Print logo

Studie: Politik und Parteiensystem in Bayern im Spannungsfeld von Corona und Bundestagswahl
Parteien, die Wähler und die Demokratie

Welche Themen werden wichtig zur Bundestagswahl im Herbst, wer wählt was und wie sieht es mit der Einstellung zur Briefwahl aus? Unsere neue Studie bietet tiefe Einblicke in den Zustand unserer Demokratie, der Parteien und Einstellungen in der Wählerschaft.

  • Welches Potential haben die Parteien in Bayern
  • Wer geht wählen?
  • Welche Koalitionen wären beliebt?
  • Schlussfolgerungen

Die Politische Landschaft in Deutschland wandelt sich seit Jahren. Volksparteien schrumpfen, Stammwähler sind inzwischen zu einer Minderheit geworden. Auch in Bayern. „Sie gehen darüber hinaus auch oft nur noch zu für sie wichtigen Wahlen“, sagt Dr. Helmut Jung, der für das Umfrageinstitut GMS in unserem Auftrag analysiert hat, wie der Wähler heute tickt.

Die Wählerschaft in Bayern wird immer volatiler, ganz neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den Lagern scheinen möglich zu werden und: Corona überschattet alle anderen Themen im Vorfeld der Bundestagswahl.

GMS hat insgesamt 2.169 Wahlberechtigte im Bundesland Bayern vom 6. April bis 7. Mai 2021 repräsentativ befragt. Die 90-seitige Studie "Politik und Parteiensystem in Bayern im Spannungsfeld von Corona und Bundestagswahl“ gibt es HIER.

Die Studie gedruckt und gebunden.

Trotz eines Jahres voller Meldungen über Naturkatastrophen aus aller Welt: Die Themen Klima, Umwelt und Energie haben gegenüber 2019 an Relevanz verloren.

Verena Kienast; HSS

„Der Themenbereich Klima/Umwelt/Energie, der noch in unserer Jugendstudie 2019 im Vordergrund stand, ist in der Relevanz deutlich zurückgegangen“, sagt Markus Ferber, MdEP, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung. „Klassische bürgerliche Themen wie Innere Sicherheit und Migration haben an Relevanz verloren, sind aber aus der Agenda nicht verschwunden.“

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Corona hat alle anderen Themen überstrahlt. Dass jetzt unter dem Eindruck der Verwüstungen nach den Überschwemmungen im Westen Deutschlands Klima- und Umwelt an Relevanz gewonnen haben, bedeutet noch nicht, dass sich zur Bundestagswahl nicht wieder alles um die Pandemie dreht. Für Markus Ferber ein Beispiel dafür, wie schnell sich die politische Agenda verschieben kann.

Welches Potential haben die Parteien in Bayern

Für die meisten Wähler in Bayern sind im Prinzip mehrere Parteien wählbar. Mit 62% ist die CSU nach wie vor die Partei mit dem (theoretisch) größten Lager, dicht gefolgt von den Grünen mit 60%. Stark rückläufig sind die Zustimmungswerte von AfD und Linke. So kann sich aktuell nur noch jeder fünfte grundsätzlich vorstellen, für die Linke zu stimmen.

Jung erklärt gerade etwas, Hände leicht nach oben geöffnet.

Dr. Helmut Jung hat für das Umfrageinstitut GMS die Studie für die Hanns-Seidel-Stiftung erstellt.

Verena Kienast; HSS

Wer geht wählen?

In Bayern geben etwa drei von vier Wahlberechtigten bei Bundestagswahlen ihre Stimme ab. Die Hälfte davon identifiziert sich selbst als „Wechselwähler“. Die „Stammwähler“ sind mit inzwischen 45% in der Minderheit. Überraschend hierbei: Mehr als zehn Prozent der Wähler entscheiden sich erst am Wahltag selber für eine Partei. Überraschungen sind also nicht ausgeschlossen. Aber auch der Trend zur Briefwahl hat sich, befeuert durch Corona, nochmal verstärkt. Drei Viertel der Wahlberechtigten in Bayern wollen die Möglichkeit zur Briefwahl „ganz bestimmt“ oder „sehr wahrscheinlich“ nutzen.

Welche Koalitionen wären beliebt?

Auf welche Wunschpartner CSU-Vorsitzender Markus Söder zurückgreifen können wird, haben die Bürgerinnen und Bürger deutlich gemacht. Über die Hälfte spricht sich für eine Koalition zwischen Union und den Grünen aus. Die klassische Variante einer Koalition mit der FDP kommt nur noch auf 42% Zustimmung. Aber sogar die üblicherweise wenig beliebte Option einer „Großen Koalition“ wäre mit 39% immer noch populärer als verschiedene Dreier-Koalitionen, Jamaica (29%) oder Ampel (22%).

Markus Ferber, MdEP, spricht.

Markus Ferber, MdEP, erläutert die Ergebnisse der Studie. Bei den Menschen in Bayern wären alle möglichen Koaltionen aus mehr als zwei Partnern äußerst unbeliebt.

Verena Kienast; HSS

Schlussfolgerungen

Die Stimmung der Bevölkerung hat sich deutlich verbessert, seit die Impfkampagne in Fahrt gekommen und die Inzidenzzahlen stark gesunken sind. Während also der Ärger oder das Verständnis gegenüber staatlichen Schutzmaßnahmen als Thema ein wenig in den Hintergrund tritt, dürfte wichtiger werden, wie die staatlichen Hilfen organisiert wurden oder ob es zum Beispiel konkrete Pläne gibt, wie die versäumte schulische Bildung aufgeholt und das Bildungssystem modernisiert werden kann.

Auch für die Mobilisierung ihrer Klientel sollten die Parteien durchaus auf spezifische Sachthemen setzen, da viele Wähler trotz Affinität zu einer Partei nur an Wahlen teilnehmen, die für sie persönlich wegen eines Sachthemas wichtig erscheint. Durch die großen Überschneidungen in den Wählerpotentialen der Parteien wird es entscheidend sein, sich klar voneinander abzugrenzen.

Zumindest in Bayern ist die CSU wohl die derzeit noch einzig verbliebene Volkspartei, während die SPD diesen Status schon seit Längerem eingebüßt hat und es noch nicht ausgemacht ist, ob die in letzter Zeit besonders erstarkten Grünen diesen Status von der SPD erben könnten.

Autor: Maximilian Witte, HSS, Redaktion

Kontakt
Leitung: Dr. Gerhard Hirscher
L 1: Grundlagen der Demokratie, Parteienentwicklung, Wahlforschung
Leitung:  Dr. Gerhard Hirscher
Telefon: 089 1258-248
E-Mail: hirscher@hss.de