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#HSSnachhaltig vor Ort
Kreislaufwirtschaft in Argentinien

Mülldeponien verursachen Emissionen von Treibhausgas. Argentinien muss sich dieses Problems annehmen, will es seine im Rahmen des Pariser Klimaabkommens vereinbarten nationalen Emissionsminderungsziele erreichen. Vor allem in touristischen Gebieten entsteht viel Müll, weshalb insbesondere dort eine Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) aufgebaut wird. Projektpartner der Hanns-Seidel-Stiftung ist die Fundación Nuevas Generaciones (FNG), ein Think Tank, der mit verschiedenen Maßnahmen dazu beiträgt, Abfälle und Emissionen zu reduzieren und neue Möglichkeiten für ein Einkommen der Bevölkerung zu generieren.

Worum es in dem Projekt geht

Ein Ingenieur erklärt den Exkursionsteilnehmern die Funktionsweise der Anlage zur Behandlung von PET-Flaschen (PET = Polyethylenterephthalat) des Recyclingzentrums der Stadt Buenos Aires.

Ein Ingenieur erklärt den Exkursionsteilnehmern die Funktionsweise der Anlage zur Behandlung von PET-Flaschen (PET = Polyethylenterephthalat) des Recyclingzentrums der Stadt Buenos Aires.

HSS/Argentinien

Das Projekt will zur Erreichung der von Argentinien im Rahmen des Pariser Klimaabkommens (21st Conference of the Parties – COP21) definierten nationalen Ziele (Nationally Determined Contributions – NDCs) einen Beitrag leisten. In den Tourismusgebieten Ciudad de Salta, Ciudad de Luján de Cuyo und Valle de Punilla wird eine Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) eingerichtet, um die von Mülldeponien verursachten Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Ein besonderes Augenmerk gilt hier dem Tourismus, da dieser in den genannten Gebieten für einen beträchtlichen Teil der Abfälle verantwortlich ist.

Worin der Nutzen liegt

Ein Blick in die Aufbereitungsanlage für PET-Flaschen (PET = Polyethylenterephthalat) des Recyclingzentrums der Stadt Buenos Aires.

Ein Blick in die Aufbereitungsanlage für PET-Flaschen (PET = Polyethylenterephthalat) des Recyclingzentrums der Stadt Buenos Aires.

HSS/Argentinien

Argentinien will seine Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber 2007 um 19 Prozent vermindern. Um dieses Ziel zu erreichen, wird u.a. angestrebt, die Verbringung von Abfällen auf Deponien zu reduzieren. Abfälle sollen so weit wie möglich vermieden, wiederverwendet oder recycelt werden. Dadurch wird die Umwelt entlastet, neue Unternehmen und Arbeitsplätze entstehen und viele Müllsammler (cartoneros, recuperadores) des informellen Sektors der Wirtschaft finden im formellen Sektor der Wirtschaft eine Beschäftigung.

So sieht die konkrete Arbeit vor Ort aus

PET-Flaschen (PET =Polyethylenterephthalat) werden zu Flocken zerkleinert, die gewaschen und getrocknet werden. Diese Flocken können für die Herstellung von neuen Flaschen, Besenborsten, Kunststoffbehältern wie Eimern und sogar Fleece Overalls und Sporttrikots verwendet werden.

PET-Flaschen (PET =Polyethylenterephthalat) werden zu Flocken zerkleinert, die gewaschen und getrocknet werden. Diese Flocken können für die Herstellung von neuen Flaschen, Besenborsten, Kunststoffbehältern wie Eimern und sogar Fleece Overalls und Sporttrikots verwendet werden.

HSS/Argentinien

Projektpartner der Hanns-Seidel-Stiftung ist die Fundación Nuevas Generaciones (FNG), welche im Jahre 2009 von einer Gruppe argentinischer Führungspersönlichkeiten gegründet wurde. Die FNG ist ein Think Tank, der konstruktive Vorschläge zur Verbesserung der öffentlichen Politik (Public Policies) erarbeitet und in Umlauf bringt.

Zielgruppen des Projekts sind politische Entscheidungsträger, öffentlich Bedienstete, bereits existierende und potentielle (Klein-)Unternehmer aus dem Bereich der Abfallwirtschaft, Tourismusdienstleister sowie die Einwohner der oben genannten Tourismusgebiete.

Mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen wollen wir zur Reduzierung der Verbringung von Abfällen auf Deponien und damit zur Verminderung der Treibhausgasemissionen beitragen. Im Folgenden sollen zwei dieser Maßnahmen stellvertretend für alle genannt werden:

Anfang Juli 2021 besuchten politische Entscheidungsträger und öffentlich Bedienstete der Stadt Salta, der Stadt Luján de Cuyo und mehrerer Gemeinden des Punilla-Tals auf Initiative der Hanns-Seidel-Stiftung das Recyclingzentrum der Stadt Buenos Aires. Die Exkursionsteilnehmer wurden ausführlich über die Funktionsweisen der fünf Aufbereitungsanlagen des städtischen Recyclingzentrums aufgeklärt und ermuntert, auch für ihre Städte und Gemeinden Aufbereitungsanlagen anzuschaffen. Bei den Exkursionsteilnehmern stießen die drei folgenden Aufbereitungsanlagen auf ganz besonderes Interesse:

  • Die Aufbereitungsanlage für PET-Flaschen (PET = Polyethylenterephthalat): Die PET-Flaschen werden zu Flocken zerkleinert, die wiederum gewaschen und getrocknet werden. Die Flocken können für die Herstellung von neuen Flaschen, Besenborsten, Kunststoffbehältern wie Eimern und sogar Fleece Overalls und Sporttrikots verwendet werden.
  • Die „Material Recovery Facility“: Die Abfälle werden in dieser Anlage automatisch getrennt (Papier, Pappe, Kunststoffe, Metalle etc.); die separierten Materialien werden dann zu Ballen gepresst. Die Ballen werden der Industrie zur Herstellung von neuen Produkten zugeleitet.
  • Die Aufbereitungsanlage für organische Abfälle: Der in dieser Anlage produzierte Kompost wird größtenteils zur Verbesserung der Bodenqualität eingesetzt.
Ein Blick in die Aufbereitungsanlage für organische Abfälle des Recyclingzentrums der Stadt Buenos Aires. Der produzierte Kompost wird größtenteils zur Verbesserung der Bodenqualität eingesetzt.

Ein Blick in die Aufbereitungsanlage für organische Abfälle des Recyclingzentrums der Stadt Buenos Aires. Der produzierte Kompost wird größtenteils zur Verbesserung der Bodenqualität eingesetzt.

HSS/Argentinien

In unseren Bildungsveranstaltungen wird u.a. bereits existierenden und potentiellen (Klein-)Unternehmern aus dem Bereich der Abfallwirtschaft an konkreten Beispielen aufgezeigt, was man aus Abfällen herstellen kann, in der Hoffnung, diese zur Nachahmung anzuspornen.

So erfuhren sie von Alejandro Malgor, dass seine Firma Xinca Eco Shoes Freizeitschuhe aus Textilabfällen und Altreifen herstellt. Malgor wies darauf hin, dass die Produkte seiner Firma von ehemaligen Häftlingen, Menschen mit Behinderungen und Frauen in prekären Situationen angefertigt werden. Er betonte, dass sich Xinca Eco Shoes nicht nur um die Umwelt, sondern auch um die Inklusion der am stärksten Benachteiligten kümmert. Malgor wurde im Jahre 2018 vom World Economic Forum mit dem Titel „Young Global Leader“ ausgezeichnet.

Eine wahre Geschichte

Mitglieder der Kooperative „Fortaleza de mi Tierra“ im Zentrum für Mülltrennung der Stadt Luján de Cuyo (Centro Verde Luján de Cuyo).

Mitglieder der Kooperative „Fortaleza de mi Tierra“ im Zentrum für Mülltrennung der Stadt Luján de Cuyo (Centro Verde Luján de Cuyo).

HSS/Argentinien

Des Öfteren bekommen wir vor Ort bewegende Geschichten zu hören, die die Sinnhaftigkeit unserer Projektarbeit bestätigen. Am 14. Mai 2021 wurde das Zentrum für Mülltrennung der Stadt Luján de Cuyo (Centro Verde Luján de Cuyo) eingeweiht. Dort lernten wir bei unserem Besuch die Präsidentin der Kooperative „Fortaleza de mi Tierra“, Norma „Mema“ Cabiudo, kennen. Von Mema erfuhren wir, dass die Mitglieder ihrer Kooperative das Mülltrennungszentrum der Stadt kostenlos nutzen und die von ihnen dort separierten Abfälle an die Industrie zur Herstellung von neuen Produkten veräußern dürfen. Mema erklärte uns, dass sie sich seit ihrer Kindheit ihren Lebensunterhalt auf der Straße mit Müllsammeln verdienen musste. Nun darf sie im Centro Verde Luján de Cuyo einer geregelten Arbeit nachgehen. Für sie bedeutet das „die Erfüllung eines wunderschönen Traums“.

Autor: Prof. Dr. Klaus Georg Binder

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Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Georg Binder
Argentinien
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Leiterin: Esther J. Stark
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Fax: 089 1258-359
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