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Klimagipfel in Glasgow - COP 26
Klimaschutz: Wir müssen es gemeinsam schaffen!

Rund 200 Nationen haben an der 26. UN-Klimakonferenz teilgenommen. Nach zweiwöchigen, intensiven Beratungen und Verhandlungen haben die Vertragsstaaten am 13. November ein Abschlussdokument verabschiedet. Delegierte der Hanns-Seidel-Stiftung waren als Beobachter direkt vor Ort im schottischen Glasgow.

Plenarsaal der Weltklimakonferenz COP 26 in Glasgow.

Plenarsaal der Weltklimakonferenz COP 26 in Glasgow.

HSS

Der alljährliche Klimagipfel im November - international bekannt als COP  (United Nations Framework Convention on Climate Change, Conference of the Parties) ist mittlerweile ein Ereignis, das mit Spannung erwartet wird. Es geht um nichts weniger als die Frage, wie die Weltgemeinschaft den Klimawandel und seine Folgen in den Griff bekommt. Ziel des Gipfels war, einen effektiven Klimaschutz in die Wege zu leiten und das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 endlich vollständig in Kraft zu setzen. Dabei reicht es nicht, sich vollmundig zu Zielen zu bekennen. Die Staaten müssen Maßnahmen ergreifen und deren Wirksamkeit sollte überprüfbar sein, auch wenn das bedeutet, dass die bisherige wirtschaftliche Grundlage umgestellt werden muss. Es geht auch darum, jenen technisch und finanziell zu helfen, die den Klimawandel am wenigsten verschuldet haben, aber am meisten darunter leiden. Heikle Themen, die die Verhandlungen so schwierig gestalten.

Dass das Klimaschutzabkommen von Paris, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, bekräftigt wurde, ist eine gute Nachricht. Selbstverständlich ist es nicht. Damit das 1,5-Grad-Ziel in Reichweite bleibt, mussten sich die Staaten dazu durchringen, ihre Emissionsziele und politischen Maßnahmen ambitionierter und kurzfristiger zu setzen.

 „Die ehrliche Wahrheit ist, dass wir nicht da sind, wo wir sein sollten, nicht einmal annähernd“.

Das stellte EU-Kommissar Frans Timmermans fest und appellierte daher am Dienstag der zweiten Verhandlungswoche im Plenarsaal:

 „Wir müssen sicherstellen, dass wir Beschlüsse fassen, die uns wieder auf die Spur der Zielerreichung bringen.“  

COP26 müsse zu dem Ort werden, wo die Verantwortlichen ihre Meinungsverschiedenheiten und Engstirnigkeit überwänden und gemeinsam zum Erfolg kämen, denn, so schloss Timmermanns seinen Redebeitrag:

„Es ist Zeit!“  

Raus aus der Kohle, Entwaldung stoppen, Methanausstoß begrenzen

Nun ist auch genauer geregelt, wie die Fortschritte dokumentiert werden. Glasgow hat damit für die Staaten den Druck erhöht, tätig zu werden. Staaten, die bislang als Bremser galten, haben erstmals konkrete Daten genannt, bis wann sie klimaneutral sein wollen, etwa Saudia-Arabien (Erdöl-Exporteur) Australien (Kohle-Exporteur) und Indien (stark von Kohle abhängig). Fossile Energien wurden zum Auslaufmodell erklärt. Beinahe hätten sich die Länder auf einen globalen Ausstieg aus der Kohle (phasing out) geeinigt, jetzt ist nur noch von einem Abbau (phasing down) die Rede, dennoch ist es neu, dass das Thema Eingang in die Abschlusserklärung gefunden hat. Es sind kleine, für viele Beobachter unzureichende Schritte, aber wenigstens bewegen sie sich in die richtige Richtung.

Dies trifft auch für die Selbstverpflichtung von mehr als 100 Staaten zu, die Zerstörung von Wäldern und anderen Landschaften bis 2030 zu stoppen (womit immer noch zu viel Zeit für einen weiteren Raubbau an der Natur bleibt).

Erstmals war auch das klimaschädliche Methan ein Thema. Fast 100 Staaten haben sich der gemeinsamen Initiative von EU und USA angeschlossen, die Methangasemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent gegenüber 2020 zu reduzieren, ebenfalls ein Erfolg (der noch schöner wäre, hätten sich auch Länder wie Indien, China und Russland angeschlossen).

Die Zeit drängt, der Klimawandel ist spürbar

Allen ist klar, dass kaum mehr Zeit bleibt, den Klimawandel auf den gewünschten Weg zu bringen, doch die Länder sehen sich nicht alle gleichermaßen in der Lage, den notwendigen Fahrplan in der gebotenen Geschwindigkeit umzusetzen. Dass die Situation dringlich ist, steht außer Zweifel. Immer wieder wurde auch das Beispiel der Flutkatastrophe 2021 in Deutschland aufgeführt, um zu zeigen, dass wir alle Opfer von Naturkatastrophen sein können, die mit dem Klimawandel im Zusammenhang stehen, im Norden wie im Süden.
Doch es gibt Länder, die von Überflutungen oder Überschwemmungen, von Hitzeperioden und Dürren, Vulkanausbrüchen und Erdbeben oder von Wirbelstürmen besonders heftig getroffen werden. Oft sind es Länder, die kaum eigene Mittel zur Bewältigung solcher Katastrophen haben – ganz zu schweigen davon, dass sie zudem am wenigsten zu den Verursachern des Klimawandels gehören. Gerechtigkeit und Solidarität sind hier gefordert. Was es bedeutet, an der Frontlinie des Klimawandels zu stehen, machten die betroffenen Länder immer wieder klar.

Verlust und Schaden – weltweite Solidarität zeigen

Wird beispielsweise eine Insel oder ein Küstenabschnitt überflutet, zerstört das Häuser und Infrastrukturen. Darüber hinaus wird das natürliche Trinkwasser durch das eindringende Salz verunreinigt. Sind auch die Mangroven und Korallenbestände zerstört, gehen damit auch die Fischgründe verloren, die die Bewohner mit Protein versorgt haben. „Loss and Damages“ ist hier das Stichwort, „Verlust und Schaden“. So ging es in Glasgow auch darum, dass Industrieländer ihre finanziellen Zusagen an die Entwicklungsländer einhalten und bis 2025 erhöhen, denn diese benötigen finanzielle und technische Hilfe für den Wiederaufbau und Expertise für langfristige Maßnahmen zur Klimaanpassung. In vielen Veranstaltungen, die in dem weitläufigen Gelände stattfanden, ging es parallel daher auch um ganz praktische Arbeit und Kooperationen vor Ort, wie sie auch die Hanns-Seidel-Stiftung oftmals unterstützt. Ideen für „nachhaltige Städte“ und Methoden zur Messung von „Resilienz“ wurden vorgestellt.

Autorin: Silke Franke

Kontakt
Leiterin: Silke Franke
Umwelt und Energie, Städte, Ländlicher Raum
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E-Mail: franke@hss.de