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Zukunft der Luftfahrt

Autor: Karl Heinz Keil

Flugzeuge bringen die Passagiere lautlos und fast emissionsfrei ans Ziel? Was aktuell noch wie eine Utopie klingt, ist schon heute Gegenstand der Luftfahrt-Forschung. Zukunftsweisende Studien über alternative Kraftstoffe wurden am 7. Juni 2016 im Konferenzzentrum München vorgestellt und diskutiert.

ILA 2016 Berlin Air Show: Airbus 320neo

ILA 2016 Berlin Air Show: Airbus 320neo

Messe Berlin GmbH

Fakt ist: Die Elektrifizierung des Luftverkehrs beginnt schon jetzt. Auch wenn der rein elektrische Jumbojet nach jetzigem Stand noch Jahrzehnte entfernt liegt, zahlreiche Nischenanbieter aber auch Airbus haben bereits Kleinstflugzeuge gebaut, die ihre Kraft aus der Batterie ziehen. Zum Auftakt der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung Berlin (offiziell  ILA Berlin Air Show)  bekannte sich Airbus-Vorstandschef Tom Enders zum Ziel der Branche, den Ausstoß des Klimagases CO2 bis zum Jahr 2050 um 75 Prozent zu verringern. Das sei „extrem ambitioniert“, aber angesichts der erwarteten Verdoppelung des Flugverkehrs in den nächsten 20 Jahren notwendig. Die ILA ist die bedeutendste Fachmesse der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland und zählt zu den großen und wichtigen Luft- und Raumfahrtmessen der Welt. Die ILA 2016 fand vom 1. bis 4. Juni statt. Zu den Highlights im diesjährigen Flugprogramm gehörten das neue Airbus-Flaggschiff, der A350XWB und der mit neuen, umweltfreundlicheren Triebwerken ausgestattete A320neo. Die beiden größten Verkehrsflugzeuge der Welt, ein Airbus A380 von Emirates und eine Boeing 747-8 der Lufthansa, waren am Boden zu besichtigen.

Karl Heinz Keil (HSS), Mirko Hornung (Bauhaus Luftfahrt), Manfred Rothkopf (DVWG)

Karl Heinz Keil (HSS), Mirko Hornung (Bauhaus Luftfahrt), Manfred Rothkopf (DVWG)

Aber nicht nur auf der ILA wird "Zukunft gemacht". Bayern ist nicht nur wichtiger Industriestandort für die Luftfahrt, sondern auch Heimat eines wichtigen Thinktanks der Luftfahrt. Im November 2005 wurde von den drei Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS (heute Airbus Group), Liebherr-Aerospace und MTU Aero Engines sowie dem Bayerischen Wirtschaftsministerium das "Bauhaus Lufttfahrt" ins Leben gerufen. Seit Anfang 2012 ist zudem die IABG-Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft Mitglied der Institution. Der gemeinnützige Verein ist eine international ausgerichtete Ideenschmiede. Ein Team aus über 30 Wissenschaftlern befasst sich mit der Zukunft der Mobilität im Allgemeinen und mit der Zukunft des Luftverkehrs im Besonderen. Ziel ist es, das komplexe System der Luftfahrt aus vielerlei Blickwinkeln zu betrachten. Prof. Dr. Mirko Hornung ist Vorstand "Wissenschaft und Technik" von Bauhaus Luftfahrt und Lehrstuhlinhaber für Luftfahrtsysteme an der TU München. Hanns-Seidel-Stiftung und die Deutsche Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft Südbayern luden Hornung zu einem Vortrag am 7. Juni 2016 ins Konferenzzentrum München ein. Zukunftsweisende und innovative Studien und Ideen seines Hauses wurden dabei vorgestellt und intensiv diskutiert.

Mirko Hornung stellt alternative Krafstoffkonzepte für die Luftfahrt und neue Triebwerke vor.

Mirko Hornung stellt alternative Krafstoffkonzepte für die Luftfahrt und neue Triebwerke vor.

Die begrenzte Verfügbarkeit von Anbauflächen zur Biomasseproduktion und der steigende Nahrungsmittelbedarf der Weltbevölkerung bilden wichtige Treiber zur Entwicklung mittelfristig verfügbarer Kraftstoffalternativen, die einerseits kohlenstoffneutral sind, andererseits aber nicht auf Biomasse basieren. Ein vielversprechender Weg ist die direkte Speicherung von Sonnenenergie in Form von Kraftstoffen, ohne den Umweg über den Biomasseanbau zu gehen. In diesem Zusammenhang erforscht das Bauhaus Luftfahrt im EU-Projekt SOLAR-JET gemeinsam mit internationalen Partnern neue thermochemische Reaktionsverfahren, um mit Hilfe der Sonneneinstrahlung aus atmosphärischem Kohlendioxid und Wasser synthetisches Kerosin herzustellen. Im Frühjahr 2014 ist es dem SOLAR-JET-Projekt erstmals gelungen, synthetisiertes „solares“ Kerosin herzustellen. Der gesamte Produktionsprozess für erneuerbaren Kraftstoff aus Sonnenlicht, Wasser und Kohlendioxid (CO2) wurde dabei erfolgreich durchlaufen. In einem weiteren Projekt stellte Bauhaus Luftfahrt ein neuartiges Triebwerkskonzept vor, das die Vorteile von modernen Turbomaschinen mit Kolbenmaschinen verbindet, die sogenannte  "Composite Cycle Engine".

Heftig diskutiert im Konferenzzentrum wurde ein aufeinander abgestimmtes Flughafen- und Flugzeugkonzept: "CentAirStation" und "CityBird". Die Vision: Innenstadtflughäfen und neue Flugzeuge, die regional zwischen diesen neuen Innenstadtflughäfen und konventionellen Flughäfen operieren, sollen einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Herausforderungen des Luftverkehrs im Jahr 2040 und darüber hinaus leisten. Grundtenor dieser Diskussion: Auch wenn Projekte technisch machbar und finanzierbar sind, braucht die Luftfahrt, wie auch andere Großprojekte, eine breite gesellschaftliche Akzeptanz.

Kontakt
Referat III/1: Medien, Digitale Gesellschaft, Mobilität, Innovation
Leiter:  Karl Heinz Keil
Telefon: 089 1258-311
Fax: 089 1258-338
E-Mail: keil@hss.de