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#HSSnachhaltig vor Ort
Bewahrung der Schöpfung im Heiligen Land

Angesichts der konfliktreichen politischen Situation in den Palästinensischen Gebieten standen dort Umwelterziehung und Umweltschutz bisher kaum auf der politischen Agenda. Entsprechend ist das Umweltbewusstsein der Bevölkerung wenig ausgeprägt. Um die nachhaltige Entwicklung in den Palästinensischen Gebieten zu stärken, hat die Hanns-Seidel-Stiftung das Projekt Mahmiyat entwickelt und implementiert. Ziel der Aktivitäten ist die Erhöhung des Umweltbewusstseins.

Zunächst wurde die Webseite Mahmiyat.ps (Mahmiyat ist arabisch und bedeutet Naturschutzgebiet) erstellt, die erste Webseite für palästinensische Naturschutzgebiete.

Diese Webseite war auch das erste elektronische Medium in den Palästinensischen Gebieten, das sich mit Ökotourismus beschäftigt, um allen Schichten der lokalen Bevölkerung ein breites Informationsangebot über Naturschutzgebiete, kulturelle und historische Stätten sowie Serviceangebote in der Nähe zu bieten. Mit der Zeit hat sich die Webseite zu einer Bildungsplattform und wissenschaftlichen Quelle für die örtlichen Naturschutzgebiete und deren biologischen Vielfalt – zu denen nur begrenzt Druckerzeugnisse in arabischer Sprache verfügbar sind – entwickelt.

Worin der Nutzen liegt

Reinigungsaktion im Naturschutzgebiet Auja.

Reinigungsaktion im Naturschutzgebiet Auja.

HSS Jerusalem und Mahmiyat.ps

Das Mahmiyat-Projekt zielt darauf ab, die palästinensische Gesellschaft anzuspornen, mehr über die Natur vor Ort zu erfahren und dadurch Umwelt und Naturschutzgebiete zu schützen. Das Wissen um den Reichtum der Natur in der Region ist unter der Bevölkerung bisher kaum ausgeprägt.
Mit dem Projekt gelingt es, das Bewusstsein der lokalen Gesellschaft durch viele gesellschaftliche Aktivitäten zu fördern: Gemeinsame Wanderungen in 23 Naturschutzgebieten führen die palästinensische Gesellschaft an die Natur heran. Die Teilnehmer lernen die Naturschutzgebiete kennen ebenso wie deren Gefährdung, die Beobachtung von Zugvögeln, die Klassifizierung von Pflanzen- und Tierarten, die Pflanzung von heimischen Pflanzen und die Auswilderung einer Vielzahl von gesund gepflegten Vögeln in die Naturschutzgebiete. Zielgruppen dieser gesellschaftlichen Aktivitäten sind Familien, Frauen, Kinder, Lehrer, Journalisten, Umweltaktivisten, Studenten und umweltinteressierte Bürger. Bislang nahmen etwa 3.000 Bewohner aus verschiedenen Teilen des Westjordanlands teil.

Im Jahr 2020 organisierte die HSS die erste Ausstellung über biologische Diversität am Vorplatz der Geburtskirche in Zusammenarbeit mit dem lokalen Partner in der Umweltbehörde und unter der Schirmherrschaft des palästinensischen Ministerpräsidenten Dr. Moh’d Eshtayyah.

Da es bisher keine Wandertage an den palästinensischen Schulen im Westjordanland gegeben hat, wurden in Abstimmung mit den palästinensischen Ministerien für Tourismus (MOTA) sowie für Erziehung Workshops durchgeführt, um Lehrer zu befähigen und zu motivieren, ihren Schulklassen die Natur des Westjordanlands und ein praktisches Verständnis für Umweltschutz näherzubringen.

Ein Schüler teilt sein Wissen über Naturschutz mit palästinensischen Beamten während der landesweit ersten Biodiversitätsausstellung in Bethlehem.

Ein Schüler teilt sein Wissen über Naturschutz mit palästinensischen Beamten während der landesweit ersten Biodiversitätsausstellung in Bethlehem.

HSS Jerusalem und Mahmiyat.ps

Bisher wurden auch zwei Delegationsreisen nach Bayern organisiert: Eine „Environmental Knowledge Transfer“-Delegationsreise nach Bayern mit Umweltexperten aus den Palästinensischen Gebieten, u.a. mit der palästinensischen Umweltministerin, zu den Themen Umwelttourismus und Umweltbildung sowie eine „Zero Waste Management Know-How-Transfer“-Delegationsreise von kommunalen Verantwortungsträgern aus den Palästinensischen Gebieten zu den Themen Müllverbrennung, Recycling, Umwelttourismus und Umweltbildung. Bei beiden Delegationsreisen wurde Fachwissen zu umweltspezifischen Themen vermittelt, das die Teilnehmer inzwischen für ihre Arbeit im Umweltbereich einsetzen.
Als weitere Folge der Delegationsreisen erfolgte eine Ausschreibung der Palästinensischen Autonomiebehörden (PA) für den Bau und Betrieb einer stromerzeugenden Müllverbrennungsanlage. Im Nachgang des „Environmental Knowledge Transfer“ vermittelte die Gemeinde Ajja ihre Erfahrungen durch Lehrgänge, nach dem Prinzip „Train-the-Trainer“ an 15 weitere Gemeinderäte quer durch das Westjordanland. Pläne zur Förderung des Ökotourismus, eine Auswahl von archäologischen, natürlichen und Kulturerbe-Stätten als Routen für Inlandstourismus sind daraus entstanden. 

Im selben Kontext und infolge eines Treffens der HSS-Vertreterin in den Palästinensischen Gebieten mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten, Dr. Moh’d Eshtayyah, hat die palästinensische Regierung in ihrer Sitzung vom 13. Mai 2019 die Entscheidung getroffen, ein Nationales Komitee für Naturschutzgebiete und Koordinierung der Arbeit der Naturschutzgebiete in den Palästinensischen Gebieten zu gründen.

So sieht die konkrete Arbeit vor Ort aus

Ein Landwirt mit Schleiereulen, die als biologische Schädlingsbekämpfer auf den Feldern eingesetzt werden.

Ein Landwirt mit Schleiereulen, die als biologische Schädlingsbekämpfer auf den Feldern eingesetzt werden.

HSS Jerusalem und Mahmiyat.ps

Schleiereulen als Helfer in der Landwirtschaft

Mit Landwirten konnte ein Projekt umgesetzt werden, bei dem die Schleiereule als umweltfreundlicher Helfer für die Landwirtschaft eine wichtige Rolle übernimmt. Durch Aufklärung der Landwirte und Anbringung von Nistkästen für Schleiereulen sollen diese zu einer Verringerung des Pestizideinsatzes beitragen, da sie auf natürliche Weise den Bestand von Nagetieren reduzieren und damit zu höheren Erträgen bei der Ernte von Feldfrüchten führen. Darüber hinaus erfolgt eine Sensibilisierung der Landwirte in den Bereichen Umweltschutz und dem richtigen Umgang mit Wildtieren.

Mauersegler in Bethlehem als Boschafter für Umweltschutz

Jahrhunderte lang nisteten die Mauersegler in den Rissen der Geburtskirche in Bethlehem. Doch bei der letzten Renovierung der Kirche wurden diese geschlossen. Um den Vögeln weiterhin einen Lebens- und Nistplatz zu bieten, hat die Hanns-Seidel-Stiftung an einer nahegelegenen Schule Nistkästen angebracht. Nun kehren die Vögel jedes Jahr, fast am selben Tag zurück! Die Mauersegler sind wirkungsvolle Botschafter für grenzübergreifenden Umweltschutz. Diese Vögel sind einzigartig, da sie während des Flugs essen, trinken und sich sogar paaren. Ihren Flug unterbrechen sie nur zum Nisten. Ein Paar von ihnen vertilgt rund 10.000 Insekten täglich. Das kommt einem guten ökologischen und gesundheitlichen Dienst an Menschen und Natur gleich und macht die Anwendung künstlicher Insektenbekämpfung überflüssig.

Nach der Anbringung der Nistkästen mit Unterstützung der Stadtverwaltung von Bethlehem an der hohen Mauer der Terra Sancta Schule unweit der Geburtskirche wurden Veranstaltungen zur Umweltbildung mit Schülern und Pfadfindergruppen durchgeführt. Dabei ist es gelungen, das Projekt auch zum Anliegen der Kinder und Jugendlichen vor Ort werden zu lassen und ihnen Verantwortung sowohl für die Mauersegler als auch den Umweltschutz in ihrer Umgebung zu vermitteln.

Die offizielle Zeremonie zur Begrüßung der Mauersegler fand 2019 in Anwesenheit der damaligen palästinensischen Umweltministerin Adallah Attirah statt. Somit ist dieses Projekt auch eine Möglichkeit, das Umweltbewusstsein der Kinder Bethlehems sowie der Bevölkerung in den Palästinensischen Gebieten zu stärken. Jedes Jahr werden eine Begrüßung für diese Vögel veranstaltet und deren Unterkünfte saniert. Mit Erfolg: Der Ort ist mittlerweile zu einem Ausbildungsplatz geworden, den eine Vielzahl von Schülern und Studenten aus den verschiedenen Teilen des Westjordanlands besuchen.

Kindern beobachten in freier Natur Wildvögel.

Kindern beobachten in freier Natur Wildvögel.

HSS Jerusalem und Mahmiyat.ps

Onlineaktion zur Vogelbeobachtung im Garten 

Während des Corona-bedingten Lockdowns im Westjordanland im Frühjahr 2020 wurde die Bevölkerung über die Mahmiyat-Kanäle der HSS in den Palästinensischen Gebieten zum Bird-Watching im eigenen Garten aufgerufen. Dabei wurden die Mahmiyat.ps-Webseite und    Umweltbildungsbroschüren verwendet. Auf der Webseite und auf Facebook wurden Anleitungen (Texte und Videos) zum Entdecken, Bestimmen und Zählen der heimischen Vogelarten verbreitet sowie weiterführende Informationen zum Schutz von Umwelt und Natur vermittelt. Als Preis für den besten Vogelbeobachter des Westjordanlandes verloste die HSS ein Exemplar des Mahmiyat-Wanderführers. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg. 1.251 Personen beteiligten sich an der Aktion. Öffentliche Medien berichteten über die Veranstaltung.

Im Juli 2020 wurde während eines Wochenend-Lockdowns im Westjordanland im Rahmen der Kampagnen zur Steigerung des Umweltbewusstseins in der Bevölkerung eine Onlineaktion zum Bau eines Vogelbades im eigenen Garten aus nachwachsenden Rohstoffen durchgeführt. Tausende Nutzer in den sozialen Medien klickten auf die entsprechenden Beiträge. 94 Personen posteten Fotos von ihren nach HSS-Anleitung gebauten Vogelbädern. Auch in Gaza beteiligten sich Interessierte an der Aktion.

Autorinnen: Julia Obermeier, Resident Representative Hanns-Seidel-Stiftung Israel und Palästinensische Gebiete und unter Mitarbeit von Ikram Quttaineh, Projektkoordinatorin HSS Jerusalem.

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Kontakt
Leiterin: Maryam Schmidt
Naher Osten, Nordafrika
Leiterin:  Maryam Schmidt
Telefon: 089 1258-290
Fax: 089 1258-359
E-Mail: schmidtm@hss.de
Projektleitung: Julia Obermeier
Israel/Palästinensische Gebiete
Projektleitung:  Julia Obermeier