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„Religion Matters“ – die interreligiöse Interviewreihe mit Führungspersönlichkeiten der Weltreligionen
Teil IV: Der Bischof von Arabien

Welche Antworten bietet der Glaube in schwierigen Zeiten? Im Interview mit hohen Religionsvertretern fragen wir, wie die verschiedenen Religionen und Konfessionen mit den Problemen der Gegenwart umgehen und was wir voneinander lernen können. Heute mit Paul Hinder, dem Apostolischen Vikar von Arabien und Jemen.

Die Corona-Pandemie hat die globalen Lebensadern und ihre Gesellschaften an ihrer Achillesverse getroffen. Sie stellt Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion und Gesellschaft in einem ohnehin schon bestehenden Zeitalter wachsender Unsicherheiten vor ungeahnte Herausforderungen.

Eine Straße in Beirut in der Nacht. Vorne eine Moschee, hinten das Kreuz einer christlichen Kirche.

Für die bunte Gemeinde der Christen in der arabischen Welt ist Religionsfreiheit besonders wichtig.

Carlos Haidamous; ©HSS; IStock

Wir brauchen dringend Antworten und Orientierung, vor allem aber Zuversicht, um gestärkt aus dieser Krise herauszukommen. Die interreligiöse Interviewreihe „Religion Matters“ der Hanns-Seidel Stiftung lässt religiöse Führungspersönlichkeiten der großen Weltreligionen zu Wort kommen, um ihre Perspektiven auf die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen herauszuarbeiten. So kann sich der Zuschauer selbst ein Bild machen, wie unterschiedliche Religionen und Konfessionen die schwierigen Fragen unserer Gegenwart angehen. Über diese Interviewreihe will die Hanns-Seidel-Stiftung außerdem diese religiösen Führungspersönlichkeiten indirekt in ein Gepräch miteinander bringen, von dem der interreligiöse Dialog weltweit profitieren soll.

Im Mittelpunkt der einzelnen Interviews steht die Frage, inwieweit Glauben und Religion in Zeiten wachsender Komplexitäten und Unsicherheiten Antworten geben können. Wie kann religiöse Kompetenz die Politik aktuell in der Krisenbewältigung ergänzen? Wie steht es um die Religionsfreiheit weltweit und den interreligiösen Dialog? Welche Strategien braucht es, um die Polarisierung der Gesellschaft zu überwinden und Extremismus und Terrorismus zu bekämpfen?

Für „Religion Matters“  haben wir mit dem Sicherheitsexperten Oliver Rolofs unter anderem die Erzbischöfin der Schwedischen Kirche, Antje Jackelén, interviewt, außerdem den Präsidenten der Konferenz der Europäischen Rabbiner, Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, den Bischof von Arabien Paul Hinder, den Patriarchen der Syrisch-Orthodoxen Kirche, Moran Mor Ignatius Afrem II., und Sheikh Eşref Efendi vom ehrenwerten Sufi-Orden „Naqshbandiyya“.

Mann im Anzug, freundlich lächelnd

Oliver Rolofs

Oliver Rolofs ist Mitgründer und Managing Partner der Münchner Kommunikations- und Strategieberatung connecting trust. Er berät Wirtschaftsführer, politische Entscheidungsträger sowie religiöse Führer aus aller Welt in Fragen der strategischen Kommunikation, Public Affairs, Resilienz und Sicherheit sowie dem interreligiösen Dialog. Der ehemalige Kommunikationschef der Münchner Sicherheitskonferenz ist studierter Politikwissenschaftler, Völkerrechtler und Soziologe.

Hinder spricht von einer Kanzel aus

Bischof Paul Hinders Amtssitz ist in Abu Dhabi. Sein Verantwortungsbereich umfasst die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman und Jemen (Südliches Vikariat) und Bahrain, Katar und Saudi-Arabien (Nördliches Vikariat).

Paul Hinder

Interview mit dem Apostolischen Vikar von Arabien und Jemen, Paul Hinder

Als Bischof von Arabien steht Paul Hinder einer besonderen Gemeinde vor, die sich ausschließlich aus Gastarbeitern aus Indien, den Philippinen, Korea, dem Libanon und Europa zusammensetzt und in einem ausschließlich muslimisch geprägten Umfeld in ihrer Religionsfreiheit zum Teil stark eingeschränkt ist. In der interreligiösen Interviewreihe „Religion Matters“ der Hanns-Seidel-Stiftung spricht Bischof Paul Hinder über seine tägliche Arbeit in der arabischen Diaspora, das Spannungsfeld der Religionsfreiheit, die Lehren aus der Corona-Krise und welche Verantwortung religiöse Führer heute tragen müssen, um Krisen und eine Spaltung der Gesellschaft zu überwinden.

Corona sei eine Erinnerung, dass alles, was man erlebe, relativ sei und man wie beim Leben nach dem Tode über den Rand schauen müsse. Dennoch könne er der Corona-Pandemie etwas Positives abgewinnen. Sie hätte zu einer „Entschleunigung“ und zurück zu einem „menschengerechten Tempo“ geführt. In dem Interview kritisiert Hinder die Zunahme von Krieg und Gewalt in der ganzen Welt. Die Welt stehe in Flammen. Hier müssten Religionsführer gegensteuern und sich berufen fühlen, angesichts des Brandes auch Feuer zu löschen. Dies erfordere, dass sie und ihre Gefolgschaft angstfrei aufeinander zugingen, über alle Religionsgrenzen hinweg.

Der Schweizer Kapuzinerpater Bischof Dr. Paul Hinder wurde 1942 in Stehrenberg im Kanton Thurgau geboren. Nach seinem Eintritt in den Kapuzinerorden und dem Theologiestudium in Solothurn im Jahr 1967 übernahm Hinder leitende Ordensfunktionen und war im Generalrat des Ordens in Rom ab 1994 auch für die Kapuziner auf der Arabischen Halbinsel zuständig. 2003 trat Hinder in die Kirchenleitung in Arabien ein, zunächst als Weihbischof im südlichen und nördlichen Apostolischen Vikariat Arabien und Titularbischof von Macon. 2005 wurde er zum Apostolischen Vikar von Arabien und Jemen mit Sitz in Abu Dhabi in den Vereinigte Arabische Emiraten (VAE) ernannt. Sein Zuständigkeitsbereich umfasst mit den Emiraten, Oman und Jemen (Südliches Vikariat) und mit Bahrain, Katar und Saudi-Arabien (Nördliches Vikariat) einen der flächengrößten Kirchenbezirke der Welt. In ihm leben rund dreieinhalb Millionen aus Europa oder Asien stammende Katholiken, die von etwa 120 Priestern betreut werden.

©HSS

Der große interreligiöse Kalender vom "Sonntagsblatt" – Die wichtigsten Fest- und Feiertage von Katholiken, Protestanten, Orthodoxen, Aleviten, Juden und Muslimen, Buddhisten und Hindus auf einen Blick.

Kontakt
Leiter: Dr. Philipp W. Hildmann
L3: Kompetenzzentrum Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Interkultureller Dialog
Leiter:  Dr. Philipp W. Hildmann
Telefon: 089 1258-492
E-Mail: hildmann@hss.de