zur Generalsekretärin der internationalen Nichtregierungsorganisation „Religions for Peace“ (RfP) gewählt. RfP ist in rund 100 Ländern aktiv und hat ihren Hauptsitz in New York. Oberstes Ziel der seit 1973 bei den Vereinten Nationen akkreditierten Organisation, die auch als „UN der Religionen“ bezeichnet wird, ist die Förderung gemeinsamer Aktionen der Glaubensgemeinschaften weltweit zur Stärkung des Friedens durch interreligiösen Dialog.

Azza Karam ist Professorin für Religion und Entwicklung an der Vrije Universiteit Amsterdam und wurde 1996 zum Thema „Politischer Islam“ promoviert. Seither veröffentlichte sie zahlreiche Publikationen in mehreren Sprachen zu internationaler politischer Dynamik, Demokratie, Menschenrechten, Frieden und Sicherheit, Genderthemen, Religion und nachhaltiger Entwicklung. Neben ihrem Amt als RfP-Generalsekretärin ist sie beim UN-Bevölkerungsfonds tätig und führt auch die UN-Arbeitsgruppe für Religion und Entwicklung. Zuvor war sie mit regionalen Bildungsprogrammen im arabischen Raum betraut.

Welche Rolle spielen Frauen in der Religion? Wie steht es um die weltweit unter Druck geratene Religionsfreiheit und muss der Islam reformiert werden? Darüber haben wir mit Professor Azza Karam gesprochen, der Generalsekretärin der internationalen Nichtregierungsorganisation „Religions for Peace“ (RfP) im vorerst letzten Teil der interreligiösen Interviewreihe „Religion Matters“ der Hanns-Seidel-Stiftung.

©HSS

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Leiter: Dr. Philipp W. Hildmann
L3: Kompetenzzentrum Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Interkultureller Dialog
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