Print logo

Interview mit Markus Ferber, MdEP, HSS-Vorsitzender
Kryptowährungen - Wunsch und Wirklichkeit

Der Wert von Kryptowährungen ist in letzter Zeit rasant gestiegen. Was ist von dem Hype um die privaten, dezentral organisierten "Währungen" zu halten? Ein sicheres Investment sind Bitcoin & Co. jedenfalls nicht, findet der Europapolitiker Markus Ferber. Welche Rolle kann das digitale Geld in Zukunft spielen?

HSS: Herr Ferber, was unterscheidet Kryptowährungen von Euro, Yuan oder Dollar?

Markus Ferber: Eine Währung ist ein Transfermittel, bzw. ein Tausch-und staatlich legitimiertes Zahlungsmittel, mit dem ganz unterschiedliche Leistungen gegenseitig vergleichbar werden. Früher hat man dazu werthaltige Einheiten, vor allem Gold, genommen. Heute hat man Papiergeld, was an sich keinen Wert hat, er wird gestützt durch Institutionen, wie bei uns in der Euro-Zone die Europäische Zentralbank, die die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel stabilisiert. Darüber hinaus sind Fiat-Währungen gesetzliches Zahlungsmittel und auch Ihre Steuern werden Sie nur in Euro bezahlen können. Der Staat verfügt auch über Mittel und Wege diesen Anspruch durchzusetzen.

Welchen Einfluss werden die Kryptowährungen, Bitcoin oder Libra, auf das Verhältnis der Bürger zu ihrem Geld haben? Darüber haben wir mit unserem Vorsitzenden, Markus Ferber, MdEP, und Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank diskutiert. Auch die dritte Veranstaltung unserer Trilogie "Unser Geld - eine Tradition in Disruption“ wird moderiert von Alexander Hagelüken, Leitender Redakteur für Wirtschaftspolitik der Süddeutschen Zeitung.

Markus Ferber blickt entspannt in die Kamera

"Geld lebt von Vertrauen und da scheint es wichtig, dass die Geldpolitik in staatlichen Händen ist und bleibt. Das gibt den Bürgern Sicherheit." (Markus Ferber, MdEP, Vorsitzender der HSS)

©Markus Ferber; https://www.markus-ferber.de/

Eine Kryptowährung, etwa der Bitcoin, ist nicht stabil in diesem Sinne, sein Wert schwankt täglich und teilweise erheblich. Die sogenannte Kryptowährung ist eine nicht-staatliche Währung, die im Falle des Bitcoins dezentral organisiert ist. Möglich wird das durch die sogenannte Blockchain-Technologie. Diese funktioniert über ein Computernetzwerk, dabei addiert sich eine erweiterbare Liste von Datensätze, die durch verschlüsselte, sprich kryptographische Verfahren verbunden sind und damit eine relativ hohe Sicherheit für die Nutzer bieten. Aber eine staatliche Sicherung gibt es nicht, die Handelsplattformen agieren ohne Lizenzen, die Grenzen des Wirkungskreises finden sich in den technologischen Potentialen, nicht in den regulatorischen.

Bitcoin hat auch keine Historie, wie das etwa Gold hat. Gold hat sich über Jahrhunderte als Wertaufbewahrungs- und Tauschmittel bewährt. Aufgrund dieser Geschichte genießt Gold ein hohes Vertrauen bei den Menschen, weltweit. Darüber hinaus hat Gold auch einen industriellen Verwendungszweck und einen ästhetischen Nutzen. Der Vergleich zwischen Bitcoin und Gold hinkt also. Auch die Einstufung als Währung passt nicht wirklich. Die Deutsche Bundesbank etwa spricht deshalb auch nicht von Kryptowährungen, sondern von Kryptoassets. Die formalen Anforderungen an eine Währung sind daher nicht erfüllt.

HSS: Der Wert vieler digitalen Währungen geht in letzter Zeit durch die Decke. Was treibt diesen unglaublichen Trend?

Ein Faktor ist sicherlich das niedrige Zinsniveau. Wenn das Geld auf dem Sparbuch keinen Ertrag mehr bringt, werden andere Anlageklassen attraktiver. Das gilt umso mehr, je mehr Rendite sie versprechen. Kryptowährungen sind reine Spekulationsobjekte. Das Risiko eines Totalverlustes ist genauso hoch wie die Chance eines großen Gewinns. Kryptowährungen setzen darauf, dass ihr Angebot mehr und mehr angenommen wird und doch so knapp ist, dass der Wert steigt. Das kann so passieren, muss es aber nicht. Entsprechend volatil sind die Kurs-Bewegungen. Wer trotzdem in diese Kryptowährungen investiert, hat keinerlei Schutz bei Ausfällen. Auch dann nicht, wenn es sich um einen Missbrauch handelt. Die EU arbeitet derzeit zwar an einem regulatorischen Rahmen auch für diese Coins, aber das dauert. Wer jetzt sein Geld nicht auf das Sparbuch legen will und bereit ist, volles Risiko zu gehen, weil er mit einer entsprechend sehr hohen Rendite rechnet, setzt im Moment auf dieses Pferd. Das sind offenbar viele. Aber das macht daraus noch keine solide Anlage.

HSS: Sehen Sie Bitcoin und Co. als Chance für sichere Geldtransfers oder eher als Alptraum für die Stabilität unseres Geldsystems?

Kryptowährungen eignen sich nur bedingt als Wertaufbewahrungsmittel, das ist eine der wichtigen Eigenschaften von Geld. Viele Kryptowährungen eignen sich auch - zumindest im Moment - nicht als Zahlungsmittel, weil der Wert stark schwankt und die Akzeptanz der Coins gering ist, bzw. nicht staatlich legitimiert ist. Zumindest der Faktor der Volatilität gilt aber nicht für so genannte Stablecoins, die wiederum an den Wert einer Fiat-Währung gekoppelt sind. Aber auch bei Stablecoins bleibt die Frage der Sicherheit. Wenn sie heute ihr Girokonto bzw. Sparkonto leeren wollen, garantieren die Europäische Zentralbank und Einlagensicherung, dass sie das Geld auch bekommen. Solche Sicherungssysteme gibt es bei Kryptowährungen nicht. Die Geldwert- und Finanzstabilität muss auch in Zukunft gesichert und damit in staatlichen Händen sein. Welche Rolle die Kryptowährungen da spielen, muss beobachtet werden. Ich sehe sie jedenfalls eher als punktuelle Ergänzung statt als Ersatz für Euro, Dollar und Co.

HSS: Wie sehen Sie die Zukunft des Geldsystems?

Ob Kryptowährungen die derzeitigen Währungen Dollar, Euro oder das Pfund ersetzen werden, lässt sich heute noch nicht sagen. Richtig ist aber, dass Kryptowährungen den Anspruch stellen, eine Alternative zur staatlichen Geldpolitik abzubilden. Das Konzept entstand ziemlich zeitgleich mit der Wirtschafts- und Finanzkrise. Einerseits weil es plötzlich große Zweifel an der Stabilität des traditionellen Finanzsystems gab. Die Idee war aber auch, dass das Geldsystem nicht in allen Belangen den Herausforderungen einer globalen Welt gerecht wird. So sind staatliche Währungen auf ihren Raum beschränkt, in den USA kann man nicht mit Euro zahlen. Virtuelle Währungen bieten hier mehr Möglichkeiten und sie sparen damit vor allem die Kosten der Transaktionen, die im internationalen Austausch, vor allem dem Handel, entstehen. Dem muss sich auch das staatliche Geldsystem stellen. Diese Transformation hin zu einem global offenen System ist derzeit intensiv in Arbeit. Denken Sie an den digitalen Euro. Die Europäische Zentralbank arbeitet bereits intensiv am Design dieses digitalen Euros.

Virtuelle Währungen können definitiv einen Beitrag zur finanziellen Inklusion leisten. Für viele Menschen in Ländern, die derzeit kein funktionierendes Finanzsystem haben, wäre das ein gewaltiger Entwicklungssprung. Diese Infrastruktur sollte staatlich geregelt werden und nicht von Unternehmen wie Facebook. Die Zentralbanken sind damit gefordert, erkennbare Dysfunktionalitäten zu beheben. Aber vergessen wir nicht: Geld lebt von Vertrauen und da scheint es wichtig, dass die Geldpolitik in staatlichen Händen ist und bleibt. Das gibt den Bürgern Sicherheit.

HSS: Herr Ferber, vielen Dank für das Interview.

Kontakt
Leiterin: Dr. Claudia Schlembach
Wirtschaft und Finanzen
Leiterin:  Dr. Claudia Schlembach
Telefon: 089 1258-309
Fax: 089 1258-469
E-Mail: schlembach@hss.de